Gleisdreieckspark: Berlin bekommt seine erste legale Free-Open-Air-Fläche

Wer in Berlin ein Free Open Air veranstalten wollte, hat sich bisher fast immer in einer Grauzone bewegt. Spontane Raves gehören zwar seit Jahrzehnten zur DNA der Stadt, rechtlich abgesichert waren sie jedoch kaum. Das wird nun anders: Friedrichshain-Kreuzberg hat den Weg für Berlins erste offiziell ausgewiesene Fläche für nichtkommerzielle Open-Air-Veranstaltungen freigemacht.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat kurz vor der Sommerpause einen Antrag der Linksfraktion angenommen, der die Einrichtung einer legal nutzbaren Free-Open-Air-Fläche vorsieht. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat kurz vor der Sommerpause einen Antrag der Linksfraktion angenommen, der die Einrichtung einer legal nutzbaren Free-Open-Air-Fläche vorsieht. Entwickelt wurde der Antrag von der club- und kulturpolitischen Sprecherin Maria Bischof. Das Vorhaben greift Ansätze auf, die im Rahmen des Projekts Free Open Air Berlin der Clubcommission seit rund eineinhalb Jahren entwickelt und mit verschiedenen Berliner Bezirken diskutiert werden. 

Maria Bischof, Club- und Kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion Friedrichshain-Kreuzberg, hat den Antrag der ersten legalen Fläche für Free Open Airs in Berlin entwickelt. (Foto: Ben Gross)

Für Bischof ist die Entscheidung längst überfällig. „Ich bin stolz darauf, dass Friedrichshain-Kreuzberg der erste Bezirk in Berlin ist, in dem Free Open Airs nach kurzfristiger Anmeldung legal möglich sein werden”, sagt sie gegenüber der GROOVE.

Geplant ist ein digitales Anzeigeverfahren, über das Veranstaltende ihre nichtkommerziellen Open Airs zwischen 72 und 24 Stunden vor Beginn anmelden können. Die Nutzung soll bewusst unkompliziert sein. Nach einer behördlichen Bestätigung dürfen die Veranstaltungen stattfinden. Musik soll bis 22 Uhr möglich sein – auch an Sonntagen. Perspektivisch wird die Fläche samt aller Vorgaben in das Berliner Portal Raumsonde aufgenommen. Dort sollen Veranstaltende sämtliche Informationen zur Nutzung finden. Die vorgesehene Fläche befindet sich auf einer teilversiegelten Fläche im Park am Gleisdreieck – nördlich des Skateparks, östlich des Parkmanagement-Gebäudes.

Die geplante Free-Open-Air-Fläche befindet sich im Gleisdreieckpark von Friedrichshain-Kreuzberg. (Foto: Maria Bischof)

Die Wahl des Standorts ist kein Zufall. Bereits heute verfügt die Fläche über öffentliche Toiletten, einen Trinkbrunnen, Mülleimer, Rettungswege und eine Erste-Hilfe-Station mit Defibrillator. Große Bäume sorgen für Schatten, während die gute Anbindung über den U- und S-Bahnhof Yorckstraße die Anreise erleichtert.

Aus Sicht des Lärmschutzes bringt der Standort ebenfalls Vorteile mit sich. Die nächstgelegene Wohnbebauung liegt vergleichsweise weit entfernt, dazwischen verläuft die ohnehin stark befahrene Bahntrasse. Zusätzliche Lärmbelastungen für Anwohner:innen sollen dadurch möglichst gering gehalten werden. Dabei orientiert sich das Berliner Modell an Städten wie Halle, Bremen oder Leipzig, in denen vergleichbare Konzepte bereits erfolgreich umgesetzt werden.

Für die Fläche im Gleisdreieck wurde bereits ein erstes Standortgutachten erstellt. Die Clubcommission könnte den gesamten weiteren Prozess fachlich begleiten, sollte eine Zuwendung der Kulturverwaltung erfolgen.

Bis auf der Fläche tatsächlich die ersten legalen Open Airs stattfinden können, müssen zunächst aber weitere Voraussetzungen geschaffen werden: Geplant sind ein Sicherheitskonzept, ein Naturschutzkonzept sowie eine Immissionsprognose. Auf Grundlage dieser Gutachten entsteht anschließend ein sogenannter Flächensteckbrief, der sämtliche Rahmenbedingungen definiert – von der maximalen Besucherzahl über Lautstärkegrenzen bis hin zur zulässigen Anzahl von Events pro Jahr. Erst danach folgen Testveranstaltungen, mit denen überprüft wird, ob die Vorgaben in der Praxis funktionieren. „In vielen anderen Städten und Gemeinden Deutschlands funktioniert das seit Jahren ganz unkompliziert. Es ist Zeit, dass auch die Hauptstadt nachzieht”, betont Bischof.

Für die Clubkultur ist der politische Beschluss dennoch schon jetzt ein wichtiges Signal. Erstmals wird in Berlin versucht, Free Open Airs nicht als ordnungspolitisches Problem zu behandeln, sondern als Teil der kulturellen Infrastruktur der Stadt.

Auch der Fraktionsvorsitzende René Pérez Domínguez sieht darin vor allem einen Gewinn für die freie Kulturszene: „Free Open Airs fördern junge Künstlerinnen und Künstler sowie neue Veranstalterinnen und Veranstalter. Gleichzeitig sind sie durch ihren unkommerziell-öffentlichen Charakter auch für Menschen mit kleinem Einkommen zugänglich”, erklärt er auf GROOVE-Anfrage. „Diese Kulturform ist offen für alle und passt hervorragend zu Friedrichshain-Kreuzberg. Nun bleibt abzuwarten, wie zügig das Bezirksamt die im Antrag vorgesehenen Maßnahmen umsetzt.”

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