Nico Stojan: Bar25-Resident und Ouïe-Mitbetreiber verstorben

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Mit Nico Stojan verliert die Berliner Clubszene einen Künstler, der die Ära der Bar25 entscheidend mitgeprägt hat. Seine Familie gab die Nachricht am Sonntag in Beiträgen auf Instagram und Facebook bekannt. Angaben zur Todesursache wurden noch nicht veröffentlicht.

„Mit schwerem Herzen müssen wir bekannt geben, dass unser lieber Nico von uns gegangen ist”, heißt es in dem Statement. Die Familie beschreibt ihn als außergewöhnlichen Menschen, der anderen das Gefühl gegeben habe, „gesehen, verstanden und angenommen zu werden”. Seine Freundlichkeit, Ehrlichkeit und sein Mitgefühl hätten ihn ausgezeichnet. „Geliebt für immer. Vermisst für immer. Für immer unser Nico.”

Nico Stojan wurde in Berlin in den 1970er-Jahren geboren. Seine musikalische Prägung  erfolgte zunächst durch Jazz, Hip-Hop, Soul und Funk. Erste DJ-Erfahrungen machte der klassisch ausgebildete Klarinettist in der ersten Hälfte der Neunziger auf zwei Technics-1210-Plattenspielern in der Diskothek seines Onkels. Als DJ wurde Stojan zunächst in Hip-Hop-Zusammenhängen aktiv, bevor er seinen Durchbruch als Resident der legendären Bar25 erlebte.

Seine Karriere begann in den Neunzigern und führte ihn von Berlin auf internationale Bühnen (Foto: nico_stojan/ instagram)

Der Club am Spreeufer stand wie kaum ein anderer für den Aufbruch der Afterhour-Kultur der 2000er-Jahre. Stojans warmer, grooviger Sound zwischen House, Downtempo und psychedelischen Einflüssen wurde zu einem festen Bestandteil der Ära, in der ein verhaltener, spielerischer House-Sound durch das gesamte Wochenende führte. Nach dem Ende der Bar25 trat er unter anderem regelmäßig in Panorama Bar, Watergate sowie in Clubs, auf Festivals und Open-Air-Veranstaltungen rund um den Globus auf.

Auch als Produzent hinterließ er bleibende Spuren. Seine Veröffentlichungen erschienen unter anderem auf Labels wie Crosstown Rebels, dem Get-Physical-Sublabel Kindisch und seinem eigenen Imprint SONARA Records. Gemeinsam mit Acid Pauli gründete er zudem das Label Ouïe, das für stiloffene elektronische Musik zwischen Clubkultur, organischen Sounds und experimentellen Einflüssen steht.

Nico Stojan bleibt eng mit der Geschichte der Bar25 und der Berliner Clubkultur verbunden (Foto: Unbekannt)

Auch über Berlin hinaus war der DJ eng mit der internationalen Elektronikszene vernetzt. Für Oliver Koletzkis Album Fire in the Jungle steuerte er einen Remix des gemeinsam mit Monolink entstandenen Tracks We Are All Lost bei. Stojan verstand Musik stets als verbindende Kraft. Er beschrieb sie als universelle Sprache, die Menschen zusammenbringe und Momente schaffe, die Freude und Nähe erzeugen. Seine DJ-Sets lebten von dieser Haltung – unabhängig davon, ob sie in einem Berliner Club, auf dem Burning Man, an einem Strand oder auf internationalen Festivalbühnen stattfanden.

Noch zuletzt arbeitete der Berliner an neuer Musik. Erst am 24. Juli erschien mit „I Am” seine neue gemeinsame Single mit David Mayer und Tooker auf SONARA Records – nur zwei Tage bevor seine Familie seinen Tod öffentlich machte.

Die Nachricht von seinem Tod löste weit über Berlin hinaus Bestürzung aus. Weggefährten, Veranstalter, Labels und Fans verabschieden sich in den sozialen Netzwerken von einem Künstler, der die elektronische Musikszene über Jahrzehnte geprägt hat – nicht nur durch seine Produktionen und DJ-Sets, sondern auch durch seine Offenheit, seine Wärme und seine Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden. In den Kommentaren bekundeten unter anderem Kool Savas, Dirty Doering, Richie Hawtin, Bart Skils, Eskei83 und DJ Tomekk ihr Beileid. Besonders emotional verabschiedete sich der US-DJ Marques Wyatt. Er bezeichnete Stojan als „außergewöhnlich begabten Künstler”, erinnerte aber vor allem an dessen „riesiges Herz”, seine Großzügigkeit und seinen Humor. „Die Welt fühlt sich ohne dich weniger bunt an”, schrieb Wyatt.

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