Die Platten der Woche mit Ferrari, Gabber Eleganza & 9DEN, Jakob Mäder, Konduku und Shawescape Renegade

Alle Ausgaben der Platten der Woche findet ihr hier.

Ferrari – The Heavy Duty EP (Faith Beat)

Auf seinem 14. Release präsentiert Faith Beat den in Mailand ansässigen Produzenten Ferrari mit einer vier Tracks umfassenden EP zwischen druckvoller Clubenergie und sommerlicher Leichtigkeit. Ein Bassfundament mit Donnerwetter-Qualitäten trifft bei The Heavy Duty EP auf klassische US-House-Referenzen und zielt präzise auf den Sweetspot eines zeitgemäßen Sommer-Sounds.

Die A-Seite tragen walzende Basslines, in denen der UK-Garage-Einfluss nachhallt. Besonders „Worksense” bedient sich dieser Intensität spürbar und wirkt dadurch noch kompromissloser als das titelgebende „Heavy Duty”. Letzterer entfaltet seine Wirkung über durchlaufende Vocal-Fragmente und einen energetischen Peaktime-Drop, die dem Track eine clubtaugliche Dynamik verleihen. Die B-Seite eröffnet mit „Crazy Luv” und verlagert den Fokus zur Late-Night-Stimmung. „Treno Diurno” rundet die EP mit aufgeladenem, aber nicht zu aufgeregt treibendem Sound ab. Daniel Böglmüller

Gabber Eleganza, 9DEN – The Mercalli Effect (NST)

Ah, ja, so fasst man der Gegenwart also ins Gesicht! Sechs Jahre lang war Ruhe im Karton, jetzt rumpelt sich Gabber Eleganza aus dem italienischen Archivdickicht zurück. Huckepack dabei: der Mailänder Zerstörer 9DEN. Gemeinsam dann: Purzelbaum seitwärts. Oder einfach: The Mercalli Effect. Eine EP wie ADHS und Koffeintabletten und noch ganz viel anderes Zeug, das absolut wach macht. Die Presseerklärung schwafelt natürlich direkt von „mutative dance music continuum” und „aspirational linguistics”. Süß. In Wahrheit klingt „Epicentro” eher so, als kämpfte der Moshpit um die letzte Dose Red Bull. Girl Unit und Paul Elstak trinken hier nicht nur Kool-Aid, sie baden darin, während die Generation TikTok versucht, zu fragmentierten Club-Waffen zu twerken. Kann man nur lieben, diese sogenannte Gegenwart. Christoph Gleich

Jakob Mäder – Close To Me (Flirt Records)

Flirt Records ist das junge Berliner House-Label von Mystigrix, das vor knapp zwei Jahren gegründet wurde. Auf der Flirt 001 verfolgte der Label-Head einen hypnotischen Speedy-House-Sound, dessen slickes Drumming von schrägen Vocalsounds und Steel-Drum-Splittern gebrochen wird. Die 002 verbindet druckvolles, discoides Drumming mit verlorenen, melancholischen Klängen. Auf der 003 übernimmt die Stuttgarter House-Instanz Jakob Mäder, dessen Debütalbum aus dem März der GROOVE leider entgangen ist. Mäder ergänzt Mystigrix‘ jugendliche Unbefangenheit um einen professionellen Gestus. Bei „Look What I Found” überzeugt er mit perfekt dosierten Kickdrums, bei „Close To Me” mit einem packenden Vocal und einem Ensemble souverän variierter House-Chords. Alexis Waltz

Konduku – Sarmal (Hayal)

Achtung, Musikjournalismus goes Soziologie: Auch Reviews hängen gerne mal von äußeren Umständen ab, was in diesem Fall heißt: Es ist sauheiß. Gut, dass Konduku Strandmusik für all jene produziert, die keine Lust auf grellen Disco-House und zu laute Gespräche haben. Zu Sarmal, der ersten EP auf seinem neuen Label Hayal, liegt man nicht in Gruppen auf den Handtüchern und tauscht Belanglosigkeiten aus, sondern trippt konzentriert und mit gebotenem Sicherheitsabstand nebeneinander her, jeder auf seiner Insel, in seinem Mind Palace. Für ebenjenen baut Ruben Üvez seit Jahren verlässlich die Innenausstattung, sprinkelt im Titeltrack etwa verspielte Synths auf ein monströses Sub-Grollen, ehe Chöre und eine gerade Bassdrum die Mundwinkel im sonnenbebrillten Gesicht nach oben schnellen lassen. Die Ambient-Version verspricht noch mehr Spiritualität, der Blick wandert gen Horizont, wo sich just Sonne und Meer treffen. Auch auf dem Opener „Zelve” traut sich Konduku Melodien, schichtet zu einem federnden Rhythmus Motiv über Motiv, bis aus Zwielichtigkeit Selbstgewissheit wird. Das beruhigt ungemein. Das Innere muss nicht denaturieren, solange Konduku Musik produziert – auch bei 40 Grad im Schatten. Maximilian Fritz

Shawescape Renegade – Exoframe (Tresor)

Irgendwas ist anders an „78 Light Years From Earth”, dem Opener von Exoframe. Der schnelle Electro-Track kommt ungeschliffen-energetisch daher, aber das ist es nicht. Die Bassline, die hat etwas, das sich abhebt – klar, sie spielt mit einem Wechsel zwischen Moll und Dur und verharrt nicht wie gut 80 Prozent ihrer Verwandten in Moll. Das macht den Track trotz seiner Rauheit positiv und zugewandt. Und solche vermeintlichen Kleinigkeiten sind es, die die Musik von Jeremiah Shaw ausmachen – keine Neudefinitionen, keine fundamentalen Erfindungen, sondern inspirierte Variationen der zeitlosen Themen Techno und Electro. „Terraformers Warning” braucht nur dreieinhalb Minuten, um eine voll überzeugende Erzählung zur Verbindung von Funk und elektronischer Musik abzuliefern, und der folgende Arpanet-Remix des Stücks wie auch das finale „Ignition One” schlagen dann die Brücke zu Detroits spezieller Electro-Spielart Jit mit ihren wie verloren im Raum stehenden Rimshots oder Claps auf 150 BPM. Mathias Schaffhäuser

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