Motherboard: April 2026

Zeitgenössisch tanzbare EBM, Dark und Cold Wave, wie sie etwa auf Labels wie Artoffact, Fleisch oder dem oben erwähnten Dais zelebriert werden, beharren oft auf dem bestens etablierten Sounddesign aus wenigen heißgeliebten, eisgekühlten Lo-Fi-Synthesizer-Patches, gerne mit geradeaus durchknatternder Drum-Machine und eher statischen Bässen. Untenrum freier zu agieren, von Techno, Dubstep und House zu lernen, ist da manchmal eine gute Idee. Bei Local Suicides Iptamenos Discos hat man das verstanden, auch Steffi hat mit ihrem Crushed-Soul-Projekt Pionierarbeit geleistet. Ebenso wie die New Yorker Produzent:in und Sänger:in Margaret Sohn alias Miss Grit, die vor drei Jahren auf Follow The Cyborg mit einer dezidiert artifiziellen, visuellen und klanglichen Indie-Ästhetik das Konzept von Dark Wave und Synth-Pop vom Kopf her auf die Füße gestellt hat. Die DIY-Idee und die Cyber-Ästhetik bleiben auch auf Under My Umbrella (Mute, 24. April) von zentraler Bedeutung, aber Überraschung: Die Beats sind gerade, manchmal ziemlich schnell und generell heftiger geworden. Es bleibt melancholisch, introspektiv und etwas düster, aber auf tanzbarere Weise als je zuvor.

Der ebenfalls New Yorker Producer Reza Seirafi alias Vexillary geht noch mal einen Tick anders vor. Die Beats und Bässe kommen klar vom dunkleren Industrial-Techno, ballern in maximaler Dichte im oberen BPM-Bereich, lassen aber doch genug Platz für reichlich melodiöse Hooks, die auf Digital Suspiria (Con:Trace, 20. März) eher aus Hyperpop und Cyberpunk kommen. Alles maximal in your face, mit einem algorithmischen Twist in einer für das Geballer erstaunlich luftigen, brillant funkelnden Produktion.

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