Ambient-Hype im Supermarkt: Warum das Brummen einer Tiefkühltruhe gerade das Internet beruhigt

Seit Februar sorgt die Tiefkühlabteilung einer Supermarktfiliale in Sheffield für internationales Aufsehen in den sozialen Medien. Kund:innen luden Tonaufnahmen der dortigen Gefrierschränke auf Plattformen wie Reddit und X, weil die Betriebsgeräusche eine ungewöhnlich harmonische, meditative Qualität aufweisen. Nachdem sogar die britische Tageszeitung The Guardian berichtete, wurde nun ein zehnstündiger Loop der Aufnahmen auf YouTube veröffentlicht.

Was als lokaler Insidertipp im Sheffield-Subreddit begann, entwickelte sich schnell zu einer musikwissenschaftlichen Debatte. Nutzer:innen beschrieben das Summen als „elektrisches Gong-Bad”. Die Reaktionen in den Kommentaren reichen von Begeisterung bis hin zu humorvollen Vergleichen: „Ich habe das Gefühl, der Sound ist über die letzten Monate gereift wie ein guter Wein”, kommentierte ein Nutzer die akustische Entwicklung der Geräte.

Beeindruckend ist die Detailtiefe, mit der die Internet-Community das Phänomen untersucht. Ein Nutzer unterzog die Aufnahmen einer Frequenzanalyse und identifizierte eine komplexe harmonische Struktur. So sei der Grundton ein dominantes C# bei etwa 140 Hertz, ergänzt durch eine starke große Terz (E#) und eine Quinte (G#). Und: Leichte Schwingungen im Bereich einer großen Septime (B#) und einer Sexte (A#) verleihen dem Geräusch einen reflektierenden, fast melancholischen Charakter. Einige Hörer:innen interpretieren die Kühlschrankgeräusche auch als einen A#m7-Akkord, was die beruhigende Wirkung auf das menschliche Gehirn erklären könnte.

Die Dynamik der Geschichte führte dazu, dass selbst nationale Medien wie die BBC und der Guardian berichteten. In der Radioshow von Greg James wurden sogar Popsongs über das Brummen gelegt, um die Musikalität zu unterstreichen. Der Nutzer, der den zehnstündigen YouTube-Loop erstellte, musste die Aufnahmen zuvor digital reinigen, um störende Geräusche wie das Piepen der Kassen oder Schritte von Kunden zu entfernen, ohne die „organische” Atmosphäre zu zerstören.

Die Co-op-Gruppe reagierte mit britischem Understatement auf ihren unfreiwilligen Star-Status. Man könne zwar nicht bestätigen, ob die Geräte für ein Konzert proben. Allerdings freue man sich, dass der Aufenthalt in der Tiefkühlabteilung an der Ecclesall Road für die Kund:innen nun eine zusätzliche, entspannende Komponente habe, so ein Sprecher.

Dass Kühlschränke für experimentelle Musik taugen, bewies Editions Mego schon vor über 30 Jahren. Damals veröffentlichten Peter Rehberg und Ramón Bauer mit Fridge Trax eine Platte, für die sie ausschließlich die Klänge von Kühlschränken als Ausgangsmaterial nutzten. Ein Konzept, dass die Co-op-Filiale in Sheffield nun unfreiwillig im Internet aufgetaut hat.

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