Fantasm zum Hardtechno-Skandal: Künstler beteuert Unschuld, attackiert Whistleblower

—

Sämtliche Beiträge zum Hardtechno-Callout findest du hier.

Der Hardtechno-Künstler Fantasm hat sich in einem Video erstmals öffentlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert. Darin weist er die Anschuldigungen zurück und erklärt: „Ich habe niemandem etwas getan (…) Ich habe niemals jemanden ohne Einwilligung benutzt (…) [und] ich bin nicht pädophil”. Die Vorwürfe qualifiziert er als „falsche Anschuldigungen” und kündigt rechtliche Schritte an.

Zugleich richtet sich Fantasm explizit gegen den Instagram-Account bradnolimit, der den Callout initiiert hat. Er wirft dem ehemaligen Mitarbeiter der Booking-Agentur Steer Management Verleumdung vor und behauptet zudem, dieser habe sich selbst gegenüber mehreren Frauen übergriffig verhalten. Eine unabhängige Bewertung dieser Angaben liegt derzeit nicht vor.

Darüber hinaus warnte der DJ vor einem „Gerichtsverfahren per Instagram” und erklärte, Fälle müssten juristisch geklärt werden, damit „die tatsächlichen Opfer sprechen können”.

Die aktuellen Vorwürfe gegen Shlømo, Basswell, CARV, Odymel und Fantasm rühren die internationale Club- und Festivallandschaft weiter auf. Das österreichische Festival Electric Love am Salzburgring, eines der größten EDM-Events im deutschsprachigen Raum, sowie das belgische Dour Festival, das für sein genreübergreifendes Programm bekannt ist, nahmen die betroffenen Acts von ihren Line-ups. Auch das niederländische Techno-Festival Awakenings, das deutsche Sea You Festival am Tunisee bei Freiburg sowie mehrere Club- und Eventreihen wie Sound Department und OVERDRIVE reagierten mit entsprechenden Maßnahmen. In ihren Statements betonen die Veranstalter übereinstimmend, die Vorwürfe zwar nicht selbst beurteilen zu können, Hinweise jedoch ernst zu nehmen und im Sinne von Sicherheit, Respekt und ihrer Community zu handeln. Die deutsche Veranstaltungsreihe Unreal hat sich dazu entschieden, vorerst keine Schritte zu ergreifen und die Lage zu beobachten.

Auch beim Ultra Music Festival in Miami, einem der weltweit größten elektronischen Musikfestivals, ist Shlømo inzwischen nicht mehr im veröffentlichten Line-up gelistet. Das belgische Tomorrowland hat nachgezogen, ein angekündigtes b2b von Odymel und Shlømo ist aus dem Line-up verschwunden. Die Änderung wurde zunächst durch ein automatisiertes Line-up-Update bekannt. Inzwischen sind die betreffenden Artists auch in den jeweiligen Tagesprogrammen nicht mehr gelistet. Eine offizielle Stellungnahme des Festivals zu den Anpassungen liegt nicht vor.

Neben Festivals und Veranstaltern äußern sich inzwischen auch zahlreiche Künstler:innen zur Debatte innerhalb der Hard-Techno-Szene. Die DJ A.N.I. erklärte in einem Statement, die aktuellen Entwicklungen stünden im klaren Widerspruch zu den Werten elektronischer Musikkultur. Diese müsse auf „Respekt, Einvernehmlichkeit und Verantwortung” basieren. Einfluss und Status dürften niemals missbraucht werden, zugleich rief sie zu mehr gemeinsamer Verantwortung innerhalb der Szene auf.

Auch SPFDJ positionierte sich deutlich. In einem öffentlichen Beitrag kritisierte sie bestehende Schutzmechanismen innerhalb eines Boys-Club-Systems. Viele Männer hielten sich zwar für „die Guten”, würden jedoch defensiv oder ausweichend reagieren, wenn Kritik sie selbst betreffe, anstatt Machtmissbrauch aktiv anzusprechen.

Viele DJs und Akteur:innen aus der Musikindustrie verweisen zudem auf den Instagram-Account metoodjs, der anonyme Erfahrungsberichte sammelt, Betroffene berät und nach eigenen Angaben an langfristigen Strategien zum Umgang mit Machtmissbrauch und Grenzverletzungen in der Szene arbeitet.

Zuletzt hat sich auch Brad noch einmal geäußert. In einem Post erklärt er, wie es zum Callout kam. Zunächst habe er sich über die Acts geärgert, dann reagierten die Künstler mit einer Schmutzkampagne gegen Brad – daraufhin seien zahllose Berichte von Betroffenen und deren Umfeld in seinen DMs angekommen. 

Das Statement von A.N.I. (Abbildung: Instagram)
Das Statement von A.N.I. (Abbildung: Instagram)
Das Statement von Awakenings (Abbildung: Instagram)
Das Statement von Awakenings (Abbildung: Instagram)
Das Statement von Unreal (Abbildung: Instagram)
Das Statement von Unreal (Abbildung: Instagram)

News

Weiterlesen

Fotograf Marc McNulty: Bildband dokumentiert 35 Jahre Feiergeschichte 

Über 35 Jahre hinweg hat der britische Fotograf Feiernde in ganz Europa portraitiert. Nun versammelt er eine Auswahl der Bilder einer Buchpublikation.

Fotograf Marc McNulty: Bildband dokumentiert 35 Jahre Feiergeschichte 

Über 35 Jahre hinweg hat der britische Fotograf Feiernde in ganz Europa portraitiert. Nun versammelt er eine Auswahl der Bilder einer Buchpublikation.

Erfurter Güterbahnhof: Betreiber:in für möglichen Kulturort gesucht

Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen sucht nach Interessent:innen für eine Zwischennutzung des ehemaligen Güterbahnhofs.

DJ Phonatic: Berliner Streaming-Plattform cancelt Showcase

Die Berliner Streaming-Plattform Loone sagt eine DJ-Showcase ab. Der Vorwurf: Der Kurator habe „geopolitisches Campaigning” betrieben.

Aus dem Moloch wird glimmer: Club in der Hamburger HafenCity eröffnet mit neuem Konzept

Im Kreativquartier Oberhafen in Hamburg eröffnet heute das glimmer. Der Club will mit kuratierten Partys und anderen Kulturangeboten Akzente setzen. Standort wird das ehemalige...

„Berlin Club Memes“: Ausstellung und Party zum Tag der Clubkultur

Berlin Club Memes ist der einschlägige Meme-Channel zum Berliner Nachtleben. Mehrmals täglich erscheinen dort satirische Beiträge zur Nachtkultur der Stadt. Zum Tag der Clubkultur...

Musikpalette in Essen: Club sucht neue Betreiber:innen

Die Musikpalette gilt mit dem Prater in Bochum als älteste Diskothek in NRW. Nun besteht die Möglichkeit den Laden zu übernehmen.

Lighthouse Festival: 2027 findet das Open-Air zum letzten Mal statt

Das Lighthouse Festival tanzt 2027 zum letzten Mal in Kroatien. Warum die Veranstalter aufhören und was für das große Finale geplant ist.

„One Night at KitKat“: ARD-Doku jetzt in der Mediathek zu sehen

ARD Kultur Doku „One Night at KitKat“ gibt exklusive Einblicke in die sonst verschlossene Welt des KitKatClubs.

Knaack-Neubau im Berliner Prenzlauer Berg: Bauvorbescheid abgelehnt

Der Zeitplan für die Wiedereröffnung des Knaack-Klubs gerät ins Wanken – ein abgelehnter Bescheid wirft die Pläne zurück.

Erfurter Güterbahnhof: Betreiber:in für möglichen Kulturort gesucht

Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen sucht nach Interessent:innen für eine Zwischennutzung des ehemaligen Güterbahnhofs.
DJ Phonatic in der DJ-Booth.

DJ Phonatic: Berliner Streaming-Plattform cancelt Showcase

Die Berliner Streaming-Plattform Loone sagt eine DJ-Showcase ab. Der Vorwurf: Der Kurator habe „geopolitisches Campaigning” betrieben.

Aus dem Moloch wird glimmer: Club in der Hamburger HafenCity eröffnet mit neuem Konzept

Im Kreativquartier Oberhafen in Hamburg eröffnet heute das glimmer. Der Club will mit kuratierten Partys und anderen Kulturangeboten Akzente setzen. Standort wird das ehemalige...

„Berlin Club Memes“: Ausstellung und Party zum Tag der Clubkultur

Berlin Club Memes ist der einschlägige Meme-Channel zum Berliner Nachtleben. Mehrmals täglich erscheinen dort satirische Beiträge zur Nachtkultur der Stadt. Zum Tag der Clubkultur...

Musikpalette in Essen: Club sucht neue Betreiber:innen

Die Musikpalette gilt mit dem Prater in Bochum als älteste Diskothek in NRW. Nun besteht die Möglichkeit den Laden zu übernehmen.

Lighthouse Festival: 2027 findet das Open-Air zum letzten Mal statt

Das Lighthouse Festival tanzt 2027 zum letzten Mal in Kroatien. Warum die Veranstalter aufhören und was für das große Finale geplant ist.

„One Night at KitKat“: ARD-Doku jetzt in der Mediathek zu sehen

ARD Kultur Doku „One Night at KitKat“ gibt exklusive Einblicke in die sonst verschlossene Welt des KitKatClubs.

Knaack-Neubau im Berliner Prenzlauer Berg: Bauvorbescheid abgelehnt

Der Zeitplan für die Wiedereröffnung des Knaack-Klubs gerät ins Wanken – ein abgelehnter Bescheid wirft die Pläne zurück.