Éliane Radigue: Französische Synthesizer-Pionierin verstorben

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Éliane Radigue französische Komponistin und Pionierin der elektronischen Musik, ist im Alter von 95 Jahren verstorben. „Mit großer Trauer haben wir vom Tod von Eliane Radigue erfahren”, schreibt das Pariser Experimentalmusik-Zentrum Ina GRM und nennt sie „eine wegweisende Persönlichkeit der musikalischen Kreation.”

Radigues Musik gilt als Verschmelzung der französischen Musique concrète, dem Sampling organischer Geräusche und harmonischer elektronischer Klänge. Sie war eine der ersten Frauen, die sich in einer männerdominierten Szene früher elektronischer Experimentalmusik etablieren konnte.

Radigue wurde 1932 in Paris geboren und begann bereits als Kind Klavier zu spielen. Durch Radiosendungen wurde sie auf Pierre Schaeffers musique concrète aufmerksam, eine experimentelle Kompositionstechnik, die Radigues eigenen musikalischen Ansatz maßgeblich prägen sollte. In den Fünfzigern begann sie als Assistentin für Schaeffer und Pierre Henry in Paris zu arbeiten. „Ich war nur damit beschäftigt, Tapes zu schneiden, zu kleben und zu editieren”, sagt sie über die Zeit in Schaeffers Studio. Sie lernte dort, „echte Sounds aufzunehmen und sie durch Editierungs-Verfahren zu manipulieren.”

Ab den späten Sechzigern und frühen Siebzigern begann Radigue selbst Musik zu produzieren, wobei sie ihre Bandmaschinen zur akustischen Verfremdung nutzte und sie mit den Beats und Loop-Mechanismen des Synthesizers ARP-2500 verband. Im Zentrum ihres Sounds, der die nächsten 30 Jahre ihres Schaffens prägen sollte, steht die Vereinigung von wissenschaftlicher Schärfe und emotionaler Subtilität. „Keine Revolution”, dafür eine „Restauration von Harmonie und Rhythmus. Das Zurückbringen musikalischer Essenz, aber in neuartiger Form.”

Mit der Zeit löste sich Radigue von Schaeffer und Henry, die ihre Verwendung von Mikrofonrückkopplungen und Tape-Loops kritisierten. Anfang der 1970er-Jahre teilte sie sich mit Laurie Spiegel an der New York University ein Studio mit einem Buchla-Synthesizer, den Morton Subotnick dort eingerichtet hatte. Zu dieser Zeit fühlte sie sich den New Yorker Minimalisten bereits näher als der Musique concrète Schaeffers und Henrys. Diese Neuorientierung fand Anerkennung: Radiques Kompositionen erregten die Aufmerksamkeit US-amerikanischer Komponisten, etwa von Philip Glass oder Steve Reich.

Éliane Radigue entdeckte 1974 durch eine Einladung von Terry Riley den Buddhismus. Daraufhin konvertierte sie zu dieser Religion und widmete drei Jahre deren Praxis unter dem tibetischen Meister Tsuglag Mawey Wangchuk, dem 10. Pawo Rinpoche, der sie anschließend wieder zu ihrer musikalischen Arbeit zurückführte. 

Ab den Zweitausendern ließ Éliane Radigue die Welt der elektronischen Musik hinter sich und wandte sich in ihrer Reihe Occam Océan der „relationalen Dimension” von Musik zu. Mit Mitgliedern des Pariser Ensembles ONCEIM entwickelte sie ihr erstes Orchesterwerk. Sie komponierte für Solist:innen akustischer und halbakustischer Instrumente, unter anderem mit dem Bassisten Kasper T. Toeplitz, dem Cellisten Charles Curtis und dem Bassetthornisten Bruno Martinez. „Sie hat sich ihren eigenen Weg zurechtgeschnitten, der geprägt war von unvergleichlicher Freiheit und Vision”, schreibt Ina GRM im Nachruf über die Musikerin.

Éliane Radigue war mit dem US-französischen Objektkünstler Arman verheiratet, mit dem sie drei Kinder zeugte: Marion (geb. 1951), Anne (1953) und Yves (1954-1989). 1971 ließ sich das Paar scheiden. Den Tod ihres Sohnes Yves verarbeitete sie in der der dreistündigen Trilogie de la Mort, die ihm und ihrem buddhistischen Meister Tsuglag Mawey Wangchuk gewidmet ist.

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