Sebastian Mullaert (Alle Fotos: Fredrik Altinell) Click here for the english version of the interview. Nachdem er ab Anfang der 2000er bis 2014 als eine Hälfte des schwedischen Minimal-House-Duos Minilogue produzierte und auftrat, hat der klassisch ausgebildete Musiker Sebastian Mullaert drei Soloalben sowie eine Vielzahl von Singles und EPs veröffentlicht. Seine Musik fand ihren Weg unter anderem auf Labels wie Mule Musiq, Hypercolour und Minus und ist bestrebt, elektronische Klänge zu integrieren, die sich verwandeln und manchmal an einen organischen, pflanzenähnlichen Lebenszyklus erinnern. Die Entdeckung von House und Techno in den Neunzigern brachte Mullaert auf einen neuen musikalischen Weg – weg von der klassischen Musik hin zur elektronischen. Das Experimentieren mit der Beschaffenheit, den Fähigkeiten und Grenzen elektronischer Klänge blieb während seiner gesamten Karriere ein primäres Interesse. 2018 startete er die Veranstaltungsreihe Circle Of Live, um ein Format für informelle Freeform-Improvisation mit elektronischen Musiker*innen zu schaffen, für gemeinsame und unabhängige künstlerische Projekte. Ein improvisatorischer, gar meditativer Ansatz bildet den Kern von Mullaerts Musikphilosophie, deren Wurzeln in der natürlichen Welt liegen, die er als regenerativ und spirituell empfindet. Seine neuestes Album, Natthall (aufgrund der Pandemie auf den 18. September verschoben), ist reich an frei fließenden Passagen verwobener klassischer instrumentaler und elektronischer Klänge, die eine meditative Stimmung erzeugen. Natthall vermittelt klanglich das Gefühl der Ruhe, das wir nach einem Spaziergang im Wald empfinden, wenn wir über die Landschaft und ihre Tiere nachdenken. Für Mullaert ist die natürliche Welt unendlich mächtig in ihrer Fähigkeit zu heilen und zu inspirieren, und der improvisatorische Charakter des Albums ahmt diese Qualität nach. Eine komplizierte Mischung aus klassischen und elektronischen Klangbildern zieht sich durch das gesamte Album und war ein wichtiger Schwerpunkt für Mullaert, ebenso wie die Improvisations-Arbeit erneut stilbildend wirkte. Dein anstehendes Album trägt den Titel Natthall – ist das ein schwedisches Wort? Ja, „natt”, der erste Teil des Wortes, bedeutet „Nacht” und „Halle” bedeutet „Klippe” oder „Burg”. Es ist eigentlich ein Naturschutzgebiet neben meinem Wohnort. Du hast für dieses Album mit dem Tonhalle Orchester in Zürich zusammengearbeitet. So entstanden Tracks mit einer gewissen Leichtigkeit und einem sanften Unterton. Wie war es, elektronische Klänge mit denen traditioneller Orchesterinstrumente in Einklang zu bringen? Das war ein wirklich interessanter Aspekt für mich bei diesem Projekt, da ich mit klassischer Musik angefangen habe und erst dann zur elektronischen Musik kam. Das habe ich dann viele Jahre lang gemacht und komme jetzt wieder auf Akustik und Klassik zurück. Diese Musik versuche ich aus der Perspektive zu machen, die ich mir aus der elektronischen Musik angewöhnt habe. Eine Sache, die ich oft bemerke, wenn ich mir andere Projekte anhöre, die versuchen, diese beiden unterschiedlichen Klangwelten zu verschmelzen, ist, dass eine davon sehr dominant in den Vordergrund tritt und die andere fast gänzlich in den Hintergrund drängt. Es ist entweder eine kleine Drum Machine hinter einem kompletten Orchester oder ein kleines String-Sample in einer elektronisch dominierten Produktion. Mit Natthall und dem Projekt, das ich mit dem Subchamber Ensemble mache, haben wir uns mit folgender Frage beschäftigt: Wie können wir beide Welten, sowohl im eigentlichen Mix als auch in der Komposition, gleichberechtigt erscheinen lassen? Wie hast du dieses Anliegen bei der Arbeit mit dem Orchester umgesetzt? Für dieses Album habe ich wie sonst auch sehr interaktiv und dialogorientiert gearbeitet. Ich versuche dabei, Platz zu schaffen und etwas aufblühen zu lassen. Dazu wählte ich […]

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