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Paranoid London: Mit praktisch nichts sehr viel erreichen

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Ein eigenwilliger Mix aus einem klassischen Chicago-Sound, eine illustre Truppe von Gastsänger:innen und ungewöhnlich turbulente Auftritte machen Paranoid London zu einem der herausragenden britischen House-Acts. In unserem Porträt erfahrt ihr, aus welchen Bausteinen Gerardo Delgado und Quinn Whalley ihr Projekt zusammengesetzt haben.

Ausgerechnet in der Nacht vor dem Interview feierten die beiden Briten ihre Album-Launch-Party in Londons Fabric – was bange Fragen aufkommen ließ: Werden sie es schaffen oder verschlafen? Werden sie überhaupt geschlafen haben? Und von wo aus werden Gerardo Delgado und Quinn Whalley sich zuschalten? Vom Backstage-Raum, aus dem Taxi, von einer Afterhour? Zum vereinbarten Termin vergehen auf Google Meet ein paar Minuten der Stille, die schon für erhöhten Puls und erste leichte Verzweiflungsattacken bei mir ausreichen, doch dann poppt ein Fenster auf mit dem verschmitzten Antlitz von Quinn.

Es stellt sich schnell heraus: Ganz unberechtigt waren meine Bedenken nicht – zwar ging Partner Del, wie Gerardo von Quinn liebevoll-freundschaftlich genannt wird, laut Eigenaussage bereits um ein Uhr schlafen, aber Quinn hat tatsächlich bis acht in der Früh durchgehalten. Entsprechend seine Aussage zum aktuellen Gemütszustand: „My living room is still full of monsters from last night.” Das Ganze aber mit Humor und viel Gelächter erzählt, und diese sympathisch-coole Stimmung soll während des gesamten Gesprächs anhalten.

Paranoid London auf dem Love International mit Gastperformer Josh Caffé (Foto: Jake Davis/ Khroma Collective)
Paranoid London auf dem Love International 2019 mit Gastperformer Josh Caffé (Foto: Jake Davis/ Khroma Collective)

Die erfolgreiche einstündige Live-Präsentation ihres aktuellen Albums Arseholes, Liars and Electronic Pioneers befeuerte die gute Laune der beiden natürlich insbesondere. Grund genug gab es dafür: das Set kam extrem gut an, das Publikum war euphorisch – und das an einem Mittwochabend! – und vor allem klappten die Gastauftritte von Primal-Scream-Mastermind Bobby Gillespie und von Jennifer Touch, die extra aus Berlin angereist war, reibungslos. Mit beiden hatten Paranoid London noch nie zusammen auf der Bühne gestanden, und man kann sich die Erlösung nur vage vorstellen, nachdem eine solche Premiere ohne Pannen abgelaufen ist. „Es hätte nicht besser laufen können”, wie Quinn strahlend betont.

Im Zentrum die 303

Aber wie ist es zu diesem Erfolg gekommen, der 2023 zu Auftritten auf dem Glastonbury geführt und Kollaborationen mit Stars wie Gillespie ermöglicht hat? Paranoid London haben seit den frühen Nullerjahren ein gutes Dutzend EPs und drei Alben veröffentlicht, vor allem aber erspielte sich das Duo einen extrem guten Ruf als Live-Act mit klassischem Hardware-Equipment, im Zentrum die legendäre Roland TB-303.

Für Del und Quinn war die Entscheidung, mit diesen Geräten zu arbeiten, allerdings nicht von Trends getrieben, sondern ergab sich schlicht aus ihrer musikalischen Sozialisation: „Das Erste, was ich gemacht habe, waren Electro und Hip-Hop, weil mein Vater eine Drummachine hatte und ich total auf Breakdance stand”, erzählt Quinn am Anfang unseres Gesprächs. Später, als es um das Bevorzugen von Hardware gegenüber Software geht, präzisiert er: „Damit sind wir aufgewachsen. Wir wissen, wie man damit umgeht, wie Dinge damit schnell erledigt werden können.” Und Del bringt noch einen entscheidenden weiteren Punkt ins Spiel: „Auch weil wir mit frühem House und Hip-Hop aufgewachsen sind. Diese Drum-Sounds sind also noch in unseren Köpfen. Wir wissen, wie sie klingen. Wenn man also ein Plug-in nimmt oder versucht, sie auf einem Laptop nachzubauen, klingen sie nicht richtig.”

Dieses liebevolle Schwärmen dauert noch eine gute Weile an, und selbstverständlich könnten nun auch etliche Gegenargumente für Softsynths und DAWs ins Feld geführt werden. Aber zum einen hat diese ewige Tresen-Diskussion hier nichts verloren, und zum anderen geht es Del und Quinn kein bisschen um Maschinen-Fetischismus. O-Ton Quinn Whalley: „Wäre ich zehn Jahre später geboren worden, würden wir wahrscheinlich mit Plug-ins und ähnlichem arbeiten.” End of story.

„No, no, it’s a band!”

Paranoid London

Apropos Story – ein paar weitere Fragen zur Geschichte des Duos sollten an dieser Stelle noch geklärt werden. Allen voran, wie es eigentlich zu dem eher ungewöhnlichen Bandnamen kam. Oder sprechen die beiden eher von einem Projekt? „No, no, it’s a band!” kommt es wie aus einem Mund von Quinn und Del. Letzterer bittet seinen Partner, die Story zur Namensgebung zu erzählen: „Nun, Del kam aus Spanien, um ein paar Platten zu kaufen. Er ging an diesem Tag zu Phonica Records und verbrachte den Nachmittag dort. Und als wir herauskamen, ereignete sich der Bombenanschlag auf die U-Bahn und den Bus in London. Das war am 27. Juli 2005. Alle Straßen waren gesperrt, alle Verkehrsmittel waren stillgelegt, es herrschte also eine paranoide Atmosphäre in London.” Ein kaum vorstellbares Schreckensszenario – radikalislamistische Terroristen hatten mehrere Bombenattentate verübt und dabei 70 Menschen getötet und über 700 verletzt –, aber aus diesem einschneidenden Ereignis leitet sich tatsächlich der Bandname ab.

Quinn findet dafür keine erklärenden Worte, vermutlich, weil es auch keine logischen oder rationalen dafür gibt. Er stellt nur fest: „Okay, es ist ziemlich seltsam, dass unser Name von etwas ziemlich Schlimmem herrührt, aber so war es.” Und vielleicht hätte er hier auch noch ergänzen können, dass Paranoid London eben nicht nur eine House- und Hip-Hop-Sozialisation hinter sich haben, sondern auch Punk, zumindest als Haltung, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Und dieser ungewöhnliche Bandname eine Art Protest formuliert – oder ganz banal-menschlich einen emotionalen Aufschrei darstellt.

Warmduscher, Hot Chip und eine weirde Theorie

Aber nochmals zurück in die Zeit vor der Bandgründung. Quinn Whalley war Anfang der Neunziger im Umfeld von Sabres Of Paradise aktiv und Mitglied des Projekts Slack, das 1993 eine EP auf dem legendären Label von Andrew Weatherall veröffentlichte. „Ich spiele nicht wirklich ein Instrument oder so etwas”, erzählt Del über seinen Background, „aber ich kaufte viele Platten, und so kam ich über das DJing dazu. Und dann entdeckte ich Quinn, und das war’s.” Auch ein längst klassischer Weg, um in einer Band zu landen, zumal ab den späten Achtzigern, als die davor für lange Zeit obligatorische Akustikgitarre fürs Erste aus den meisten Jugendzimmern verbannt worden war.

Gitarren spielen aber tatsächlich heute im Umfeld von Quinn eine gewisse Rolle, er ist auch Mitglied der Post-Punk-Band Warmduscher, deren letztes Album At The Hotspot übrigens von Hot Chips Al Doyle und Joe Goddard produziert wurde. Am Mikrofon steht bei Warmduscher wiederum Clams Baker Jr alias Craig Higgins alias Mutado Pintado. Mit dem letzten Namen schließt sich der Kreis, und Kenner:innen des Paranoid-London-Clans nicken wissend: Als Mutado hat der Warmduscher-Frontmann seine Stimme schon etlichen Paranoid-London-Songs geliehen und zudem viele Live-Gigs zusammen mit Del und Quinn absolviert.

Paranoid London (Foto: Presse)

Einen sehr interessanten Aspekt ihrer musikalischen Prägung in der Kindheit erwähnt Quinn dann noch: „Es gibt da diese weirde Theorie: In England gab es damals eine Reihe von Budgetkürzungen bei unserem nationalen Fernsehsender, und das Erste, was sie taten, war, die Orchester loszuwerden, die die Titelmelodien für Kindersendungen einspielten. Und sie gründeten den Radiophonic Workshop [eine der Toneffekt-Abteilungen der BBC, die 1958 gegründet wurde, um Geräusche und neue Musik für Radio und Fernsehen zu produzieren, Anm. d. Red]. Alle unsere Kindersendungen im Fernsehen hatten elektronische Titelmelodien mit diesen seltsamen Piepgeräuschen. Und so entstand diese Theorie, dass in England eine ganze Generation von bedeutenden Leuten wie Delia Derbyshire auf elektronische Musik vorbereitet wurde. Wir wurden mit Bleeps von Synthesizern bombardiert!” Eine wirklich spezielle und absolut einleuchtende These – was der kindliche Aufnahme-Schwamm einmal eingesaugt hat, bleibt ein Leben lang prägend.

Ohnehin war Fernsehen damals eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Quelle, um neue Musik kennenzulernen. In England war Top of the Pops über lange Zeit unangefochten das Maß aller Dinge unter den Musiksendungen. Jeden Donnerstagabend erreichten die britischen Charts die Wohnzimmer der Nation, und was sich in dieser Zeit in Great Britain an Acts, die später zum Kern der jüngeren Musikgeschichte gehören sollten, getummelt hat, muss hier nicht weiter ausgebreitet werden. Del und Quinn erwähnen allerdings nicht David Bowie, Roxy Music und andere erwartbare Größen, sondern als erstes The Specials und Rose Royce, beides Bands, die schon dem erweiterten Dance-Music-Kontext zuzurechnen sind, aber auch das im Post-Punk-Kontext verhandelte Rockabilly-Trio The Stray Cats.

„Versteh mich nicht falsch, es gab auch die kommerziellen Sachen, wie die Platten, die deine Mutter und dein Vater mochten, aber es gab auch immer eine Menge wirklich schräger Musik”, schwärmt Del. „Und wenn du neun oder zehn Jahre alt bist, sitzt du da und sagst: ‚Wow, das ist unglaublich.’” Das glaubt man ihm aufs Wort. Für Bands aus dem Umfeld jenseits der Charts gab es zudem noch eine weitere TV-Sendung: „The Tube” war das komplette Gegenteil von „Top Of The Pops”, mit einem weiten Spektrum von frühen amerikanischen Hip-Hop-Acts bis zu innovativen britischen Post-Punkern wie Siouxsie & the Banshees und Wire. Und alle spielten live!

Ein besonders prägendes Erlebnis war der Auftritt des Electro-Pioniers Mantronix. Quinn erinnert sich: „Das war das erste Mal, dass man auch die Geräte zu sehen bekam, mit denen sie diese Platten machten.” Ähnlich nachhaltigen Eindruck hinterließen die Auftritte von Grandmaster Flash und Kraftwerk auf die damals etwa 13-jährigen Techno-Maniacs in spe – vor allem der Gerätepark der Düsseldorfer Elektroniker. In diesen Momenten formte sich eine erste Vision, eine Lust darauf, auch selbst mit solchen futuristischen Kisten Klänge zu erzeugen. Feststeht, was Del als Fazit zu diesem Thema formuliert: „Diese beiden tollen Fernsehsendungen haben uns definitiv die Augen für eine Menge neuer Musik geöffnet.”

Bekenntnis zum Club

Aber zurück in die Gegenwart! Was hat diese breitbandige und der Gunst der musikhistorischen Stunde geschuldete musikalische Prägung an Spuren hinterlassen? Paranoid Londons Musik birgt eine Art Geheimnis, aber nicht auf eine inszenierte Weise, die es genau auf diesen Aspekt anlegt. Im Gegenteil, es scheint in ihrem kreativen Prozess eine Kraft zu geben, die eher unbewusst aus der Zusammenarbeit und dem Fusionieren all ihrer Einflüsse entsteht. Eine Art Emergenzeffekt, das oft zitierte Mehr-als-die-einzelnen-Teile. Viele Stücke von Quinn und Del verweisen zwar ziemlich direkt auf klar erkennbare Genres wie Acid House, Electro und Disco und natürlich auch auf Protagonisten der Szene. Trotzdem fallen diese Tracks nicht unter die Kategorie Stilübung oder Retro-Sound, sondern transportieren etwas Persönliches, Paranoid-London-Spezifisches – und genau darin liegt das Geheimnisvolle, genau in diesem „Mehr”, in diesem nicht genau zu fassenden Eigenanteil.

Da schwingt vieles mit, das über den Clubkontext hinausgeht und womöglich in den Titelmelodien von Kindersendungen seinen Anfang nahm. Am stärksten äußert sich diese Eigenheit interessanterweise in den Vocaltracks des Duos. Diese wirken außerdem oft ein wenig im Zaum gehalten, nicht konsequent auf die Spitze getrieben, was das Euphorie-Potenzial anbetrifft – im Gegensatz zu den vorwiegend instrumentalen Stücke, die alles geben und aus vollem Halse „Party” schreien. Auch dieser Dualismus gehört zu den Eigenheiten von Paranoid London, eine gewisse Songorientierung in einem Teil des Repertoires, das klare Bekenntnis zum Clubben und zur Nacht im anderen.

Und wie bei den meisten Themen in Sachen Paranoid London gibt es auch hier Ausnahmen. Bestes Beispiel: Der Track „Drum Machine” von ihrem zweiten Album – eines meiner persönlichen Lieblingsstücke des Duos, obwohl ich sonst eher die Vocaltracks und ihre verspielt-experimentelle Seite bevorzuge. Als ich das Stück im Interview zur Sprache bringe, freuen sich beide sichtlich. Kurz beschrieben, besteht es nur aus Drum-Sounds, ohne Bassline, ohne weitere Instrumentierung. Quinn zur Entstehungsgeschichte: „Wir waren im Studio und unterhielten uns mit einem Freund, während wir arbeiteten. Und wir hatten die Lautsprecher ganz leise gestellt, damit wir uns unterhalten konnten. Wir legten einfach dieses Pattern an und konzentrierten uns überhaupt nicht. Ich drückte auf Aufnahme und machte es. Es ist nur ein Take, es ist einfach so entstanden. Und es ist eigentlich der Inbegriff dafür, dass man mit praktisch nichts sehr viel erreichen kann. Es ist buchstäblich nur eine Drummachine, das ist alles.”

„Wir waren die erste Ecstasy-Generation.”

Nachdem die beiden das Stück live ausprobiert hatten, wussten sie eines sicher: „It destroys dance floors.” Im Büro ihres Managers sah die Reaktion aber erst einmal etwas anders aus. „Ist dieses Stück fertig?”, lautete seine skeptische Frage, aber zum Glück konnten Del und Quinn ihn davon überzeugen, den Track auf das Album zu packen – absolut zu Recht, denn es ist ein perfektes Beispiel für die eigenartige Magie, die etlichen Paranoid-London-Stücken innewohnt – nur in diesem Fall nicht durch die Interaktion verschiedener Instrumente und Stimmen erzeugt, sondern durch die perfekte Anordnung der minimalen Beat-Variationen und Breaks. Quinn resümiert:Es ist erstaunlich, wie viel Energie man aus einer einzigen Sache herausholen kann.” Und welche:r Raver:in kennt die Situation nicht, in der maximal reduzierte Tracks auf der Tanzfläche plötzlich am allermeisten mitreißen und die unglaublichste Euphorie freisetzen können?

Von wegen Dancefloor – an einer Stelle des Interviews fällt eher beiläufig der Satz: „Wir waren die erste Ecstasy-Generation.” Klar, der Second Summer of Love 1989, mit all seinen Folgen zwischen Ekstase und Melancholie. Und wie steht es heute mit Ausgehen, mit Clubbesuchen? Wie sich schon zu Anfang des Interviews angedeutet hatte, unterscheiden sich Quinn und Del in diesem Punkt. Quinn reagiert auf die Frage sofort euphorisch: „Ich gehe immer noch gerne aus. Ich höre gerne neue Musik, und ich liebe es, mich vom Glück überraschen zu lassen.” Del wiederum hat sein Glück woanders gefunden. 

Er sagt schmunzelnd: „Ich bin der Glückliche, ich darf zu Hause bleiben und später mit Quinn darüber reden, was passiert ist.” Dennoch, ganz so häuslich kann auch er nicht sein, denn als die Sprache auf einen signifikanten Aspekt ihres neuen Albums kommt, schwärmt er von den immer wieder überraschenden Sets gerade junger Resident-DJs, die vor und nach seinem Set auflegen: „Weißt du, auf 100 DJs, die ziemlich langweilig und unscheinbar sind, kommt immer ein junger, aufstrebender Warm-up-DJ, der den Laden aufmischt. Und das ist der Grund, warum junge Leute immer wieder zur elektronischen Musik zurückkehren.”

Das Innencover von „Arseholes, Liars and Electronic Pioneers”

Ausgangspunkt für dieses sympathische Statement war die Frage nach den teilweise schnelleren Tracks auf Arseholes, Liars and Electronic Pioneers und ob diese eine Reaktion auf die rasante Temposteigerung in den Clubs in den letzten Jahren seien. Beide verneinen wieder einmal direkt und unisono, und Quinn erzählt: „Wir dachten, wir wären die Einzigen. Aber als die Platte rauskommt, stellt sich heraus, alle anderen machen es auch.” Trotz dieser Entwicklung sind Paranoid London noch ein gutes Stück von der 140-BPM-Welle der letzten Zeit entfernt. Und sie stehen auch nicht allzu sehr auf diese Eskalation. Auch hier zeigt sich, dass Del definitiv nicht nur im häuslichen Wohnzimmer auf Quinns Berichte aus dem Nachtleben wartet: „Jetzt spielen alle sehr schnell, und ich denke, zu schnell, nur um des schnellen Spielens willen. Zwei Stunden 140 BPM, das ist einfach langweilig.”

Ein anderer Aspekt des neuen Albums manifestiert sich schon im Titel und erst recht im Innencover des aufklappbaren Doppel-Vinyls. Von dort blicken sie uns vereint an, die „Arschlöcher, Lügner und elektronischen Pioniere.” Klar, dass nur die letzteren Del und Quinn am Herzen liegen. Und ihre Auswahl ist nicht nur exquisit, sondern komplettiert ihre Erzählung über Einflüsse und musikalische Wurzeln. Patrick Cowley, Suicide, Joy Division und wie sie alle heißen stehen für ein Spektrum von größter Offenheit. Aber die Bösen in dieser Fotocollage sind hier letztlich noch wichtiger, denn sie so unverblümt zu zeigen und zu benennen, ist ein klares Statement, wie es viel zu selten im elektronischen Musikkontext vorkommt. Paranoid London ist es hoch anzurechnen, dass sie sich nicht scheuen, eine klare Position gegenüber Leuten wie Donald Trump, Boris Johnson und Elon Musk einzunehmen. Denn die Dance-Szene braucht nicht nur mehr coole Raver wie die beiden Briten, sondern auch mehr Bekenntnisse zu einer emanzipatorischen, antifaschistischen und demokratischen Haltung.

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