Fotos: Presse (Lighthouse Festival)

„Electronic music on vacation“ ist die Unterzeile des Lighthouse Festivals, das am ersten Juniwochenende bereits zum sechsten Mal in einer Ferienanlage an der Küste der Halbinsel Istrien im Westen von Kroatien stattfand. Wenn man mehrtägige Festivals bisher nur in der etablierten Form kennenlernen durfte (Zeltplatz, Dixie-Klos, zunehmende persönliche Verwahrlosung), klingt das Konzept durchaus überzeugend: man mietet sich je nach Budget in ein Hotel, in eine Villa oder in ein Bungalow auf dem Gelände ein, kann dadurch sämtliche Vorteile der gegebenen Infrastruktur (Betten, Duschen, üppige Frühstücksbuffets) nutzen und ganz nach persönlicher Vorliebe das Rad mehr in Richtung Urlaub oder mehr in Richtung Party drehen. Und bereits bei Ankunft muss man feststellen, dass sich die ehemaligen Betreiber des Wiener Clubs Pratersauna wirklich ein schönes Fleckchen Erde ausgesucht haben. Die mit viel Waldflächen begrünte Ferienanlage ist weitläufig genug, um immer genug Rückzugsraum zu garantieren und direkt an der Küste gelegen gibt es jederzeit die Möglichkeit sich in Laufnähe auf den Klippen zu tummeln oder ins Meer zu springen.

Das Festival selbst ist dann bemerkenswert variabel programmiert. Es gibt eine große Mainstage mit atemberaubenden Panoramablick direkt am Wasser, die täglich aber nur von 19 Uhr bis Mitternacht bespielt wird. Ein anderer, kleinerer Beach Floor, der als einziges non-stop geöffnet hat – ansonsten verteilen sich mehrere kleinere Floors in verstreut gelegenen Kieferwäldchen oder auch in eigens ausgebauten Clubräumen, wie den auch nur zwei Nächte geöffneten Nassraum, der sich sound- und vibe-mäßig hinter keinem richtigen Club verstecken muss. Spezielle one-offs wie eine krasse Booty-House-Party mit Dance ManiaDJ Deeon in der Sonntagnacht in der örtlichen Pizzeria, diverse Bootspartys, einem nur für ein paar Stunden geöffneten After Hour-Floor oder einer komplett irren Hip Hop-Poolsession, bei der das ansonsten doch eher zurückhaltende, überwiegend aus dem nahen Österreich kommende Publikum in Bikini und Badeshorts komplett freidreht, schaffen eine extrem dynamische Atmosphäre – hier gleicht kein Tag dem nächsten. Dass man trotzdem nicht das festivaltypische Gefühl bekommt, von einem Floor zum anderen hetzen zu müssen, um bloß nichts zu verpassen, ist wohl auch der angenehmen Gesamtstimmung geschuldet, die nicht auf kräftezehrendes 24/7-Programm setzt, sondern seine Highlights wohldosiert freigibt.

Motherfuckin’ Chicago House: Honey Dijon

Und davon gab es so einige. Honey Dijon zum Beispiel hat mit ihrem Set am Donnerstagabend auf der Hauptbühne bewiesen, warum sie zu den absoluten DJ-Ausnahmekünstlern zählt. Innerhalb zehn Minuten schaffte sie es, den kompletten Vibe auf dem Floor aufzumischen – aus einer gemütlich dahinschwofenden Menschenmasse wurde ein intensiver, dreistündiger House-Moshpit. Von Anfang an hielt sie das Energielevel extrem hoch, der Sound immer leicht bis mittelschwer übersteuert, ihre spezielle Art mit Vocal-Tracks und Acapellas zu arbeiten, ist dabei so effizient wie mitreißend: welcher DJ könnte auf Chaka Khans „Ain’t Nobody“ Green Velvets „Flash“ folgen und es wie die schlüssigste Verbindung überhaupt erscheinen lassen? Dass sie dabei auch zwei mal die persönliche Ansprache sucht („For all of you who don’t know me: I’m Honey Dijon and I’m from Chicago. What do you want to hear? Some Techno, House or Disco? … OK, then I’m playing some motherfucking Chicago House!“, rumms rumms rumms) und ihr Set bestens gelaunt mit einem Monolog einer Frau beschließt, die sich über den kleinen Penis ihres Liebhabers beschwert und ihn aus ihrem Schlafzimmer schmeißt, lässt das Publikum umso mehr jubeln.

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