5. Camea – NAF 97 (Neverwhere)

Camea Hoffmann aus Berlin steht für einen psychedelischen Minimal-Techno-Sound. Bei „NAF 97“ klingt sie mit raumgreifenden Acid-Pattern und Fanfaren ausladender und epischer als sonst. Markus Suckut verpasst dem Drumming und der Bassline des Stücks mehr Biss und arrangiert die anderen Elemente aus dem Track behutsam nacheinander. „Jack U“ ist eine dumpfe, mattgefilterte Chicago-Nummer mit viel Rauschen, die nur aus einer einzigen, kurzen Bleepfigur und einem zotigen Vocal besteht. Bei Matrixxman klingt diese Nummer nicht mehr frech und spontan, er arbeitet sie zu einem vergleichsweise konventionellen Acidstück aus, das er in dem gewaltigen Hallraum platziert, den man schon aus zahllosen seiner Tracks kennt. (Alexis Waltz)

4. Dustin Zahn – Take The Throne EP (Rekids Special Projects)

Diese Technotracks von Dustin Zahn aus Minneapolis verfügen über einen Sinn fürs Wesentliche. „Decorum“ erinnert mit seinen flackernden Fanfaren, die langsam aus dem Takt laufen, an Robert Hood. Bei „Nameless Night“ öffnen sich kurzatmige, flackernde Bleeps ins Atmosphärische, Zahn gibt nur eine Ahnung von der ravigen Energie, die hier entstehen könnte. „Subtle Flex“ ist ein schwergängiges Breakbeatstück, das vom Körperfühl des pumpenden Bass getragen wird. Der potentielle Hit auf dieser Platte ist das Titelstück: In dieser sensationellen Nummer nagt sich ein einziges, verstimmtes, aus drei Tönen bestehendes Synthesizerpattern beharrlich in unsere Hirnwindungen. (Alexis Waltz)

3. SMKMCHN#01 – (Smoke Machine)

Seit 2009 repräsentiert Smoke Machine die urbane Subkultur und Techno-Szene Taiwans. Mit dem jährlich abgehaltenen Organik-Festival an der Ostküste des Landes beschreiten sie ähnlich unkonventionelle Wege wie etwa das deutsche Nachtdigital. Das nun ins Leben gerufene Label des Konglomerates trägt den Gedanken weiter und präsentiert eine Auswahl des nerdigen Bookings. Der Tenor der Platte liegt in sphärisch vertracktem Techno. Gewinner ist die A-Seite um Blind Observatory und Dorisburg. Ersterer glänzt mit intelligenten 90s-Trance und IDM, während letzterer mit Dub-Referenzen spielt. (Felix Hüther)

2. Harmonious Thelonious – Background Noise (Kontra-Musik)

Das der Düsseldorfer Stefan Schwander im Hype um den Salon Des Amateurs etwas untergeht, ist unverzeihlich. Nicht wegen seiner seit 1995 andauernden, mit zahlreichen Projekten bestückten Produzenten-Karriere. Vor allem wegen der Musik, die er seit 2008 als Harmonious Thelonious auf Labels wie Disk, Italic, The Trilogy Tapes oder Versatile veröffentlicht. Nun eine EP für Kontra-Musik. Vier bannende Stücke zwischen afrikanischer Trance, Industrial-Zittern und Drama-Psychedelic. Rhythmisch vielschichtig und mit Funk beladen, verbreiten sie eine meditative Tanzernergie, der sich im Club keiner entziehen kann. (Michael Leuffen)

1. Barker – Debiasing EP (Ostgut Ton)

Die erste Solo-EP des langjährigen Leisure System-Kurators Sam Barker lässt DJ-Herzen höher schlagen. Durch den Verzicht auf Kick, Snare und Clap ergeben sich enorm vielseitige Einsatzmöglichkeiten hinter den Decks, um mit den passenden DJ-Tools die auftreibenden Melodiebögen der Tracks so richtig in Szene zu setzen. Die unterschwelligen Detroit-Verweise auf A1 und B1 erinnern an die Built-ups des Underground-Resistance-Klassikers „Journey Of The Dragons“ oder die Timeworm-EP von 2030, während A2 nostalgisch das Berlin der Nullerjahre, etwa Dntel im Superpitcher-Remix zurück ins Gedächtnis ruft. (Felix Hüther)

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