5. NHK yx Koyxen – Parallel Tempo (-ous)

Kouhei Matsunaga aus Osaka und Berlin ist zur Zeit einer der vielseitigsten und wagemutigsten Elektronikproduzenten. Von seinen vielen Pseudonymen, die immer seinen Vornamen und/oder den japanischen TV-Sender NHK enthalten, steht NHK yx Koyxen für eine sonst nicht so offensichtliche Liebe zu Acid und Techno. Auf seiner EP für das Züricher Label -ous fährt er die Koordinaten von Techno auf sehr eigene Weise ab. Electroide Stomper, IDM-Beats, flächiger Dub-Techno, trippige Bass-Psychedelik oder DBX-Bleeps – nach einer NHK-Behandlung sind sie immer leicht uneben, verwirrt und großartig seltsam. (Frank P. Eckert)

4. The Pilotwings – Pour Faire Pleurer Les Chômeurs (Brothers From Different Mothers)

Nach ihrem vor gut einem Jahr erschienen Debütalbum, dessen Cover das französische Duo als die Modern Talking des 21. Jahrhunderts ziert, folgt nun eine EP. The Pilotwings spielen gerne mit humoristischen Bildern und Titeln. Auf dem EP-Cover sitzen sie in Jogginganzügen und mit Zigarette im Mund auf einer Parkbank. Laut Titel soll die Musik zwar Arbeitslose zum Weinen bringen, allerdings klingt sie alles andere als traurig oder balladenhaft. Die balearischen Synths, euphorischen Claps, der Disco- und House-Flair, der jedem der vier Tracks auf Pour Faire Pleurer Les Chômeurs innewohnt, rufen vielmehr ein wohlig-warmes Gefühl als eine Trauerwolke hervor. So zum Beispiel „Dfc Du Pauvre“, das mit tiefen „Seven Nations Army“-Drums startet und dann von lässigen Hi-Hats und Claps eingeholt wird, die ins Balearische hineinfließen. Dabei könnten ihre anderen Brothers From Different Mothers-Kumpels doch genauso gut Johnny Nash und Suzanne Kraft sein. (Franziska Finkenstein)

3. Sign Libra – Closer To The Equator (Antinote)

Closer To The Equator ist eine EP, die zum Tanzen komponiert wurde, aber nicht wirklich für den Club geeignet ist. Es ist eine EP, die ihre Inspirationsquelle in der Natur hat, aber nicht wirklich nach Ambient klingt. Agata Melnikova, die hinter Sign Libra steht, produzierte die sechs Tracks für das moderne Ballett in Riga. Den Ort ihrer Entstehung fand sie in der Natur, die Klangquellen bei den Tieren und Pflanzen, bei den mikroskopisch kleinen Organismen, die uns umgeben, wir sie aber nur peripher wahrnehmen. Melnikova dokumentiert auf jedem einzelnen Track die Natur. Sie vertont ihre kleinen und großen Kosmen. Auf „Teleopsis Dalmani“ kreieren tropfenartige Klänge Bilder von Wasserfällen, in denen zwitschernde Vögel den Regenwäldern Musikalität verleihen. Es entsteht eine synthetisierte Klangwelt, die die exotische Vielfalt eines Tropengebietes einfängt und mit Jazz und Elektrowelten verbindet. (Franziska Finkenstein)

2. Nathan Fake – Sunder EP (Ninja Tune)

Drone-Varianten verschiedener Intensitätsstufen spielen eine nicht unerhebliche Rolle auf diesem 5-Tracker von Nathan Fake: Ganz eindeutig im beeindruckenden Titelstück mit seiner durchgehenden und alle Aufmerksamkeit bannenden Orgel, kleinteiliger und mit Unterbrechungen in den ambienten „Arcaibh“ und „Lea“, verspielter in „Serotonin Drops“. „Cloudswept“ greift den puren Orgelsound von „Sunder“ wieder auf, lässt ihn aber eine festliche Kadenz spielen, deren Harmonien perfekt das Happy End eines atemberaubenden Thrillers begleiten könnten – spätestens dann, wenn die Orgel von zärtlichen Bleeps abgelöst wird, küsst James Bond seine Retterin! (Mathias Schaffhäuser)

1. Distant Echoes – Rough Waves EP (Out-Er)

Distant Echoes gehört zu den wenigen jungen Technoproduzenten, die wirklich etwas Neues versuchen. Der Italiener gibt seinen lebendigen, unberechnbaren Melodien eine fürhrende Stellung im Trackgefüge. Bei „Flight Mode“ verbindet er atmosphärische Glockentöne mit einer monoton pulsierenden Bassline, das Organische und das Technische treten in einen unerwarteten Dialog. Bei „Femidi“ scheint ein Gitarrenklimpern eine ferne Erinnerung wachzurufen. Und wieder verbinden sich die geloopten, elektronischen Sounds mit ihrem digitalen Puls auf ganz selbstverständliche Weise mit den Gitarrenklängen mit ihrem menschlichen Timing. (Alexis Waltz)

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