5. Till Von Sein – Feva, She Said (Tilly Jam)

Eine ganze Weile ließ der Suol-Alumnus Till von Sein herzlich wenig von sich hören, nun aber meldet er sich mit einer funkverliebten Vier-Track-EP auf seinem eigenen Imprint Tilly Jam zurück. “Feva” quetscht mit Chicken-Scratch-Gitarre und geschichteten Vocal-Samples die Limetten aus, “Fave” schüttet im Midtempo-Bereich über fiepsende Synthie-Sounds und wohltemperierte Piano-Chords den Rohrzucker dazu, während auf der Flip “Chronic” mit dezent jackenden Vibes und schwebenden Chords erst den Rum laufen lässt, bevor mit dem balearisch angehauchten “She Said” der Soda hinzuströmt. Jetzt noch ein Zweig Minze dazu, fertig ist der Mojito und die Uhr dreht sich auf Sommerzeit zurück. Welcome back, Till! (Kristoffer Cornils)

4. Mattheis – Nodal Lines (Nous’klaer Audio)

Es sind bereits fünf Jahre vergangen, seitdem der Produzent Mattheis seine erste EP auf dem Label Nous’klaer Audio veröffentlichte. Das Label und der Rotterdamer haben sich eindeutig die Treue geschworen zu haben. Bis heute verzeichnet Labelbetreiber Sjoerd Oberman sieben Veröffentlichungen vom Mitglied des erweiterten Nous’klaer-Clans. Nicht nur der Labelheimat, sondern auch soundtechnisch bleibt Mattheis seinem Stil treu. Mit Nodal Lines liefert er vier Tracks, die mit „Maass“ auf verträumten Rhythmen beginnt, dann auf „Bessel Functions“ in einen härteren, technoideren Marschgang mit verspielten Acid-Bässen vorlegt. Dass Matthijs Verschuure Wert auf Vielfalt und Verspieltheit in seiner Musik legt, zeigt er auf der B-Seite, die mit euphorisch treibenden Xylophone-Synths auf die A-Seite antwortet und mit tippelnden Beats, die zuweilen an Chloé und Jon Hopkins erinnern, endet. (Franziska Finkenstein)

3. Silent-One – Lost Souls EP (Intimate Silence)

Ambient, Ambient, Ambient. Pünktlich zum 40. Geburtstag des von Brian Eno geprägten Begriffs ist das schwammig umrissene Genre in aller Munde, worin 2018 allerdings seine Funktion besteht, darüber scheiden sich weiterhin die Geister: Feierabendeskapismus oder doch soziale Praxis? Im besten Falle vielleicht beides. Beim Label Intimate Silence zumindest steckt diese Synthese bereits im Namen und auch das erste Vinyl-Release von Betreiber Silent-One schlägt genau in diese Kerbe. Das From Another Mind-Mitglied präsentiert im genreunüblichen Kurzformat wie schwebende Soundscapes mit schwirrenden Chorelementen, morbiden Synthie-Tupfern und Vocal-Samples zu einem allumfassenden Gesamtpaket verschnürt werden können. Das funktioniert zuhause auf der Couch im Halbdunkel sicherlich genauso gut wie unter der gedimmten Deckenbeleuchtung einer umfunktionierten Industriehalle. (Kristoffer Cornils)

2. Florian Kupfer – Contact (L.I.E.S.)

Es steht außer Frage: L.I.E.S. gehört zu einem der interessantesten Labels, wenn es um elektronische Musik geht. Ob Eric Copeland, Terekke, Silent Servant oder Newcomer wie S. English oder 33.10.3402 – das in New York ansässige Label bietet seit seinen ersten Fußstapfen eine diverse und intelligente Auswahl an Releases, die auf der Palette von super weirden Future-Sounds bis nostalgischem House alles bedient. Die neueste Release stammt von dem Genre-Wandler Florian Kupfer. Dieser wendet sich auf Contact gänzlich ab vom Lo-Fi-House-Habitus seiner früheren Produktionen und geht über zu boomenden Techno-Elementen. Von einleitenden Klavier-Sounds, die sich mit einem tief brummenden Bass verbinden, bis hin zu rapiden Acid-Hammern, die Assoziationen zu Randomer hervorrufen, oder aber perkussiven Panoramen bietet Contact vier eingängige Tracks, die nicht nur für die Tanzfläche geeignet sind. (Franziska Finkenstein)

1. Philipp Otterbach – Humans EP (Tour Messier)

Die Platte der Woche von Philipp Otterbach ist sowohl für abenteuerlustige DJs empfehlenswert, die während ihren Sets obskure Soundscapes einbauen wollen, als auch für Connaisseurs, die Musik eher im Hinterzimmer diggen. Otterbach gehört zu denjenigen, die es meisterlich schaffen, als DJ wie auch Produzent die Zuhörenden vom Hocker hin zu den Boxen zu locken. Neben seiner Residency im legendären Düsselforfer Club Salon Des Amateurs haut er Mixe bei NTS und Red Light Radio mit kosmisch-experimentellen, elektronischen Beats raus, die vielschichtige Klangkulissen kreieren. Auf seiner neuesten EP Humans lässt Otterbach seine experimentelle Seite spielen, die sich hauptsächlich im Ambient- und Dub-Techno-Bereich ansiedelt. Mit mechanisch klingenden Synthstrukturen, die sich mit unterschiedlichen Monologsequenzen verbinden, evoziert der in Berlin lebende Produzent cineastische Bildkompositionen: Die düstere Stimmung entwirft eine post-apokalyptische Landschaft. Eingebettet in eine industrielle, von düsteren Rauchwolken umschlungene Szenerie verlagern sich hier alle Klarheiten in eine schimmernde, dubbig-dystopische Kulisse. (Franziska Finkenstein)