Zuerst erschienen in Groove 170 (Januar/Februar 2017).

25 Jahre sind vergangen, seitdem DJ Pierre mit „Muzik“ den ersten von zahlreichen Tracks veröffentlichte, die unter dem Markenzeichen Wild Pitch bekannt werden sollten. Es waren Stücke von langer Spieldauer, in denen der heute 53-Jährige Soundschicht auf Soundschicht legte. Bereits 1987 hatte der gebürtige Chicagoer gemeinsam mit seinen Phuture-Kumpels Spanky Smith und Herb Jackson mit „Acid Trax“ einem ganzen Genre seinen Namen gegeben. In diesem Jahr hat DJ Pierre, der inzwischen in Atlanta lebt, einige seiner alten Wild-Pitch-Tracks neu aufgenommen. Daraus wurde das Album Wild Pitch: The Story.

6. Charlie Parker Septet – A Night In Tunisia (Dial, 1946)

Dieses Stück, die Trompete spielte übrigens Miles Davis, war die erste Platte, über die mein Vater ausführlich mit mir gesprochen hat. Er machte mich auf einige Dinge aufmerksam, wie auf die Phrasierung oder wie Charlie Parker dieses Riff spielte. Meine Eltern haben so gut wie nie mit mir gespielt, sie sahen ihre Rolle darin, mir Dinge beizubringen. Dieser Song lehrte mich, von Musik inspiriert zu werden und zu spüren. Diesem Song und Jazz im Allgemeinen verdanke ich viel.

5. Meco – Music Inspired By Star Wars and Other Galactic Funk (Millennium, 1977)

Ich habe mir die Star-Wars-Filme zwar angesehen, war aber kein Fan, von der Filmmusik schon gar nicht. Musik spielte in meiner Kindheit eine große Rolle. Ich lernte Klarinette, spielte Schlagzeug und Perkussionsinstrumente. Dieses Medley des Star-Wars-Soundtracks war der erste Song, den ich außerhalb meines Unterrichts allein für mich hörte. Und meine erste Begegnung mit Disco. Die Kreativität, wie da diese Filmmusik und Disco gemixt wurden, beeindruckte mich sehr. Ich hab auf jedes Detail geachtet. Es zeigte mir, dass Musik keine Grenzen hat.

4. Kraftwerk – Numbers (Warner, 1981)

Als ich „Numbers“ das erste Mal im Radio in einem DJ-Mix auf dem Sender XFM hörte, wusste ich noch nichts über Drum Machines und Synthesizer. Ich hatte keine Ahnung, woher diese unglaublichen Sounds kamen. Ich merkte irgendwann, dass ich Musik auf einmal anders höre. Ich achtete nicht so sehr auf die Songtexte und Vocals, sondern auf einzelne Klänge und wann sie einsetzten. „Numbers“ war voller faszinierender Sounds! Und dann noch die Roboterstimmen in den verschiedensten Sprachen! Ich liebte diesen Beat. So etwas hatte ich noch nie zuvor gehört.

3. Sister Sledge – We Are Family (Cotillion, 1979)


Ich hätte so gut wie jeden anderen Song von Sister Sledge oder Chic nennen können. Dieses Stück hat irre viel Charakter: dieser Basslauf, das Rhythmusgitarrenriff, die Streicher, das Gesangsarrangement! „We Are Family“ war ganz anders als jedes andere R’n’B-Stück zu dieser Zeit. Mich hat dieses Zusammenspiel von Bassline, Rhythmusgitarre und Streichern sehr stark beeinflusst, mit dem Wild-Pitch-Sound wollte ich etwas vergleichbar Einmaliges schaffen. Es gibt nur wenige Bands oder Künstler, die solch einen einzigartigen Stil hatten wie Nile Rodgers und Chic.

2. Sugarhill Gang – Rapper’s Delight (Sugarhill, 1979)


Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich „Rapper’s Delight“ das erste Mal im Radio hörte, denn bis dahin kannte ich Rap nicht. Und dann rappten die auch noch über eine Chic-Platte! Abends kämpfte ich dagegen, dass mir die Augen zufielen. Ich wollte den Song einfach nicht verpassen. Als ich merkte, dass meine Augen austrockneten, ging ich ins Bad, um sie auszuspülen. Als ich in mein Zimmer zurückkam, lief „Rapper’s Delight“ und ich hatte bereits die Hälfte verpasst! Das war mein Einstieg in die Welt von Rap und HipHop.

1. Lil’ Louis – French Kiss (Diamond, 1989)


Für mich ist „French Kiss“ der perfekte Housetrack, er hat einfach alles, von einer Acid-303 mal abgesehen. Kein House-Stück hat meine Auffassung von House mehr geprägt, es zeigte mir damals, was möglich war. Als die Platte rauskam, hatte ich zwar schon mal vor Lil’ Louis aufgelegt, wirklich kennengelernt haben wir uns aber erst später. Ich bin ihm ewig dankbar für „French Kiss“.