Inner City waren mehr als zwei Hits. Du hast drei Alben aufgenommen. Ein Album stand auf der Prioritätenliste eines House-Produzentens damals nicht unbedingt weit oben.
Das war das Plattenlabel. Weil wir so viel Erfolg hatten. Sie wollten Alben verkaufen. Ich war nicht darauf eingestellt, ein Album aufnehmen zu müssen, aber ging trotzdem ins Studio und hab’s hinbekommen. Ich habe mich da durchgebissen, bis ich mit dem Resultat glücklich war. Deswegen musste ich meine DJ-Karriere für ein paar Jahre aufs Eis legen.

Das zweite Album schlug eine andere Richtung ein.
Fire war Techno, es war funky und darauf war auch ein bisschen experimenteller Kram zu hören. Ich versuchte, neue Wege zu gehen, weil ich nicht immer gleich klingen wollte. Das dritte Album befasste sich eher mit spiritueller Inspiration. Es ging um Kreativität, und nicht um das, was die Leute erwarteten.

Warum hast du all diese Pseudonyme erfunden: Reese, Tronikhouse, Kaos, E-Dancer?
Das war chaotisch. (lacht) Zu der Zeit habe ich so viele Tracks geschrieben, die ich veröffentlichen wollte. Einige von ihnen war recht unterschiedlich, andere wieder sehr ähnlich. Tronikhouse war eher ein Break-Projekt. Breaks mochte ich ganz gern. Nicht unbedingt alles von dem, worin Breaks zu hören war. Jedenfalls gab es ein Album für den breakigen Kram. Inner City war Inner City. Reese Project war eher soulful, deeper. E-Dancer war mein Techno-Deepness-Darkness-Projekt. Wenn ich die Chance hätte, alles noch mal neu zu machen, würde ich nicht noch mal dasselbe tun. Es waren zu viele Tracks unter zu vielen Namen. Was soll ich schon sagen?

Wie lange hast du an einem Track gearbeitet?
An manchen zwei Stunden, an anderen einen Tag. Du kommst dann darauf zurück, je nachdem, wie inspiriert du bist. Meistens entsteht der beste Teil während der ersten halben Stunde, wo du Essenz einfängst. Der Rest entwickelt sich dann.

Warum hast du so viele Remixe auf das Originalalbum genommen? Warum hast du deinen Kollegen Gehör verschafft?
Ich dachte mir, dass ich ja schon die Originale produziert hatte und dass es so etwas interessanter würde. Alle der Tracks waren mit Ausnahme von einem oder zwei Tracks keine richtigen Remixe, sondern nur neu gemixt worden. Sie wurden gemäß dem alten Standard für Remixe gemacht. Carl Craig hat lediglich ein paar Drums editiert und den Track anders arrangiert. Das war alles. Kenny Larkin hat dasselbe getan. Ich dachte, dass es cool wäre, wenn die Detroit-Brüder Solidarität zeigen und einander supporten.

In welchem Kontakt standest du zu Underground Resistance, Carl Craig oder Darrell Wynn?
Sie kam einfach in mein Studio und haben dort den Mix gemacht. Wir haben nicht wirklich zusammengearbeitet. Eher so: hier sind die Stems, hier ist das Tape. Das alles wurde auf dem 24-Spuren-Tape gemacht. Dann haben sie ihr Ding gemacht. Die meisten der Remixe entstanden im Studio. Derrick, Juan und meins: alle Studios hingen zusammen. Wir hatten diese Räume in Detroit, wohin alle kamen.

Nach dem E-Dancer-Album hast du nicht mehr viel veröffentlicht. Hattest du das Gefühl, alles gesagt zu haben?
Ich war ziemlich eingewickelt und nicht sehr inspiriert. Ich wollte nur auflegen und es gab nicht viel gute Musik zu der Zeit. Ich nahm an, es würde sich musikalisch um eine komische Übergangsphase handeln, mit viel Trance und Progressive House. Da war ich nicht sehr angetan von dem Gedanken, etwas zu produzieren, um es zu veröffentlichen.

Bist du damit glücklich, wie dich die Leute heute sehen?
Ich bin seit einer ganzen Weile Teil dieser Szene. Es gibt junge DJs die wissen, wer ich bin, manche wissen es aber nicht. Manche denken, dass ich Kevin Saunderson aus Detroit bin und also Techno spielen werde. Das tue ich meistens aber gar nicht. Was nicht heißen soll, dass ich nicht ein Knaller-Techno-Set hinlegen könnte, das so gut wie jedes andere wäre. Ich nehme offensichtlich einen Platz in der Geschichte ein. Ich habe nichts mehr zu beweisen außer dem, wozu ich mich selbst berufen fühle. Du kennst jetzt die zweite Phase dieses Albums, aber du kennst noch nicht die dritte der Heavenly-LP. Die nennt sich dann Infused und wird ein bisschen so wie das, was Carl Craig auf Versus gemacht hat – mit Strings, Percussions und langsamerem Tempo. Das hat nichts mit dem Dancefloor zu tun. Es ist total konzeptuell und hat fast keine Kicks. Ich bin damit fast fertig, veröffentlicht wird es irgendwann im nächsten Jahr.