Wie denkst du über den derzeitigen Status Quo von Dance Music?
Sie ist vielseitiger. Es gibt eine ganze Menge. Es gibt auch eine Menge schlechter Musik, aber immer noch gute und solche, die gut produziert wurde. Es dauert schon, sie zu finden, und du verpasst schon mal einen oder gleich zehn Tracks, weil es einfach so dermaßen viel ist. Du bekommst ständig E-Mails und Files und dann gibt es da noch Beatport und Juno. Schon schwierig, das mitzuverfolgen. Das Gute aber ist, dass du immer etwas Vernünftiges finden wirst. In den späten Neunzigern war das sehr merkwürdig, alles war entweder Trance oder Progressive House. Sonderlich viel Techno gab es nicht. Jetzt ist die Bandbreite viel größer.

Als Inner City hast du Clubmusik mit Pop zusammengebracht. “Good Life” und “Big Fun” waren Floor-Smasher, die auch im Radio funktioniert haben. Warum, denkst du, sind House-Tunes, die zugleich Pop-Songs sind, so gut?
Vielleicht gibt es davon heutzutage nicht so viele. Vielleicht ist es für jüngere DJs schwierig, das Selbstbewusstsein aufzubringen und einen Vocal-Track zu spielen. Damals wurde alles mit Vocals gespielt. Aber Vocal-Tracks sind schwer zu mixen. Sie trauen sich das nicht.

Zurück in die Vergangenheit: Ich habe mich gefragt, wie du überhaupt auf Musik gekommen bist. Deine persönliche Geschichte ist einzigartig. Du bist in New York geboren, dann aber nach Detroit gezogen. Warum sind deine Eltern zwischen beiden Städten gependelt?
Na ja, meine Mutter kam aus Detroit. Als sie jung war, besuchte sie New York. Dort traf sie meinen Vater und sie verliebten sich ineinander und schließlich wurde Kevin Saunderson geboren. (lächelt) Ich denke, dass meine Mutter nach einer Weile, nach der Geburt meiner Schwester, wieder nach Michigan zurück wollte. In New York war es nicht so sicher und es passierte eine Menge, weshalb sie annahm, dass es uns hier besser gehen würde. Also zog sie mit uns in die Vorstadt. Es war nicht wirklich Detroit, das war Belleville.

Was hast du an New York vermisst?
Alles! Es war extrem anders. New York war laut, überall lag Müll und es stank. Ich habe in Brooklyn gelebt, in der Gegend von Flatbush. Demografisch betrachtet gab es dort viele unterschiedliche Menschen. Sie waren alle dort: Schwarze, Leute aus Afrika, viele Juden und dann gab es natürlich noch die Projects. Es war weitläufiger, grüner in Detroit. Ich habe die eigentliche Stadt Detroit nicht besucht, bis ich 15 oder 16 Jahre alt war. In Belleville fand ich mich in einer Gegend wieder, die sich beinahe wie ein weißes Supremat anfühlte, es war extrem rassistisch und es gab nur wenig Schwarze. Meine Mutter studierte an der Universität Michigan und sie wollte ein sichereres, besseres Leben für uns. An die andere Seite der Medaille dachte sie dabei nicht.

Das tut mir leid zu hören, ich hatte ja keine Ahnung. Wie hast du den Rassismus erlebt?
Das erste Mal, als ich Rassismus erlebt habe, hatte ich gar keine Ahnung, was Rassismus überhaupt ist! Ich war gerade im Freien und ein Auto mit ein paar Kids drin, vielleicht mein Alter oder etwas älter, fuhr durch meine Nachbarschaft. Sie warfen Papier in meinen Vorgarten. Ich sah das und hörte sie schreien: “Nigger, nigger, nigger.” Ich hatte keine Ahnung, wovon sie redeten. Nicht bis Roots [eine TV-Serie über die Sklaverei in den U.S.] ins Fernsehen kam. Ich habe sie gesehen, kurz nachdem ich nach Belleville gezogen war. Ich dachte darüber und plötzlich begriff ich, dass sie mich meiner Hautfarbe wegen nicht leiden konnten! Weil ich nicht weiß war. Ich hatte also das Glück, dass ein paar andere schwarze Kids in Belleville lebten wie Derrick [May] und Juan [Atkins]. Wir suchten die Nähe der anderen. Dann gab es da noch ein paar andere schwarze Kids auf meiner Schule, die aus einer anderen Ecke kamen. Das war ungefähr mein Netzwerk. Ich hatte keine großen Probleme. Ich war sportlich aktiv, was enorm hilfreich war. Wenn du ein guter Athlet bist, dann akzeptieren dich die Leute eher, selbst wenn du schwarz bist. Sie sind immer noch rassistisch, aber es ist anders, weil du ihren Zwecken dienlich bist. So wurde das gesehen.

Waren denn die Lehrer und die anderen Kinder in der Schule auch rassistisch?
Ja. Die Kinder aus der Nachbarschaft waren eben jene, die auf meine Schule gingen. Ich denke, auch einige Lehrer waren es. Ich muss sagen, dass mir nie etwas widerfahren wäre, wo das abzusehen war. Mit 12 oder 13 handelte ich mir Ärger ein und erinnere mich noch haargenau daran, wie der Vize-Direx den Eltern der anderen erzählte, dass ich ein Loser sei und es im Leben nie zu etwas bringen würde. Ich würde den falschen Weg wählen. Hätte er das gesagt, wenn ich nicht schwarz wäre? Ich weiß es nicht. Wenn du es aber mit Kindern in diesem Alter zu tun hast, solltest du sie auf den richtigen Weg bringen. Sie werden Fehler machen und Blödsinn anstellen. Weil ich schwarz war, so denke ich, hielt er mir das aber vor. Letztlich hat es mich aber nicht aufgehalten.