Der Brite Nick Edwards alias Ekoplekz zieht den typischen Effekt der Desorientierung den seine Tracks bewirken aus einer genau gezielten Unordnung. In der Anhäufung gegen-, über- und untereinander laufender dubbiger Sounds, die für sich genommen minimalistisch scharf und eindeutig sind, aber in der Masse eine milde Überlastung provoziert, die dazu überredet sich dem Flow dieser Psycho-Dubs widerstandslos hinzugeben. Diese Spurenelemente von R&B, Dancehall-Reggae, Grime und karibischer Strandlaune bleiben auf Bioprodukt (Planet Mu) locker und heiter, und verdichten sich immer mal wieder zu tanzbar technoiden Tracks. Ekoplekz arbeitet mit ähnlichen Mitteln wie die „Intelligent Dance Music“ (IDM) der neunziger Jahre. Was das Entspannungspotential, Schunkel- und Tanzbarkeit angeht, ist Bioprodukt allerdings das exakte Gegenteil dessen, was IDM wollte und konnte.


Stream: Ekoplekz – Acrid Acid


Die organisch verrauschte Electronica des Kanadiers Mark Templeton ist auf Gentle Heart (Graphical) dem Titel gemäß noch ein wenig zarter und sanfter geraten. In der unvermittelten Kollision von “Wunder”-artiger Pop-Nostalgie und hochabstrakten Glitches findet Templeton einen friedlichen Flow der collageartig und im Grunde völlig strukturlos, ja fast plunderphonisch-atonal ist, dabei aber kein bisschen aggressiv an den Nerven zerrt. Das so etwas als unaufdringliche Hintergrundmusik funktioniert ist eindeutig eine psychedelische Reaktion.


Video: Mark Templeton – Gentle Heart Trailer


Der britische Ambient/Soundart Veteran Janek Schaefer nutzt ähnliche Werkzeuge und tonale Organisationsprinzipien wie Templeton. Also harte Schnitte und Konfrontation gegensätzlicher Elemente, wie auch Rauschen und den moribunden Lo-Fi Sound antiker Bandmaschinen. Allerdings setzt er diese Elemente so leise und diskret zusammen, dass aus den eigentlich groben und brutalen Klangquellen nur das allerfeinste, allerentfernteste Echo extrahiert und in Ambient-Tracks von fragiler Stille niedergelegt wird. Schaefers überbordendes, sechsundzwanzig Tracks starkes Album Glitter In My Tears (Room40) ist so etwas wie sein Fazit und persönlicher Rückblick auf 20 Jahre Musik- und Kunstproduktion.


Video: Janek Schaefer – Glitter In My Tears


Die Landstriche in denen sich das spanische Duo aus Ana Quiroga and Uge Pañeda alias „Las CasiCasiotone“ oder kurz LCC bewegt, sind weit und leer und dabei neogotisch verdüstert. Ihr zweites Album Bastet (Editions Mego) skizziert einen wüstenhaft kargen Ambient in der feste Strukturen und melodischer Reichtum in lichtarmen Vakuum eher zu ahnen als wirklich zu hören sind. Zu jedem Zeitpunkt kann in dieser maximal mit Spannung aufgeladenen Finsternis etwas Unvorhergesehenes passieren. Ein Trip auf der Schwelle zum Umkippen in fahlen Horror. Eine originelle Ästhetik der Andeutung und Verlorenheit, die sich bekannter genrespezifischer Soundvorgaben von Dark Ambient, Tribal und Industrial zwar bedient, sie aber nochmal eine Entfremdungsstufe überdreht.


Stream: LCC – Bastet – LB