Richard Dorfmeister: Man hätte das schon rausbringen können, aber es hätte nicht so gehalten wie die G-Stoned-EP. Das war das kondensierte Superding. Die anderen Tracks waren schon auch gut, aber die hätte man weiterentwickeln müssen. Aber das ist ja auch gar nicht tragisch. Man muss ja nicht immer erfüllen, was andere fordern.

Peter Kruder: Wir wollten auch ein normales Leben haben, ohne überall erkannt zu werden. So etwas ging mir wahnsinnig auf den Arsch.

Sugar B: Peter und Richard machten aus einer Sympathie des Augenblicks die G-Stoned-EP. Das ist, wie wenn ich auf jetzt auf der Gass’n geh und da steht ein Typ, der leiwand Gitarre spielt. Und ich sag: „Geh, mach ma doch was zamm!“ So ungefähr war das bei den beiden. Es war nicht geplant, dass das ein lebenslanges Projekt wird. Dass die ein gemeinsames Label starten und die Musik neu erfinden. Die machten damals einfach eine Session und pressten die auf Platte. Durch den Erfolg waren sie dann plötzlich als Einheit gebrandmarkt. Die mussten sich dann auch erst einmal finden. Deshalb gab’s dann Tosca vom Richard und Peace Orchestra vom Peter. Auch wenn sie gemeinsam auf Tour waren, legten die nie im Duett auf. Meistens spielte am Anfang der Richard, danach der Peter. Für die ganze Welt war Kruder & Dorfmeister ein Duo. Und das waren sie ja auch, allerdings ohne es wirklich zu wollen.

 

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Foto: Ernst Stratmann

 

Wien im internationalen Fokus: Der Hype mit bitterem Beigeschmack

Peter Rehberg: Ich las dann plötzlich Artikel über die Wiener Szene und dachte mir: „Moment, mit Kruder & Dorfmeister haben wir ja überhaupt nichts zu tun.“ Die wurden ja auch als Elektronik eingestuft, dabei machten die doch Lifestyle-Musik. Musik, die in Flughafen-Lounges läuft. Musik, die nicht wehtut. Viele Medien packten uns alle in dieselbe Schublade. Ich meine, wir kannten die beiden natürlich, das waren wirklich nette Typen. Aber musikalische Verbindung gab es da keine.

Peter Kruder: Wir lehnten das von Anfang an ab. Keiner wollte einen Wien-Sound, weder der Patrick Pulsinger noch wir, aber es setzte sich dann einfach so durch. Der simpelste Schluss war dann diese Kaffeehaus-Musik. Ich fand das auch vom Journalistischen her so langweilig. Dass sich da viele nicht mit der Musik beschäftigten, sondern alle in eine Schublade steckten. Das war sehr schade.

Christian Fennesz: Ich bekam den Hype um Kruder & Dorfmeister von Anfang an mit. Über diesen Hype bekam Wien plötzlich einen internationalen Stellenwert, das hat auch mir sehr geholfen. Richtig kennengelernt habe ich die beiden aber nie. 1997 waren wir am Sónar-Festival in Barcelona. Wir wohnten sogar im gleichen Hotel. Ich weiß noch, wie ich in den Lift eingestiegen bin, und da stehen Kruder & Dorfmeister. Alle drei haben wir Sonnenbrillen getragen, cool geschaut und kein Wort gesagt. Das war so deppert! Aber in den Neunzigern war man schon sehr cool.

Peter Kruder: Es gab nicht nur uns, es gab Cheap, Mego, wir waren auch bei den Cheaps ständig im Studio, man kannte sich, man wusste auch, was jeder macht. Die Universen waren aufgeteilt, aber der Umgang war immer offen und respektvoll.

Fritz Ostermayer: Als die The K&D Sessions™ von Kruder & Dorfmeister rauskam, ging uns das am Arsch vorbei wie nur was. Da waren wir viel zu radikal, als dass wir das hätten durchgehen lassen. Das war Portishead für die Ärmsten, Anbiederungen an schmierige Klischees. Der reine Gral muss verräudet und verdreckt sein, sonst gehört man den Designern, Nobelfriseuren und Rechtsanwälten. Das war Soul-Seduction-Musik und das störte mich auch an Werner Geier: In seiner großherzigen Erweiterung hatte er überhaupt kein Problem damit, dieses neureiche Gesindel halt auch zu bedienen. Das war Aufrissmusik schlechthin. Zu der kannst du flirten, pudern, alles. Ich habe das abgelehnt.

Alexander Hirschenhauser: Für mich war das eine unheimlich spannende Zeit. Da gab es fast jeden Morgen eine Überraschung, wenn man ins Büro kam. Faxe aus aller Welt mit Bestellungen, Kooperationsangeboten und Presseanfragen. Britische Magazine wie The Face schrieben, sie würden gerne mit Fotografen und einem Kamerateam kommen, um eine Reportage über die Szene in Wien zu machen. Man schaute immer, dass die an einem Montag kamen, um ihnen den Dub Club zeigen zu können. Und ihnen die wichtigsten Projekte der Szene vorzustellen: Kruder & Dorfmeister, Pulsinger & Tunakan, Uptight Records und die Sofa Surfers.

Samir Köck: Ich fand das befremdlich. Diese Wiener Elektronik war einfach Musik für Leute, die sich nicht für Musik interessieren. Das war eine Klangtapete, Hintergrundmusik. Musik, von der man als Hörer nichts will. Ich verlange von Kunst, dass sie in mir etwas verändert, und nicht, dass sie mich einschläfert. Die Wiener Elektronik war mir zu blass.