Rodney Hunter: Viele der Remix-Aufträge, die Peter und Richard damals erhielten, waren ja auch Umwerbungsversuche von Plattenfirmen. Die beiden sollten sich denken, das Label ist leiwand (österreichischregional für sehr gut, Anm. d. Red.), vielleicht sollten wir bei denen unterschreiben. Das war wie bei der Mafia, wo man ein Kuvert zugesteckt bekommt. Die A&R-Typen von den Plattenfirmen sagten: „Schaut’s her, Depeche Mode. Wollt’s remixen? Was meint’s?“ Peter und Richard machten die Remixes natürlich und ließen sich gut dafür bezahlen. Aber wenn der gleiche Typ ihnen später einen langfristigen Plattenvertrag anbot, meinten sie nur: „Nein, danke.“

Peter Kruder: Ende 1995 waren wir zuerst auf Amerika-Tour, danach kurz in Japan. Den letzten Gig des Jahres spielten wir in Brüssel. Wir saßen total ausgelaugt auf der Backstage-Couch. Auf einmal fliegt die Tür auf, ein sturzbetrunkener Typ wankt rein und fällt vor uns auf die Knie: „Jungs, wir müssen eine Platte machen.“ Wir waren beide so: „Was ist das denn jetzt?“ In den folgenden Monaten wurde Richard von diesem Typen mit Anrufen gequält. Er sei von !K7 Records, sagte er. Wir sollten nach Berlin kommen und eine Mix-Compilation für die machen. Irgendwann gaben wir nach. Aber ich erinnere mich, im Flugzeug sagte ich noch zu Richard: „Eigentlich wollen wir das eh nicht machen, oder?“ !K7 machte zu diesem Zeitpunkt Techno-Compilations mit grauslichen Covers. Wir trafen die Typen dann in einer Pizzeria in Berlin und stellten gleich zu Beginn klar: „Wir finden das scheiße. Eure Covers, eure Mixe. Wir wollen das ganz anders machen.“ Die saßen uns gegenüber mit großen Fragezeichen im Gesicht. Dann stand die ganze Partie auf und verschwand geschlossen in der Toilette. Wir saßen da dann eine Zeit lang alleine mit dem Frascati. Dann kamen sie zurück. Mit einem Lächeln, und sagten: „Super, das machen wir.“ Als es ums Geschäftliche ging, meinten sie: „Die letzte DJ-Kicks war von Carl Craig, 15.000 Stück haben wir von der verkauft. Aber das ist eben Carl Craig.“ 15.000 Stück schien irre viel. Ich sagte dann: „Gut, schau ma’ mal.“

kruderdorf

Samir Köck: Mit ihrer Mix-CD erwischten Kruder & Dorfmeister genau den richtigen Zeitpunkt. Unfassbar, wie wenig für diesen Erfolg reichte. Diese Compilation gilt ja als deren Album. Dabei hatten sie da einfach ein paar kleine Effekte zu fremden Nummern dazugezwirbelt. Bei denen waren nicht die großen Ideen zu Hause. Das ist, als ob jemand ein Bild malen würde und ein anderer macht dann noch drei Farbklekse drauf und sagt: „Das ist jetzt meines!“ Mit dieser Mentalität konnte ich nie etwas anfangen. Auch diese ganzen Raubzüge: sich fremder Musik zu bedienen und den eigenen Namen drunterzuschreiben.

Peter Kruder: Wir spielten in München bei einer Compost-Party in der Muffathalle, das war rappelvoll. Danach hatten wir ein Interview und der Journalist sagte: „Ich verstehe den Hype nicht, ihr habt’s doch nichts selber gemacht außer dieser ersten EP.“ Mir ist diese Aussage irrsinnig auf den Sack gegangen, weil wir zu diesem Zeitpunkt vierzig Remixe draußen hatten, die um die Welt gegangen sind. Auf der Fahrt zurück nach Wien entschlossen wir uns dann, die ganzen letzten vier Jahre noch einmal auf eine Compilation zu packen, damit die Leute checken, was wir gemacht haben. Daraus entstand The K&D Sessions™. Unsere DJ-Kicks hatte sich zu diesem Zeitpunkt ungefähr 60.000 Mal verkauft. Von der „Sessions“ erwartete man sich noch ein bisschen mehr, aber keinesfalls den Wahnsinn, der damit losging.