Die Familie von Steffi, bürgerlich Steffie Doms, war nicht ganz so musikalisch. Auch wenn das ihre Mutter immer wieder niedergeschmettert moniert, wenn es die Tochter in Interviews anspricht. Denn auch Steffi bekam als Kind in der Nähe von Eindhoven Klavierunterricht. Bei einer Nonne, die von Pop und Dancemusik indes keinen Schimmer hatte und so nur wenig zur Übungsmotivation der jungen Steffi beitragen konnte. „Ich ärgere mich noch immer, dass ich so wenig geübt und irgendwann hingeschmissen habe“, trauert sie dem verschenkten Potenzial hinterher. Mitte der Neunziger fing sie mit dem Auflegen an. Es wurden fleißig Platten gekauft. Man hing mit der Posse ab, hörte jeden Abend gemeinsam Vinyl. Aber es handelte sich nicht nur um Techno oder House: „In Eindhoven gab es eine vielschichtige Szene. Es gab Abende, da lief gar keine gerade Bassdrum. Dafür Breakbeat, Electro, IDM, so gut wie jeder Warp-Act kam hier vorbei und hat gespielt.“

Diese Sozialisation hat Steffi bis heute geprägt. Damals waren Szenen noch viel lokaler und diverser strukturiert. In Rotterdam boomte derzeit zum Beispiel die Harcore-Gabber-Szene, in Amsterdam waren die meisten Locations auf klassischen Clubtechno gepolt. Die Liebe zu Electro und IDM ist in Steffis aktuellen Produktionen aber noch immer zu hören. Als sie später nach Amsterdam zog, hing sie im Plattenladen Rush Hour ab. Sie bekam eine Residency im Club Mazzo und erarbeitete sich dort mit Weggefährtinnen wie Shinedoe und Estroe erstes internationales Renommee. Mit Remy Verheijen (Dexter) startete sie 2000 das Label Klakson, aus dem auch zehn Jahre später das Sublabel Dolly entstanden ist.
„Holland ist klein. Wenn man gemeinsame Interessen hat, ist man schnell miteinander connected“, beschreibt sie die niederländischen Netzwerke.

Berlin kannte Steffi bis dahin nur von einem Teenager-Ausflug aus dem Jahr 1990. Als gerade die Mauer gefallen war und sich nur in ersten Zügen andeutete, was später mit Loveparade, E-Werk und Tresor das massivste popkulturelle Erbe der Stadt werden sollte. „nd_Baumecker habe ich Anfang der Nullerjahre über das Label Klakson kennengelernt. Wir haben später zusammen im Robert Johnson gespielt und stellten fest, dass wir eine Passion für verrückte und abgefahrene Musik teilen. Irgendwann meinte er, er würde nach Berlin ziehen, weil er eine Residency in einem neuen Club anfangen würde. Im November 2005 wurde ich dann das erste Mal in die Panorama Bar eingeladen. Los Hermanos haben gespielt und ich fragte mich nur: ‚Wo bin ich hier gelandet?‘ Ich kannte die Szene nicht, den großen Hype gab es auch noch nicht. Ich erinnere mich gut, wie ich am Vortag in den Plattenladen gegangen bin und erwähnte, ich würde in der Panorama Bar spielen. Die Jungs sind fast vom Hocker gefallen und blafften nur: Wieso das denn?!“

Steffi spielte für damalige Minimaldominanz-Verhältnisse einen bunten, fast eklektischen Mix. Disco, Chicago, Oldschool, Autechre – Sounds, die im damaligen Tikitaka- Einheitsbrei schon als eindeutige Grenzüberschreitung gewertet wurden. Den Verantwortlichen der Panorama Bar schien aber gerade das gefallen zu haben. Steffi wurde daraufhin alle drei Monate eingeladen, später monatlich. „Ich hatte mit Amsterdam abgeschlossen. Es herrschte nur noch tote Hose. Ich wollte dann für ein Jahr nach Berlin und schauen, wie es weitergeht. Ich dachte: Vielleicht hat diese Stadt doch eine Mission für mich. Jetzt bin ich immer noch hier.“