Das Humboldthain in Berlin-Wedding ist einem möglichen Bauskandal auf der Spur. Hintergrund ist ein Hotelbau, der den Clubbetrieb bedroht. In diesem Zusammenhang stießen die Betreiber auf einen Vorgang im Bauamt des Bezirks Mitte, bei der Luxemburger Investor GLD Projekt 2 Sàrl durch einen Flächentausch begünstigt worden sein soll.
Es geht um das Nachbargrundstück, das direkt an den Club angrenzt. Der Investor trat als Grundstückseigentümer bereits 2021 einen 191 Quadratmeter großen Teil seines Baugrundstücks an die Stadt ab und erhielt im Gegenzug eine gleich große Fläche an anderer Stelle neben dem Bauprojekt. Der Tausch soll den Wert des Grundstücks um rund 1,2 Millionen Euro erhöht haben. Nach Akten des Bauamts soll der Investor dafür keine zusätzliche Zahlung geleistet haben.

Ein von den Betreiber:innen des Clubs in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass „der Tausch zu einer erheblichen wirtschaftlichen und wertmäßigen Aufwertung des Baugrundstücks geführt hat. Der hieraus resultierende Wertzuwachs ist mit mindestens 1.200.000 Euro anzusetzen”.
„Der wirtschaftliche Vorteil des neu zugeschnittenen Baugrundstücks liegt damit nicht in einem bloßen Flächentausch, sondern in einer deutlich besseren baulichen und wirtschaftlichen Verwertbarkeit des Gesamtgrundstücks”, lautet die Begründung in dem Gutachten. Insofern erscheint der Flächentausch als unzulässige Begünstigung zulasten des Bezirkshaushalts. Das Grünflächenamt habe bestätigt, dass für den Tausch keine Gelder geflossen seien. Abgesegnet hat den Tausch die Bezirksabgeordnete Sabine Weißler (Grüne), die bereits verrentet ist.
Bereits 2023 bestätigte die damalige Bezirksstadträtin Dr. Almuth Neumann gegenüber dem Humboldthain Club den Tausch der beiden Flächen, erklärt aber auch, dass der Betrieb des Clubs durch die potenzielle Bebauung des Grundstücks nicht in Gefahr sei. Die Verantwortlichen des Humboldthain zweifeln daran.
„Das Baugrundstück hat jetzt eine viel größere Fläche zur Straße und ist begradigt. Ein Hotelbau mit 120 Zimmern wie angestrebt ist somit möglich und wird zur Gefahr für den Humboldthain Club”, heißt es in der Mitteilung des Humboldthain. Misstrauen erregt ebenfalls die Weigerung des Bauamts, Auskunft über die geplante Bebauung zu geben.
Im Zuge des anstehenden Hotelbaus hatte die BVV bereits Mitte März einstimmig einen Beschluss zum Schutz des Clubs Humboldthain gefasst. Bauprojekte in der Umgebung sollen künftig darauf geprüft werden, ob sie den Kulturbetrieb gefährden könnten.

Allerdings ist unklar, ob der Hotelbau dadurch aufgehalten werden kann: Das Bauamt ließ sich durch den Beschluss nicht stoppen. Die Behörde will den Bauherren lediglich eine Beauflagung erteilen – wie diese allerdings lautet, will sie nicht verraten.
Ein von der CDU in der BVV (Bezirksverordnetenversammlung) des zuständigen Bezirks Mitte zur dringlichen Aufklärung des Sachverhalts gestellter Antrag scheiterte knapp durch fehlende Stimmen aus der SPD.
Beim Antrag im März hatten die 42 Bezirksverordneten sämtlicher vertretenen Parteien für den Schutz des Clubs gestimmt. Bei der letzten BVV stimmten 35 für die Aufklärung des Sachverhalts, sechs dagegen. Dieses Ergebnis reichte nicht aus – es wären zwei Drittel der 55 Verordneten nötig – also 37. „Ein weiterer Hinweis, dass hier etwas vertuscht werden soll”, heißt es vom Club gegenüber GROOVE.







