Der Unterhaltungsgigant Live Nation Entertainment und seine Ticketing-Tochter Ticketmaster haben ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht, um den Wettbewerb bei großen Veranstaltungsorten systematisch zu unterdrücken. Das hat ein US-Bundesgericht in New York entschieden. Das Urteil fiel nach einem mehrwöchigen Verfahren und erhöht den Druck auf den Konzern massiv. Im Raum stehen nun Strafzahlungen in Milliardenhöhe und strukturelle Eingriffe.
Ausgangspunkt war eine Klage von über 30 US-Bundesstaaten, die Live Nation vorwarfen, seine Kontrolle über große Venues genutzt zu haben, um Veranstalter:innen und Künstler:innen an Ticketmaster zu binden und Konkurrenz systematisch auszuschließen. Jeffrey Kessler, der Anwalt der Bundesstaaten, bezeichnete Live Nation in seinem Schlussplädoyer als „monopolistischen Tyrannen”, der Preise künstlich in die Höhe treibe und Veranstaltungsorte unter Druck setze. Die Jury stellte fest, dass Ticketmaster im Schnitt um 1,72 Dollar (0,85 Euro) zu viel für Tickets verlangt hat – eine Summe, die sich bei dem enormen Verkaufsvolumen des Anbieters auf Hunderte Millionen US-Dollar Schadenersatz belaufen könnte.
Im Prozess wurden auch interne Kommunikationsstrukturen sichtbar, die laut Klägerseite gezielt auf die Absicherung dieser Marktmacht ausgerichtet waren. Breite Öffentlichkeit bekam der Fall durch das Ticket-Chaos rund um Taylor Swifts „Eras Tour” im Jahr 2022, bei dem Serverausfälle, Bots und explodierende Wiederverkaufspreise die strukturellen Probleme des Ticketmarkts offenlegten.
Die Anschuldigungen reichen allerdings zurück bis zur Fusion von Live Nation und Ticketmaster im Jahr 2010. Seitdem kontrolliert der Konzern große Teile der Live-Wertschöpfungskette – von der Tour-Promotion über den Venue-Betrieb bis hin zum Ticketverkauf. Kritiker sprechen seit Jahren von einem vertikal integrierten System, das Wettbewerb effektiv verhindert und Ticketmaster in eine Gatekeeper-Position gebracht hat – mit Marktanteilen von teils über 80 Prozent im Ticketinggeschäft.
Zuletzt hatte sich Live Nation bereits mit dem United States Department of Justice geeinigt: Der Konzern sollte unter anderem 200 Millionen Dollar zahlen und Exklusivpraktiken zurückfahren. Viele Bundesstaaten hielten den Deal jedoch für unzureichend und führten den Prozess weiter. Gleichzeitig geriet das Unternehmen zuletzt zusätzlich unter Druck, nachdem geleakte interne Chats von Ticketing-Mitarbeitern öffentlich wurden, in denen diese sich über hohe Zusatzgebühren und die Ausnutzung von Fans belustigten und damit die Kritik an der Preispraxis des Konzerns weiter befeuerten.







