Manuel Göttsching: Kosmische-Vordenker verstorben

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Heute morgen wurde bekannt, dass Manuel Göttsching am 4. Dezember in Berlin verstorben ist. Der Multi-Instrumentalist, der besonders durch sein Gitarrenspiel hervorstach, war mehr als 50 Jahre lang Hauptmitglied der Band Ash Ra Tempel. Göttsching war einer der Hauptprotagonisten der Kosmischen Musik und der sogenannten Berliner Schule der elektronischen Musik. Besonders durch sein Album E2-E4 von 1985 gilt er als Wegbereiter von Ambient, Cosmic Disco und Minimal House und -Techno. 

Manuel Göttsching wurde am 9. September 1952 in Berlin geboren. Schon im Alter von acht Jahren bekam er Gitarrenunterricht. Mit 15 gründete er mit Schulfreund Hartmut Enke seine erste Band. 1968 traf er den Schweizer Avantgarde-Komponisten Thomas Kessler im Electronic Beat Studio in der Pfalzburger Straße in Berlin-Wilmersdorf. Dieser Ort prägte die sogenannte Berliner Schule der elektronischen Musik, die sich von der Düsseldorfer Szene absetzte. Auch Bands wie Tangerine Dream oder Musiker wie Michael Hoenig waren dort tätig.

1970 gründete Göttsching mit Hartmut Enke und Klaus Schulze die Band Ash Ra Tempel. Das gleichnamige Debütalbum wurde mit Hilfe von Krautrock-Ikone Conny Plank in Hamburg aufgenommen und 1971 veröffentlicht. Schulze verlies wenig später die Band. Das zweite Ash-Ra-Tempel-Album, Schwingungen, entstand 1972 mit Manuel Göttsching, Hartmut Enke und diversen Gästen. Am Nachfolger Seven Up war auch Drogenforscher Timothy Leary beteiligt. 

Manuel Göttsching in den 1970er Jahren (Foto: Presse)
Manuel Göttsching in den 1970er Jahren (Foto: Presse)

Durch ein Konzert im Theatre de l’Ouest Parisien wurde die Band 1973 auch international bekannt. Im selben Jahr verlies allerdings Gründungsmitglied Hartmut Enke die Band. Göttsching nutzte den Bandnamen von da an ebenso für Soloproduktionen und unterschiedliche Kollaborationen. 1975 richtete er sein Roma-Studio in Berlin ein. Im selben Jahr tourte Göttsching mit Lutz Ulbrich durch England und Frankreich. Aufnahmen dieser Konzerte wurden von Filmemacher Philippe Garrel als Soundtrack seines Films Le Berceau de Cristal genutzt.

Das Album New Age of Earth von 1977 erschien als Göttschings erstes auf einem Major-Label. Virgin verkürzte den Bandnamen auf Ashra. 1978 begann seine Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Claudia Skoda, deren Band Die Dominas Göttsching auch produzierte.

Am 12. Dezember 1981 nahm Göttsching in einer einzigen Session das Album E2-E4 auf, das erst 1984 unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlicht wurde. E2-E4 machte ihn in der Clubszene der 1980er Jahre bekannt. Garage-House-Vordenker Larry Levan spielte das 59-minütige Album in seinen Sets vollständig, 1989 wurde ein von italienischen Italo-House-Producern unter dem Alias und Titel „Sueño Latino” veröffentlichter Remix des Stücks zu einem Welthit.

Auch die Minimal- und Balearic-Künstler:innen der Clubmusik der 1990er und 2000er wurden von dem Album beeinflusst, Prins Thomas etwa benannte eine Platte nach Manuel Göttsching, LCD Soundsystem zitierten ihn auf ihrem Album 45:33.

Eine letzte Reunion von Ash Ra Tempel fand im Jahr 2000 statt. Da Hartmut Enke nicht teilnehmen wollte – er hatte 1973 seine Musikerkarriere beendet – standen allein Manuel Göttsching und Klaus Schulze auf der Bühne der Royal Festival Hall in London. Unter dem Namen Ash Ra Tempel Experience spielte Göttsching ab 2015 Konzerte mit so verschiedenen Musikern wie Oren Ambarchi, Shags Chamberlain und Ariel Pink. Als letztes Album erschien 2020 ein Mitschnitt des letzten, Hartmut Enke gewidmeten Ash-Ra-Tempel-Konzerts von 2000 unter dem Titel Gin Rosé.

https://www.youtube.com/watch?v=ys0HyevZpQg

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