SOUNDIT 2026 in Barcelona: Im Zickzack-Schatten der Kiefernbäume sitzen und träumen

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Das SOUNDIT in Barcelona findet in diesem Jahr erst zum zweiten Mal als Festival statt. Dabei baut die Veranstaltung auf einer Open-Air-Reihe auf, die die elektronische Musikszene der Stadt seit Jahren mitprägt.

Dieser Zusammenhang spiegelt sich auch im Line-up wider: Statt einer stilistischen Doktrin setzt das Booking auf eine selbstverständliche Koexistenz von Techno, House, Dubstep, Bass Music und experimentellen Spielarten elektronischer Musik. So treffen Headliner wie Nina Kraviz oder DVS1 auf lokale Artists, ohne dass die Dramaturgie des Programms aus dem Gleichgewicht gerät. Und dennoch mischten sich zwischen die ambitionierten Klangwelten immer wieder auch kleine Partyurlaub-Flashbacks.

Es ist kurz nach zehn am Samstagabend im Parc Nou. Die letzten Nachwirkungen der brütenden spanischen Hitze sind nach wie vor präsent: Menschen stehen an den Trinkwasserbrunnen, trinken hastig oder überschütten ihre Körper, wodurch sich kaum noch sagen lässt, ob es Wasser oder Schweiß ist, der auf ihrer Haut glitzert. Die Luft erscheint wie ein dichter, heißer Block glühender Watte, der alle Bewegungsabläufe aufs Allernötigste runterfährt. Unter den Fußsohlen knarzen und knirschen die vertrockneten Überbleibsel von Nadellaub und versengtem Gras. Doch während die Glut noch in den letzten Winkeln des Geländes hängt, formt sich aus Stimmen, Bassfetzen und ersten musikalischen Fragmenten langsam die Atmosphäre der Nacht.

Mala legt auf der Eco-Stage des SOUNDIT Festivals auf.
Mala auf der Laberint-Stage (Foto: SOUNDIT Presse)

Das Set von Dubstep-Originator Mala befindet sich noch in den Anfangsminuten. Ein halbakustisches Spoken-Word-Stück durchdringt den Eco-Floor und vermischt sich mit dem allgemeinen Stimmengewirr aus erwartungsfreudigen Zurufen und befeuernden Pfiffen, den aus der Ferne herüberwehenden Tech-House-Fetzen von John Talabot sowie den Menschenströmen, dieser grauen Masse, die nach jedem Set eifrig zwischen den Floors hin- und her wuselt. Doch dann zerschneidet die plötzlich einsetzende, gleichmäßig und scharf tickende Hi-Hat von Kahns „Abattoir” die beschaulich-angespannte Ruhe. Es folgen anschwellende, eindringliche Brass-Stabs und tief verzerrte, urzeitliche Vocal-Fetzen: „Dem a shut down this place”, die wabernde spanische Sommernacht untersetzt ein düsterer Dread-Vibe.

Schön der Reihe nach

Schon beim Überqueren der Passagierbrücke des überbuchten Vueling-Fliegers einen Tag zuvor schlägt die drückende spanische Hochsommerhitze entgegen und verwandelt die hektische Berliner Großstadtmotorik in vegetative Stop-Motion. Es ist Mitte Juli, die iberische Sonne steht im Zenit. Für gewöhnlich verbringt man diese Tageszeit entweder am Strand oder in klimatisierten Innenräumen, sodass man mitunter den Eindruck gewinnt, sich zwangsläufig zwischen finnischer Sauna und Kühlschrankinterieur entscheiden zu müssen. Das bedeutet aber auch: Patatas bravas auf die Eins. Und natürlich: Kaffee auf Spanisch bestellen, powered by einem dreiwöchigen Duolingo-Streak. Nur, was heißt nochmal Hafer? Ave-Avi, ach, iwo.

Jedenfalls sind in Barcelona zu dieser Tageszeit fast ausschließlich die unermüdlichen, bummeltüchtigen oder lebensmüden mittel- und nordeuropäischen Tourist:innen mit rötlichem Teint unterwegs. Die gigantischen steinernen und von der Sonne überfluteten Plätze wirken derweil wie leergefegt. Und am Wegesrand häufen sich vertrocknete, angesengte Kakteen und die Überreste einer Schlangenhäutung. Vereinzelt flitzen Eidechsen umher, sodass man aufpassen muss, dass sie einem nicht unter die Schuhe geraten.

Die jerüberwehenden Tech-House-Fetzen von John Talabot beim SOUNDIT Festival.
Herüberwehen die Tech-House-Fetzen von John Talabot (Foto: SOUNDIT)

Nahe des Stadtgartens steht ein Reich verziertes Jugendstil-Treibhaus, in dem sich meterhohe Palmen an das gläserne Dach drücken. Drumherum: das Gezwitscher grüner Kanarienvögel, die sich im Tausch gegen eine Handvoll Trockenfutter auf den Schultern bleichgesichtiger Urlauber:innen niederlassen. Am Strand herrscht ein dichtes Aneinander ledriger Leiber. Zwischen den Menschenmassen tänzeln Caipirinha-Verkäufer mit Basecaps und herausragenden Tüchern, die den Nacken bedecken, umher – und andere, die Repliken von Lamine-Yamal-Trikots und Prada-Sonnenbrillen verkaufen. Wer keine Hornhaut an den Füßen hat, darf niemals aus den Latschen schlüpfen, denn der Boden ist Lava. Also lieber im Schatten des Rettungsschwimmer:innen-Häuschens ausharren, nur um kurz darauf wieder fortgeschickt zu werden. Na ja, zum Glück ist Barcelona mehr als Strand, Palmen und Pauschaltourismus. Hinter der touristischen Kulisse existiert eine vitale Clubkultur, die seit Jahren zu den spannendsten Europas zählt. Das SOUNDIT ist einer ihrer sichtbarsten Ausdrucksorte.

Substanziell und wohldurchdacht

Die Köpfe hinter SOUNDIT, dessen Kernteam mehrheitlich aus Frauen besteht, gehören seit Jahren zur Musikszene Barcelonas. Im Mittelpunkt stehen regelmäßig stattfindende Open-Air-Veranstaltungen für elektronische Musik, die insbesondere auf der zentral gelegenen Plaza Monumental, einer ehemaligen Stierkampfarena, stattfinden. Das Festival selbst wird zum zweiten Mal im Parc Nou im Süden Barcelonas ausgetragen, rund 15 Metro-Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Der Park liegt in der Nähe eines Industriegebiets und unweit des Flughafens El Prat. Bevor das SOUNDIT den Ort als Festivalgelände erschloss, war der Parc Nou nie Austragungsort einer Veranstaltung dieser Größenordnung.

Viele Menschen beim SOUNDIT Festival in Barcelona vor einer Bühne.
Platz für knackigen Tech-House, Bass-Music-Experimente, nischige B2Bs und Akteur:innen der lokalen Szene: Gibt’s beim SOUNDIT in Barcelona (Foto: SOUNDIT)

Nach der letztjährigen Pilot-Ausgabe, die unter anderem Jeff Mills, Chez Damier und Moritz von Oswald an die urbanen Ausläufer der Gaudí-Stadt gespült hat, ist das diesjährige Line-up sowohl in der Spitze aufsehenerregend als auch in den kuratorischen Details substanziell und wohldurchdacht. Neben großen internationalen Acts und Mainstage-Veteran:innen wie Nina Kraviz, Helena Hauff und 2manydjs findet sich auf den anderen vier Stages sowohl Platz für knackigen Tech-House, Bass-Music-Experimente, nischige B2Bs und Akteur:innen der lokalen Szene. „Barcelona ist eine Stadt, in der sich in der elektronischen Musik momentan etwas formt. Es ist wirklich spannend, dabei zu sein”, erzählt mir Gregori Menendez, der seit diesem Jahr beim Festival mitwirkt und seit Jahren eng mit der lokalen Szene verbunden ist. 

Zwei Besucher:innen des SOUNDIT Festival 2026 von hinten.
Die Hauptbühne (Foto: SOUNDIT)

Am späten Nachmittag performen Piezo und upsammy live auf der Eco-Stage. Der in Mailand lebende Piezo sorgt dabei für das rhythmische Fundament zwischen Downtempo und UK Bass, während upsammy für unheimliche Melodien und organisches Synthesizer-Gemurmel zuständig ist. Ihr Set, das sich mühelos und elegant darauf versteht, zwischen Halftime und schnellen, technoiden Rhythmen zu wechseln, lebt im musiksymbiotischen Einklang mit Umgebung und Tageszeit. Es wird getanzt, mit verschlossenen Augen geschunkelt und in den Zickzack-Schatten der Kiefernbäume gesessen, gelegen und geträumt.

Zwischen den Bühnen muss man kaum mehr als drei Fußminuten zurücklegen (Foto: SOUNDIT)

Das Festivalgelände des SOUNDIT verfügt über eine überschaubare Größe, und die Entfernung zwischen den Bühnen beträgt kaum mehr als drei Fußminuten – oder eine halbe mit dem praktischen Golfcaddy, sodass es sich auch bei Nacht problemlos zurechtfinden lässt. Zudem sind die einzelnen Stagebereiche schön in die umliegenden Nadelholzwinkel eingeschmeichelt, dass man, sobald angekommen, sich komplett im Sound und Spirit des Areals verlieren kann.

Sixpacks sammeln sich neben Amen-Breaks

Zur anbrechenden Dämmerung gibt es auf der Laberint-Stage, die an diesem Festival-Freitag das Münchner Label Ilian Tape bespielt, ein Set von Forest Drive West und Mantra zu hören. Ihre musikalische Reise beginnt bei schleppend-stampfenden Dub- und Stepper-Beats, wie dem dmz-Klassiker „Ancient Memories” von Mala, mit ordentlich Downbeat-Kick-Resonanz und Tieffrequent-Volumen, das als seismisches Vibrato schon von außerhalb der Stage entgegenwummert. Mit fortschreitender Tageszeit und schrittweiser horizontaler Verdunkelung wird der Sound zunehmend ekstatischer und temporeicher. Brachiale Amen-Breaks, exzentrische Percussion-Spielereien und flotte Jungle-Rhythmen sorgen für ein ausgelassenes Finale ihres zweistündigen Slots.

Ein Stimmungs-Shot beim SOUNDIT Festival 2026 in Barcelona.
Die Sonne verschwindet, das SOUNDIT macht weiter (Foto: SOUNDIT)

Inzwischen sind jedoch auch die letzten schimmernden Überbleibsel der Sonne hinter dem Horizont verschwunden und einer tiefschwarzen, sternenklaren Nacht gewichen, und hin und wieder weht sogar eine frische Brise von den unablässig geschwungenen, in diesen Tagen unverzichtbaren Fächern und Taschenventilatoren herüber.

Während im Laberint-Kosmos eher Nerds und Szene-Enthusiast:innen anzutreffen sind, könnte das Publikum auf der El-Lipse-Stage, die wie ein zentraler Dorfplatz gelegen ist und als Hauptbühne auch Hauptbezugsort für vereinfachte Tanzbarkeit und elektronische Zugänglichkeit steht, kaum anders sein. Man hört Yap-Kultur, sieht Wasserpistolen-Schlachten, karnevalistische Kommunikationsmuster und eine ähnlich hohe Sixpack-Dichte wie am Playa de la Barceloneta. Zu den zügigen Techno-Kurven von Nina Kraviz wird sich hier einheitlich und rhythmuskonform bewegt, wodurch man den Eindruck gewinnt, sich inmitten eines beschaulichen Kleinstadt-Open-Airs wiedergefunden zu haben.

Schönheit schläft

Immer wenn die unterschiedlichen Crowds aufeinandertreffen, wirkt der Vibe zwischen Gruppen sich lautstarker Party-Animals und Tanzsolist:innen, die sich mit ihren maßgeschneiderten Earplugs in der Musik verlieren möchten, etwas asynchron. Und bei Besucher:innen, die sich unwissentlich auf die Eco-Stage verirren, wo für gewöhnlich rhythmisch und melodisch experimentiert wird, sorgt die ungewohnte Klangsprache mitunter für verwunderte Gesichter, schnelle Kapitulation und die anschließende Umkehr. Allerdings versteht sich das SOUNDIT als Bezugsort für die gesamte Barceloner Clubszene und nicht nur für eine bestimmte Nische – ein Anspruch, der durch das vielseitige Top-to-Bottom-Booking überzeugend eingelöst wird.

Ambitioniert konstruiert: Die Laberint-Stage (Foto: SOUNDIT)

Manchmal funktioniert die Durchmischung deshalb überragend gut, beim Set von Kode9 und Tim Reaper zum Beispiel, deren rasanter Footwork und Juke-Duktus in unnachgiebiger Miami-Bass-Optik mit den obligatorisch prolligen Vocal-Samples auch bei einem Publikum Anklang findet, das sonst eher mit Hardgroove oder schnellen Techno- und House-Varianten abzappelt. Hier gibt es vieles aus dem Future-Retro-Backkatalog zu hören, also rhythmische Durchmischungen von Breaks, Four-To-The-Floor und Half-Time, sowie gnadenlos hochgepitchte und dadurch ästhetisch überspitzte Varianten von Songs wie Headlands „Young Blood”.

Am späten Nachmittag vor der Halo-Stage bemüht man sich um schattige Plätzchen (Foto: SOUNDIT)

Am folgenden Festivalsamstag sind die Temperaturen glücklicherweise leicht rückläufig, was insbesondere der eigenen Tanzmotorik, aber auch der Schlangenlänge vor den ununterbrochen laufenden Trinkwasserhähnen zugutekommt. Die Stimmung ist ähnlich gut wie am Vortag, aber etwas entschleunigter. Trotz des etwa zwölfstündigen Schönheitsschlafs merkt man, dass das Festival mitten im Gange ist und sich das Publikum, ohne die obligatorischen Spuren der Zerfeierung und des umnachteten Verfalls eines durchgängigen Festivals, in der temporären Bleibe im Parc Nou eingelebt hat. Ähnlich wie am Vortag sind auch heute knapp 8000 Besucher:innen unterwegs.

Mainstage? Neu angepinselt!

Mit der diesjährigen Festivalausgabe wurde das SOUNDIT auch um die RESSÒ-Stage bereichert, die den Sitzsack-Charme einer Mini-Kommune versprüht. Während des Wochenendes bietet sie lokalen Musiker:innen sowohl Platz für musikalische Experimente, Noise-Gezirpe und ethnische Bass Music, dient aber auch als Ort für Diskussionen und Roundtables mit Akteur:innen der hiesigen und internationalen Musikszene. Hier im abgeschiedenen Teil des Geländes, zwischen den sanft pulsierenden Tieffrequenzen des DIY-Soundsystems, dem mit Decken ausgelegten Boden und schattenspendenden Bäumen, lässt es sich ein gutes Stück verweilen, bevor es wieder zurück auf einen der Floors geht.

Honey Dijon spielt ihr Set zur absoluten Primetime auf dem prallgefüllten Mainfloor.
Honey Dijon spielt ihr Set zur absoluten Primetime auf dem prall gefüllten Mainfloor (Foto: SOUNDIT)

Während das Line-up am Freitag ziemlich techno- und breakbeat-codiert war, zeigt sich das SOUNDIT am Samstag von seiner housigen und dynamischen Seite. Mit Acts wie Jump Source, dem gemeinsamen Projekt von Patrick Holland und Priori, die den popaffinen und lebhaften Sound ihrer jüngsten Platte mitbringen, sowie Honey Dijon, die mit ihrem voluminösen, souligen Chicago House den Staub von den unterversorgten Geradeaus-Tanz-Hüften schüttelt, bekommt die Mainstage am Festivalsamstag einen musikalischen Neuanstrich.

Variantenreicher, idiosynkratischer Latin-Bass-Sound? Gibt’s von TraTraTrax (Foto: SOUNDIT Presse)

Das passende Takeover kommt am Festival-Samstag vom kolumbianischen Label TraTraTrax, das seinen variantenreichen, idiosynkratischen Latin-Bass-Sound auf die rot lackierten Speaker der Laberint-Stage bringt. Artists wie der südafrikanische DJ Lag, der sich mit animierenden Mic-Ansagen im Animator-Style auf seinem ohnehin schon scheppernden, afro-inspirierten Hardgroove noch ein Sternchen extra auf der tanzmusikalischen Abrissbirnen-Skala verdient, oder die kolumbianische Künstlerin Bitter Babe, die einen trippigen Mix aus Dembow und Raptor-House spielt, heizen dem divers aufgestellten Publikum ordentlich ein. Die rhythmische Kurzlebigkeit, die erhöhte Drop-Dichte, aber auch die soundästhetische Reizüberflutung sorgen sowohl für unvermeidliche, euphorische Peaks als auch eine angeregte Fluktuation auf dem Dancefloor.

Legenden unter sích: Dubstep-Wegbereiter Mala übergibt die Decks an die Detroit-Ikone DVS1
Legenden unter sích: Dubstep-Wegbereiter Mala übergibt die Decks an die Techno-Ikone DVS1 (Foto: SOUNDIT)

Die gewisse musikalische Klarheit und Stringenz lassen sich derweil auf der hell erleuchteten und prall gefüllten Halo-Stage finden, wo B12 den zweiteiligen IDM-Klassiker Electro Soma als Live-Set interpretieren. Die beiden Musiker Mike Golding und Steve Rutter erschaffen auf Grundlage der beiden Veröffentlichungen von 1993 und 2017 ein dynamisches Epos zwischen Techno- und Electro-Grooves, retrofuturistischem Sounddesign, schroffer, industrieller Härte und klanglicher Opulenz.

Holperdiepolter der Pfeife entlang

Einen ähnlichen Sound greift wenig später auch DVS1 in seinem Set auf der Eco-Stage auf. Kurz nachdem Mala sein knapp zweistündiges Set mit dem ikonischen „Anti War Dub” beschlossen hat, eröffnet der aus Minneapolis stammende Techno-Veteran das Stage-Closing mit dem dystopisch-unterkühlten „This Life”von Sync 24. Zwar verläuft der Wechsel vom ausgelassenen Dubstep-Vibe zu mechanischen Electro-Klängen zunächst etwas holprig, doch DVS1 weiß genau, was er tun muss, um ein Publikum in seinen Bann zu ziehen. Keine zehn Minuten später tanzt auch hier alles nach seiner Pfeife. Die Atmosphäre, die er mit seiner Trackauswahl erzeugt, ist bedrohlich, cineastisch und ominös. Präzise, schnörkellose Drums und elegantes Mixing schaffen einen Flow, der einen, als litte man am Stockholm-Syndrom, selbst unter diesen widrigen Bedingungen wie eine Marionette tanzen lässt. Die Schlinge aus offenen Breaks zieht sich im Laufe seines Sets immer enger zu, bis nur noch erbarmungsloser Detroit Techno übrig bleibt. Dessen präzise Schlagzahl spannt ein Gitter aus Kicks auf, das den Dancefloor stellenweise in eine beinahe klaustrophobische Enge zwingt.

Als kontrastreichen Abschluss des Festivals gibt es auf der Laberint-Stage noch ein schillerndes B2B von Verraco und CCL zu hören. Ihr Sound bewegt sich an einer eigentümlichen Schnittstelle zwischen organischem Halftime-Glitch, Breakcore und liquidem Drum’n’Bass, fügt sich aber zu einem überragend harmonischen und stets fluiden Ganzen zusammen. So wird eine dekonstruierte Footwork-Nummer wie Minor Sciences „For Want of Gelt” bis zum bitteren Ende ausgespielt und wandelt sämtliche Tanzbemühungen in nervöses Zucken.

Viele Lichter, ein Schatten beim SOUNDIT Festival 2026.
Viele Lichter, ein Schatten (Foto: SOUNDIT Presse)

Gleichzeitig findet auch der entrückte Mecha-Jungle-Track „Fast Fade” von Stenny seinen Platz, bevor das aufgeladene „Wicked” von Sam Binga & Hyroglifics das launige Publikum ein letztes Mal so richtig anheizt. Ein Set, das gleichermaßen die Augen-Hand-Koordination aus dem Gleichgewicht bringt, dem Bassface tiefe Furchen ins Gesicht gräbt und immer wieder in Momente manischer Tanzbemühung umschlägt.

Das beschließt ein Festival, das zwar in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen stattfindet, aber vor Community-Care und fabelhaften kuratorischen Entscheidungen nur so sprüht.  Die Leidenschaft und Sorgfalt aller Beteiligten ist in allen Winkeln, Farben und Details zu erkennen. Mit einem Line-up, das die unterschiedlichsten Facetten und Szenen an einem Ort in Barcelona zusammenführt, stärkt das SOUNDIT nicht nur die lokale Szene, sondern etabliert sich zunehmend auch als europäischer Anlaufpunkt für genreübergreifende Clubkultur.

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