Die Drum-’n‘-Bass-Szene trauert um einen ihrer prägenden Künstler: Der niederländische Produzent und DJ Lenzman, mit bürgerlichem Namen Teije van Vliet, ist nach dreieinhalbjähriger Krebserkrankung verstorben. Seine Familie bestätigte seinen Tod auf Instagram.
Im Januar 2023 war bei van Vliet Nierenkrebs diagnostiziert worden. Kurz darauf musste ihm eine Niere entfernt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krebs jedoch bereits gestreut und galt als unheilbar. In den folgenden Jahren kämpfte der Musiker mit großer Entschlossenheit gegen die Krankheit. Nach einer Notoperation am Gehirn im Sommer 2023, einer rekonstruktiven Operation Anfang 2024 sowie weiteren gesundheitlichen Rückschlägen, darunter ein epileptischer Anfall und eine Strahlentherapie, kehrte er zwischenzeitlich sogar auf die Bühne zurück. Anfang dieses Jahres teilte sein Label The North Quarter schließlich mit, dass die Krebsbehandlung eingestellt worden sei. Seine Familie würdigte in ihrem Statement seinen außergewöhnlichen Kampfgeist. Drei Jahre lang habe er mit großer Stärke, Mut und Liebe gegen die Krankheit gekämpft und gezeigt, was wahre Stärke bedeute.
Geboren in Amsterdam, entwickelte sich Lenzman zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Soulful Drum’n’Bass. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit Veröffentlichungen auf dem renommierten Label Metalheadz, wo 2014 auch sein Debütalbum Looking At The Stars erschien. 2016 gründete er sein eigenes Label The North Quarter, das sich zu einer der wichtigsten Plattformen für modernen Drum’n’Bass mit Soul-, Hip-Hop- und R’n’B-Einflüssen entwickelte.
In seinen Produktionen verband er schnelle Breakbeats mit Elementen aus Soul, Jazz und Hip-Hop und schuf damit einen warmen, emotionalen und oft melancholischen Klang, der ihn zu einer festen Größe der internationalen Szene machte. Tracks wie „Open Page”, „In My Mind” oder „Bittersweet” zählen bis heute zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen.
Trotz seiner schweren Erkrankung arbeitete Lenzman bis zuletzt weiter an neuer Musik. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Redeyes entstand das Album Out The Dance, dessen Veröffentlichung er noch begleiten wollte. In den vergangenen Monaten hatte die internationale Drum-’n‘-Bass-Community mit mehreren Benefizveranstaltungen in London und Amsterdam Geld für Van Vliet und seine Familie gesammelt. Zahlreiche Künstler verzichteten dabei auf ihre Gagen, um den Musiker in seiner letzten Lebensphase zu unterstützen.
Nach Bekanntwerden seines Todes überschlugen sich die Kondolenzbekundungen aus der Szene. Doc Scott erinnerte an die Anfänge von Lenzmans Karriere: „Das Leben ist manchmal nicht fair. Auch wenn wir wussten, dass es so kommen würde, hat es der Anruf heute Morgen nicht leichter gemacht, die Nachricht zu hören oder zu akzeptieren. Ich erinnere mich, wie Marcus [Intalex, Anm.d.Red.] zu mir sagte: ‚Scotty, da ist dieser Junge, der unglaublich ist und etwas Besonderes werden wird.’ Genau das bist du geworden – und noch viel mehr. Danke für deine Musik, deine Freundschaft und deine Inspiration in den vergangenen mehr als 20 Jahren.”







