Kraftwerk gegen Moses Pelham: Producer setzt sich im Copyright-Streit erneut durch

Hip-Hop-Produzent Moses Pelham konnte sich am Europäischen Gerichtshof gegen die Band Kraftwerk durchsetzen. Vor 30 Jahren hatten Kraftwerk Pelham verklagt, weil er eine zweisekündige Rythmus-Sequenz aus dem Stück „Metall auf Metall” für die Produktion von Sabrina Setlurs „Nur mir” sampelte. 

Rechtlich stellt diese Nutzung eine „Pastiche” dar, eine Aneignung der Arbeit eines anderen Künstlers, die keine bloße Kopie ist. Im Urteil definiert der EuGH den Begriff der Pastiche nun genauer.

Unter anderem stellt er fest, dass eine Pastiche „Schöpfungen umfasst, die ein oder mehrere bestehende Werke anklingen lassen, sich dabei aber deutlich von ihnen unterscheiden und einige der urheberrechtlich geschützten charakteristischen Elemente dieser Werke – auch mittels Sampling – nutzen, um mit diesen Werken in einen künstlerischen oder kreativen Dialog zu treten, der als solcher erkennbar ist”, heißt es in einer Erklärung des Gerichts.

„Dieser Dialog kann unterschiedliche Formen annehmen”, erklärt das Gericht weiter. „Insbesondere die einer offensichtlichen stilistischen Nachahmung dieser Werke, einer Hommage an sie oder einer humorvollen oder kritischen Auseinandersetzung mit ihnen.”

Die EuGH-Entscheidung ist der Schlussakt eines langen Rechtsstreits, der bereits einige Instanzen durchlaufen hat. Auf eine Entscheidung des Landgerichts Hamburg folgten fünf Bundesgerichtshof-Verfahren, drei Berufungsurteile des Hanseatischen Oberlandesgerichts, zwei Verfahren des Bundesverfassungsgerichts und zum Abschluss zwei EuGH-Verfahren. Es ist damit der längste Urheberstreit in der Bundesrepublik Deutschland.

Von der Verteidigerseite äußerte sich Dr. Elisa Antz von Schalast Law zum Urteil. „Für die Musikwelt bedeutet das: Sampling als kreative Praxis, die seit Jahrzehnten Genres wie Hip-Hop, elektronische Musik und zeitgenössische Popmusik definiert, findet in der europäischen Pastiche-Schranke eine tragfähige rechtliche Grundlage”, heißt es in einer Pressemeldung.

„Künstlerinnen und Künstler können auf das kulturelle Erbe zurückgreifen, es verarbeiten und weiterentwickeln – ohne vorab definierte Schubladen bedienen zu müssen. Das verhindert, dass etablierte Rechteinhaber älterer Generationen mit urheberrechtlichen Mitteln die Weiterentwicklung musikalischer Stile blockieren und kulturelles Schaffen abschotten”, schreibt Antz weiter.

Der Fall geht nun wieder an den Bundesgerichtshof zurück, der ihn auf Basis des EuGH-Urteils erneut prüfen muss. Da der Bundesgerichtshof in erster Instanz auch schon zugunsten von Moses Pelham entschieden hat, erwartet die Verteidigung des Produzenten ein Urteil zu seinen Gunsten. 

News

Weiterlesen

Dr. Ann-Kathrin Biewener über das Watergate Open Air in der Malzfabrik und Clubkultur in Berlin-Tempelhof: „Ich wünsche mir, dass meine Kinder später noch erleben...

Berlin-Tempelhof als Feiergegend fürs Watergate? Die Leiterin der Wirtschaftsförderung des Berliner Bezirks erklärt, wie's geht.

Dr. Ann-Kathrin Biewener über das Watergate Open Air in der Malzfabrik und Clubkultur in Berlin-Tempelhof: „Ich wünsche mir, dass meine Kinder später noch erleben...

Berlin-Tempelhof als Feiergegend fürs Watergate? Die Leiterin der Wirtschaftsförderung des Berliner Bezirks erklärt, wie's geht.

Berlin: 90-Grad- und GMF-Macher Bob Young verstorben

Bob Young prägte das queere Feiern im Berlin der Neunziger. Wir geben Einblick in die Welt, die er erschaffen hat.

AI Watchdog: Neues Suchtool deckt auf, welche Songs zum KI-Training verwendet wurden

Das Tool zeigt, welche Songs für KI-Musik-Modelle genutzt wurden – darunter Tracks von Skrillex und Peggy Gou.

Protest für den Erhalt des RAW-Geländes: Musiker:innen und Initiativen mobilisieren am Ku’damm

Nach dem Abbruch der Verhandlungen zur Zukunft des RAW-Geländes rufen Initiativen zu einer Kundgebung vor dem Büro der Kurth-Gruppe auf.

BDS-Boykott gegen finnisches Festival: Flow Festival einigt sich mit Flow Strike

Nach der Übernahme durch Entertainment-Konzern Superstruct organisierte die Initiative Protest gegen das Flow Festival in Helsinki.

TILLATEC in Amsterdam: De-School-Nachfolger kündigt Schließung an

Nach zweieinhalb Jahren schließt der beliebte Club in Amsterdam, der 2024 die Location von De School übernahm.

Thomas Venker über die Kaput-Mag-Print-Premiere: „Man muss sich manchmal bewusst von der eigenen Leidenschaft überrumpeln lassen”

Wie ist gedruckter Kulturjournalismus heute noch möglich? Der Kaput-Herausgeber gibt einen Einblick in die Entstehung der ersten gedruckten Ausgabe des Magazins.

Berlin: Außengastronomie darf künftig länger öffnen

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betrachtet die Neuregelung als überfälliges „hauptstadttaugliches Gaststättengesetz”.

Cult: Nürnberger Venue schließt und versteigert Inventar

Das Cult in Nürnberg existierte seit 1996. Nun kann auf Erinnerungsstücke wie ein BDSM-Andreaskreuz geboten werden.
Bob Young im Café Moskau (Foto: Rebecca Santamaria, mit freundlicher Genehmigung von maenner.media)

Berlin: 90-Grad- und GMF-Macher Bob Young verstorben

Bob Young prägte das queere Feiern im Berlin der Neunziger. Wir geben Einblick in die Welt, die er erschaffen hat.
Musiker:innen steht mit AI Watchdog ein Tool zur Verfügung, das erkennen soll, ob Songs für KI-Training verwendet wurde (Foto: Franck V., unsplash)

AI Watchdog: Neues Suchtool deckt auf, welche Songs zum KI-Training verwendet wurden

Das Tool zeigt, welche Songs für KI-Musik-Modelle genutzt wurden – darunter Tracks von Skrillex und Peggy Gou.

Protest für den Erhalt des RAW-Geländes: Musiker:innen und Initiativen mobilisieren am Ku’damm

Nach dem Abbruch der Verhandlungen zur Zukunft des RAW-Geländes rufen Initiativen zu einer Kundgebung vor dem Büro der Kurth-Gruppe auf.

BDS-Boykott gegen finnisches Festival: Flow Festival einigt sich mit Flow Strike

Nach der Übernahme durch Entertainment-Konzern Superstruct organisierte die Initiative Protest gegen das Flow Festival in Helsinki.
Das TILLATEC (Foto: Instagram/Tillatec)

TILLATEC in Amsterdam: De-School-Nachfolger kündigt Schließung an

Nach zweieinhalb Jahren schließt der beliebte Club in Amsterdam, der 2024 die Location von De School übernahm.

Thomas Venker über die Kaput-Mag-Print-Premiere: „Man muss sich manchmal bewusst von der eigenen Leidenschaft...

Wie ist gedruckter Kulturjournalismus heute noch möglich? Der Kaput-Herausgeber gibt einen Einblick in die Entstehung der ersten gedruckten Ausgabe des Magazins.

Berlin: Außengastronomie darf künftig länger öffnen

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betrachtet die Neuregelung als überfälliges „hauptstadttaugliches Gaststättengesetz”.

Cult: Nürnberger Venue schließt und versteigert Inventar

Das Cult in Nürnberg existierte seit 1996. Nun kann auf Erinnerungsstücke wie ein BDSM-Andreaskreuz geboten werden.