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Die Platten der Woche mit Amor Satyr, S.O.N.S, Byron The Aquarius, DJ Godfather und DYL

Amor Satyr – Transfer (Seilscheibenpfleiler)

Nach vielen erfolgreichen Co-Veröffentlichungen mit Siu Mata meldet sich der französische DJ und Produzent Amor Satyr mit der Solo-EP Transfer auf dem Berliner Traditionslabel Seilscheibenpfeiler zurück. Mit jedem Release wird der Stil von Satyr freier, bunter und technoider – allzeit bereit für den Einsatz auf den Festivalbühnen der Welt. Transfer ist eine Platte auf höchstem Produktionsniveau. Peak-Time-Breaks knallen auf hitzige Techno-Perkussion und gechoppte Reggaeton-Vocals auf Trance-Flächen. Die Tracks leben dabei von einem permanenten Spannungsaufbau, einem massiven Bass und ihrem teils tooligen Charakter. Die Hymne mit dem größten Ohrwurmpotenzial ist das B2-Stück „Bebe”, das durch sein einprägsames Vocal begeistert. Vincent Frisch 

S.O.N.S – Psychedance Songs (Junction Forest)

Leckt an Lianen oder Laubfröschen – S.O.N.S gibt für Psychedance Songs den Tripsitter. Sollte jemand wider Erwarten rumreiern: Lass es zu. Das muss alles raus, damit das Gute wieder reinkann! Um zur inneren Mitte zu finden, muss man nämlich zuerst die äußeren Ränder aushalten, weil: Hakuna Matata, my friend! Wer es nicht so mit rasenmäherfurzenden Fedde-Le-Grand-Gebläsen hat, viel Glück auf der A-Seite! Allen anderen, die schon mal weiße Schokolade in Weltläden geklaut haben, wünscht das Team von Junction Forest eine gute Weiterreise! Denn spätestens auf „Swamp” erweitert sich der Horizont sogar für Flatearther. Während du auf die Decke starrst, geht’s quer durch den Regenwald, vorbei an zischelnden Schlangen, grunzenden Wildschweinen und einem Kumbaja-Dude, der dir immer wieder was ins Ohr flüstert. Aldda, denkst du, laber doch nicht so rum, versteht ja niemand, das Gesäusel! Aber der Typ grinst dich nur gütig an, packt seine Blechtrommel aus und beginnt, eine berührende Melodie zu spielen. Christoph Benkeser

Byron The Aquarius – EP1 (Clone Jack For Daze)

Die Musik von Byron the Aquarius erschien bereits auf den Labels von Jeff Mills und Theo Parrish. Mit Jeff Mills teilt Byron the Aquarius einen treibenden, deepen Clubsound mit spacigen Melodien, mit Theo Parrish die entspannte, jazzige Atmosphäre. Doch sein eigener Stil ist unverkennbar und über die Jahre immer unverwechselbarer geworden. Das hat er just auf der EP Black Man of the Echo Tree bewiesen und auch die schlicht EP1 benannte Platte unterstreicht das nochmal deutlich. Sechs aufs Nötigste reduzierte Tracks, mit dumpfen, gleichzeitig hypnotisch-treibenden Wumms, dazu pulsierende Basslines und Snares. 

Hier und da locken in verschiedenen Blautönen irisierende, auf einer ganz anderen Ebene betörende Unterwasser-Sounds sirenenhaft in die Tiefe. „Mr JX-8P” verschlägt uns an einsame und melancholische Orte durch tranceartige Tonfolgen. „A N C E S T O R S” wiederum nimmt Bezug auf klassischen Acid, ohne viel Feingefühl, vor allem den Tanztrieb triggernd. Byrons Stärke liegt aber eben darin, beides miteinander zu vereinen, also stumpfe Grundlage und betörender Verzierung und dabei ganz organisch zu klingen, warm, intuitiv, „unperfekt” – und damit irgendwie aus der Zeit gefallen, als wäre er ein Besucher aus den 1990er Jahren. EP1 präsentiert einen Überblick von dem, was Handwerk und Seele des Herren mit Sternzeichen Fische (sic!) gemeinsam erschaffen können. Lutz Vössing

DJ Godfather – That Electro Shit EP (Databass)

Der Detroiter Produzent Brian Jeffries alias DJ Godfather ist seit den Neunzigern im Geschäft und betreibt seit dieser Zeit auch sein Label Databass, auf dem der Ghetto-Tech-Pionier neben eigenen Platten auch geistesverwandte Wegbegleiter wie DJ Deeon herausbringt. That Electro Shit, bestückt mit einigen Tracks von seinem Album This Detroit Thing of Ours von 2021, bringt ziemlich genau das, was der Titel verspricht. Der über die Jahre gern stilwandelnde DJ Godfather gibt sich in dieser Auswahl ganz traditionsverpflichtet, wobei er zwei seiner Titel, um dem Album gegenüber was Neues beizusteuern, gleich in drei Versionen bringt: „1200s Are Lit” gibt es neben seinem Originalmix als Instrumental und als „Scratchapella” mit der ansonsten unbegleiteten Scratch-Spur. Ähnlich das breitbeinig bollernde „Oh Shit”, das zusätzlich als Instrumental und in einer A-cappella-Fassung vorhanden ist, was dem schön synkopierten Refrain „Oh Shit” reichlich Raum gestattet, umgeben von einigen längeren Pausen mit gar nichts drin. Ein bisschen kurios als Lösung, insgesamt jedoch eine mehr als solide EP. Tim Caspar Boehme

DYL – Fjord (Nous’klaer)

Auf seiner ersten EP für Nous’klaer vollzieht der rumänische Produzent DYL, Eduard Costea mit bürgerlichem Namen, eine kleine Kehrtwende. So war er durch bisherige Releases seit seinem Debüt im Jahr 2012 hauptsächlich bekannt für Breakbeat-lastige Produktionen zwischen (zum größten Teil) Drum’n’Bass und Halfstep. Ganz anders nun auf den vier (auf Vinyl, digital sind’s fünf) Tracks dieser EP. Die gerade Bassdrum durchzieht alle Stücke als so beruhigendes wie fesselndes Fundament, eingebettet in ein äußerst fragiles, traumartiges Klangbett aus verwaschenen Synth-Flächen und höchstens mal angedeuteten Melodien. Eine geisterhafte Atmosphäre bestimmt diese EP, wie ein verlassenes frühmorgendliches Fjord im Nebel. Dabei schwingt das Pendel ein ums andere Mal mehr in Richtung Ambient/Electronica, mal mehr hin zu Techno. Wobei der durch die tief sich in Gehirn wie Gehör eingrabenden Percussion-Linien entstehende hypnotische Groove dafür sorgt, dass es stets tanzbar bleibt. Tim Lorenz 

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