Ryūichi Sakamoto: Wegbereiter der elektronischen Musik verstorben 

Ryūichi Sakamoto ist am 28. März an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben. Sakamoto war einer der einflussreichsten japanischen Musiker der letzten 50 Jahre. Mit seiner Band Yellow Magic Orchestra und zahllosen Soloprojekten und Kollaborationen gilt er als Wegbereiter einer ganzen Reihe elektronischer Musikgenres.

Ryūichi Sakamoto wurde am 17. Januar 1952 in Tokio geboren. Er studierte an der Tōkyō Geijutsu Daigaku Komposition mit einem Schwerpunkt auf elektronischer Musik und Musikethnologie. Er experimentierte mit Geräten von Buchla, Moog und ARP und erforschte ethnische Musik aus Japan, Indien und Afrika. Westliche Klassische Musik beschäftigte ihn auch, sein Idol war Claude Debussy. „Asiatische Musik hat Debussy stark beeinflusst und Debussy hat mich stark beeinflusst. Also geht die Musik um die Erde und der Kreis schließt sich”, erklärte er 2010 in einem Interview.

1978 gründete Sakamoto mit Haruomi Hosono and Yukihiro Takahashi, der Anfang dieses Jahres verstarb, Yellow Magic Orchestra (YMO). Mit diversen Singles und Alben ebnete die Band einer Reihe von Genres den Weg, etwa Synth Pop, Dance Pop, Ambient und Electronica. Der Einfluss der Band ist von den frühen Achtzigern an bis heute im Hip-Hop, Electro, Acid House und Techno spürbar.

Ab 1984 arbeitete das YMO nur noch sporadisch zusammen und Sakamato veröffentlichte zahllose Soloarbeiten. Dabei kollaborierte er unter anderem mit David Byrne, Thomas Dolby, Nam June Paik, Iggy Pop, Robert Wyatt und Brian Wilson.

Im Techno-Zusammenhang erregte besonders seine Zusammenarbeit mit Alva Noto (Carsten Nicolai) aufsehen. Mit ihm produzierte er zwischen 2004 und 2011 vier Alben.

Zum globalen Superstar wurde Sakamoto auch durch seine Soundtracks. 1983 komponierte er die Musik zu Nagisa Ōshimas Zweiter-Weltkriegs-Drama Merry Christmas Mr. Lawrence und spielte an der Seite von David Bowie einen leitenden japanischen Offizier. In einem Interview erzählte er später, dass er am Set einen Monat mit Bowie „abgehangen” habe, aber nie wagte, ihn nach einer Beteiligung am Soundtrack zu fragen. Bowie sei so sehr auf die Schauspielarbeit fokussiert gewesen, erklärte Sakamoto.

Sakamoto komponierte 48 Soundtracks für Spielfilme, unter anderem von Bernardo Bertolucci, Brian de Palma oder Alejandro González Iñárritu. Den Oscar gewann Sakamoto für seinen Soundtrack zu The Last Emperor (1987), einen Golden Globe etwa für The Sheltering Sky (1990) und einen Grammy ebenfalls für The Last Emperor.

Sakamotos größtes Projekt war die Oper „LIFE”, die 1999 in Tokio und Osaka uraufgeführt wurde. Mehr als 100 Performer:innen waren beteiligt, unter anderem Pina Bausch, Bernardo Bertolucci, Josep Carreras, der Dalai Lama und Salman Rushdie.

Sakamoto hinterlässt Ehefrau und Managerin Norika Sora, zwei gemeinsame Kinder und zwei Kinder aus früheren Ehen. Eine Tochter stammt aus Sakamotos erster Ehe, die 1972 geschlossen wurde und zwei Jahre andauerte. 1982 heiratete er die Sängerin Akiko Yano. Das Paar zog die J-Pop-Sängerin Miu Sakamoto groß und ließ sich 2006 scheiden.

Ryūichi Sakamotos letztes Album 12, das Anfang dieses Jahres erschien, war beeinflusst von seinem Krebsleiden und setzt sich mit dem Tod auseinander.

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