Sven Väth (Alle Fotos: Daniel Woeller) Sven Väth veröffentlicht mit Catharsis sein erstes Album seit zwei Dekaden. Das erscheint gewissermaßen logisch: Es ist Pandemie, der Jahreskalender auch bei den Größten der Branche nicht mehr zum Bersten vollgestopft. Zwar tourte Väth im vergangenen Jahr sehr wohl, erklärt im Interview, das seine Diskografie und seine Beziehung zum Spiritualismus aufgreift, aber, wieso sich seine Kreativität zuletzt maßgeblich am eigenen Archiv entzündete. _____ Fast 20 Jahre sind seit deinem letzten Album vergangen. Es gibt Leute, die behaupten, dass Clubmusik im Albumformat nicht wirklich funktioniert. Wieso hast du dich zeit deiner Karriere dazu hingezogen gefühlt? Um ehrlich zu sein, war Catharsis gar nicht so geplant, eher ein Prozess, den ich die letzten zwei Jahre durchgemacht habe. Als ich mich während Pandemie und Lockdown gefragt habe, was ich jetzt machen soll. Ich war zu der Zeit mit meiner Freundin in London und hatte Lust, einfach mal wieder zurückzuschauen und mein Musikarchiv von Anfang an durchzugehen. Vor allem die Zeit von ’81 bis ’89, was ich da so gespielt habe. Da habe ich mich wochenlang reingekniet und schließlich sechs Playlists zusammengestellt. Nicht mit den offensichtlichen Sachen wie Depeche Mode oder Madonna, was natürlich auch gelaufen ist zu der Zeit. Daraus ist eine Compilation entstanden, die Ende dieses Jahres rauskommt. Viele Tracks davon kriegst du gar nicht mehr, wir haben ein Jahr daran gearbeitet, die Rechte zu bekommen. Die heißt What I Used To Play. So wie der Opener auf Catharsis. Genau. Das habe ich auf 37 Songs runtergebrochen, die auf 12-Inch-Vinyl in einer schönen Box kommen werden. In der Phase habe ich mich mit dem Sound und der Zeit unwahrscheinlich stark beschäftigt. Das hat Erinnerungen und Bilder wachgerüttelt. Dann kam mir, dass ich schreiben musste. Über diese ganze Zeit, was ich da so erlebt habe. Dann kam mir noch die Idee, dass ich dazu einen Bildband mit Text rausbringe, so ein Coffeetablebook. Da habe ich natürlich ein Fass aufgemacht. (lacht) Wieso? Ich musste ins Archiv, mich durch die ganzen Kisten, Fotos, VHS-Kassetten und Tapes wühlen. Die Flyer, die Poster. Das ist viel, viel, viel Material. Mein Team hat mir auch geholfen, die habe ich damit bei Laune gehalten, damit sie was zu tun hatten in der Zeit. (lacht) Jedenfalls hat das echt was mit mir gemacht, das war wie eine Entschlackung, Kopf-Ayurveda. Wie ging’s weiter? Ende 2020 bin ich nach Ibiza, wo ich ein paar Wochen geblieben bin. Da habe ich für Pete Tong einen Essential Mix mit meinen liebsten Cocoon-Tracks gemacht, wir hatten ja letztes Jahr unser 20-jähriges Jubiläum mit Cocoon Recordings. Meine Freundin und ich hatten dann einen wirklich schönen Abend und haben mit einem Fläschchen Rotwein zu der Radiosendung in die Nacht getanzt. Morgens bin ich aufgewacht, habe mir meinen Saft gepresst. Irgendwie sind mir dann Lyrics in den Kopf geschossen. Da habe ich unwahrscheinlich stark gespürt, was uns allen fehlt. Das Tanzen, das Miteinander. Dann habe ich die Lyrics zu „Feiern” geschrieben. Das war der Anstoß. Catharsis by Sven Väth Das Album wurde um „Feiern” herum entwickelt. Genau. Ich habe dann Gregor Tresher angerufen, meinen lieben Freund, Kollegen und geschätzten Musiker, und ihn gefragt, ob er Zeit hat und im Studio ist. Hatte er. Dann habe ich ihm die Vocals von meinem iPhone geschickt. „Feiern” wurde remote produziert? Ja, aber nur dieser Track. […]

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