Clubtopia (Foto: Logo).

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Nicht nur in der Landwirtschaft oder bei der Frage, wie wir in Zukunft unseren Strom produzieren, spielt es eine immer größere Rolle. Clubs und Veranstalter*innen beschäftigen sich seit Jahren mit den Themen Klima- und Umweltschutz im Eventbetrieb. Mit Clubtopia gibt es ab sofort ein Bündnis, das den Kulturschaffenden Konzepte und Hilfen an die Hand gibt, um effektiv ihren Wandel umzusetzen.

Clubtopia ist ein Kooperationsprojekt des BUND Berlin e.V., des Clubliebe e.V. und der Berliner Clubcommission, das sich seit 2019 dafür einsetzt, Berliner Clubs Möglichkeiten aufzuzeigen, ihren Kulturbetrieb klimafreundlich zu betreiben und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Mit ihrem Green Club Guide haben sie zusätzlich ein Nachschlagewerk entwickelt, mit dessen Hilfe jeder Prozess in ökologischer Hinsicht optimiert werden kann.

Im Interview erzählt die Projektleiterin Konstanze Meyer unserem Autor Philipp Thull, welchen Nutzen Clubs von dieser Hilfestellung haben, welche weiteren Möglichkeiten es neben der materiellen Umstellung gibt und wie sich jede*r kostenlos zu eine*r Green Club Manager*in ausbilden lassen kann.


Wie ist das Projekt Clubtopia entstanden?

Gewachsen sind wir aus der Initiative Clubmob.Berlin, die sich seit 2011 für Nachhaltigkeit in Berliner Clubs stark macht und Clubs mit Energieberatungen und sogenannten Clubmob-Partys beim grünen Wandel unterstützt. Daraus haben sich verschiedene Kooperationsprojekte entwickelt, etwa das Innovationslabor Future Party Lab und die erste Auflage der digitalen Klimaberatung „Green Club Guide”. 2019 sind wir schließlich mit dem aktuellen Projekt, Clubtopia, gestartet und setzen diese Aktivitäten mit unseren Partner*innen und Unterstützer*innen fort. Wir sehen die Berliner Clubs als einen wichtigen Bestandteil der reichen Kulturszene, die ein entscheidender Motor für den nachhaltigen und klimafreundlichen Wandel der Stadt sein kann. Clubs und Veranstalter*innen können und sollen sich selbst ökologischer aufstellen. Darüber hinaus setzen sie Impulse für ein Umdenken in anderen Bereichen und sind Inspirationsquelle für ihre Gäste und die sie umgebende Szene.

Wer steckt hinter Clubtopia?  

Dank den Menschen und Organisationen hinter Clubtopia bringen wir Expertise aus Nachtleben, Nachhaltigkeit und Klimaschutz zusammen: Clubtopia ist ein Kooperationsprojekt des BUND Berlin e.V. und des clubliebe e.V. sowie der Clubcommission Berlin und wird gefördert von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung, das Zentrum für Nachhaltigen Tourismus und die Livekomm unterstützen das Projekt.

Konstanze Meyer by Karoline Kohle
Konstanze Meyer (Foto: Karoline Kohle)

„Clubs brauchen sich nicht vor dem Öko-Image zu fürchten.”


Was haben Clubs für einen Nutzen durch euer Programm?  

Mit unseren Angeboten wollen wir den Clubs und ihren Mitarbeiter*innen spezifisches Wissen vermitteln, mit dem sie ihre Events klima- und umweltfreundlich umsetzen können. Dabei setzen wir den Fokus besonders auf Maßnahmen, die sich mit kleinem Budget und innerhalb kurzer Zeit umsetzen lassen – denn uns ist klar, dass den Clubs oft die finanzielle und zeitliche Perspektive für große Investitionen fehlt. Durch energieeffiziente Technik, verbesserte Mülltrennung und -vermeidung sowie einen schonenden Umgang mit Ressourcen können Clubs ganz nebenbei sogar eine ganze Menge Kosten sparen.

Aus Befragungen wissen wir, dass sich die Clubbesucher*innen den ökologisch und sozial nachhaltigen Wandel der Clubs wünschen und bereit sind, diesen zu unterstützen. Clubs brauchen sich also nicht vor dem Öko-Image zu fürchten. Ganz im Gegenteil: Sie würden sogar auf die Bedürfnisse vieler Gäste eingehen, die ihre nachhaltigen Werte auch im Nachtleben ausleben wollen.

Was ist der Green Club Guide?

Eine digitale Klimaberatung. Von energieeffizienten Geräten an der Bar oder auf dem Dancefloor über klimafreundliches Heizen und Lüften bis hin zu Zero Waste, Mobilität und Kommunikation: Der Guide führt Veranstalter*innen Schritt für Schritt durch den Club und erklärt, wie die einzelnen Bereiche nachhaltiger gestaltet werden. Ergänzt wird der Leitfaden durch Praxisbeispiele, Anleitungen und Checklisten. Dazu gibt es unsere neuen Erklärvideos, die Green-Club-Tutorials, die die Empfehlungen veranschaulichen.  

Wie kommt man an diesen Guide?  

Ganz einfach: Den Guide gibt es für jede Lebenslage als Druck-, Smartphone und Desktopversion auf unserer Webseite. Entweder zum Download oder man klickt sich durch die einzelnen Bereiche, wo auch die Videos und Checklisten zu finden sind.  

Wie unterstützt ihr Menschen in der Szene, die sich noch mehr Wissen zum klimafreundlichen Feiern aneignen wollen?

Nicht alle Fragen lassen sich mit einem Leitfaden beantworten und wir wollen neben den Clubbetreibenden auch Mitarbeiter*innen aus allen Clubarbeitsbereichen (Bar, Booking, Technik, Marketing, Buchhaltung etc.) befähigen, die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz anzupacken. Dazu braucht es umfassendes und praktisches Wissen. Deshalb starten wir ab Mitte Oktober mit der Online-Schulungsreihe „Green Club Training”. Hier können sich Interessierte in einer etwa 36-stündigen Weiterbildung zu „Green Club Manager*innen” ausbilden lassen. Wir vermitteln dabei mit unseren Referent*innen nicht nur clubspezifisches Öko-Wissen, sondern lassen die Teilnehmenden auch ein eigenes Konzept für ihren Club oder ihr Event entwickeln, das sie gleich umsetzen können. Am 15. September um 18 Uhr gibt es dazu eine Online-Infoveranstaltung, bei der wir uns mit Interessierten austauschen.

Gibt es ein Ranking, das besagt, wie nachhaltig die Berliner Clubs zur Zeit aufgestellt sind?

Darüber haben wir auch schon häufiger nachgedacht, aber tatsächlich gibt es das in Berlin noch nicht. Zum einen müssten wir dafür erstmal sehr viele Daten in den etwa 220 Berliner Clubs aufnehmen, was ganz schön lange dauern könnte. Zum anderen wollen wir kein Fingerzeigen machen. Vielmehr wollen wir die, die bisher noch nicht so ökologisch arbeiten, unterstützen, statt sie an den CO2-Pranger zu stellen. Außerdem haben wir im letzten Jahr einen runden Tisch für Clubs gestartet, die den umweltfreundlichen Wandel bei sich voranbringen wollen. Gemeinsam haben die Beteiligten eine freiwillige Selbstverpflichtung entwickelt, mit der sie sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt haben. Die Unterzeichner*innen dieser Selbstverpflichtung können in Zukunft ein sehr guter Indikator dafür sein, welche Clubs sich schon auf den Weg zum Club Utopia gemacht haben.