5Elecktroids – Kilohertz (Clone Aqualung Series)

Elecktroids


Die Zukunft wurde auf James Stinsons erstem Lebenszeichen als Elecktroids zwar noch nicht ausdrücklich begrüßt, aber dafür galt immerhin die Maßeinheit Kilohertz. Und, fast noch wichtiger: Das Drexciya-Mastermind machte sich ausgerechnet im geradlinigsten Techno-Track der EP einen Begriff zu eigen, der heute um einiges gegenwärtiger ist, als er anno 1995 sein konnte: „Algorithm“. Zum Abschluss dieses lustvoll hüftsteifen Elecktro-Funk-Ausflugs geht es dann recht kämpferisch in den Cyberspace. Dank Clone jetzt wieder in der Vinyl-Realität. Tim Caspar Boehme

4Pedro – She Is EP (Wolf)

Pedro


Wer weder Jazz noch Techno abkann, wird von der aktuellen EP des portugiesischen Producer Pedro für das Londoner Label Wolf gleich doppelt genervt sein. Aber auch einfache Puristen dürften an den drei Originaltracks schwer zu schlucken haben, Zutritt zum Dancefloor hat hier ohnehin lediglich der pfeilschnelle, kaum den Boden berührende D&B-Remix von Moomin. Beachtliche zehn Minuten hält der Titeltrack die Spannung zwischen fragmentarischen Saxofonphrasen, sparsamen Klavier- und Gitarrenakkorden und metallischen, ziselierten Beckenschlägen. Das Vocalsample gibt kaum mehr preis als einen Hinweis auf den Modus abwesender Präsenz. Dem zarten Piano-Motiv von „Faces Sob O Sol“ eignet dagegen eine zeitlose Schönheit, ein Walzer ohne Beat. „Alef“ wiederum kommt als leicht psychedelischer, afro-balearische Trip mit ungreifbar durch das Stereopanorama wandernden Stimmen. Hat da wer Crossover gesagt? Harry Schmidt

3Pessimist – Austerity (Osiris)

Pessimist

Kristian Jabs aka Pessimist ist bekannt für seine einzigartigen Fusion Sound-Konstruktionen aus Drum’n’Bass, Jungle und Techno. Bereits auf früheren Veröffentlichungen und nicht zuletzt in Form seines Debütalbums Pessimist auf dem namentlich dazu passenden Label Blackest Ever Black hat der Bristoler Produzent mit seiner ‚Wiedererfindung des Jungle-Technos‘ Kritiker*innen begeistert. Auf Austerity geht Jabs noch ein paar Schritte tiefer in die Düsterkeit technoider Klangräume, wobei er das Tempo gekonnt entschleunigt. Alles klingt ruhiger und verhaltener, aber dafür keinesfalls weniger intensiv. Während sich die A-Seite ihren Weg bedächtig durch hypnotische und dämmrig-ambienthafte Landschaften bahnt, patrouillieren auf der B-Seite die Hi-Hats (à la Martyn) mit einem Hauch von Jungle, der seine reine Fassbarkeit irgendwann verliert. JK Flesh erweitert die pessimistische Stimmung der EP wunderbar mit seinem in Drum’n’Bass gedippten Remix zu “New Age”. Insgesamt präsentiert Jabs mit seiner EP eine spannende Weiterentwicklung, die dem Dancefloor gut tun wird. Franziska Finkenstein

2Ricardo Villalobos – Mandela Move (Deset 02)

Ricardo Villalobos


Auf Ricardo Villalobos´ Doppelvinyl auf Deset hört alles auf typische Villalobos-Namen: „Beetglass“, ein gradliniger, von zugedröhnten Synthschleifen umgarnter Track, der das aktuelle Breakbeat-Revival jackend transzendiert. Oder „Fontec“, ein typischer, mit vielen rhythmischen und klanglichen Spielplätzen beladener Villalobos-Track. Auch „Electroscop“ und der Titeltrack „Mandela Move“ sind epische Tunes, feinteilig moduliert und garniert mit jenem psychedelischen Synth-Grummeln, das spätestens seit seinem 2001er Epos „Bredow“ bekannt ist. All das dürfte für manche einfach nur nach Villalobos-Dramaturgie klingen. Wer genau hinhört, erkennt, dass jeder Track in seiner eigenen Geisteszustands-Zone tanzt und ungewöhnliche Stimmfetzen, zittrige Hi-Hats und wabernde Bässe in einem Signature-Sound vereint, der sich stets neu erfindet. „True To Yourself“ sang Cassy im gleichnamigen 2004er Villalobos-Tune. Bis heute ist es der Deutsch-Chilene als Produzent geblieben! Michael Leuffen

1Yilan – Diaspora (Jelly Bean Farm)

Yilan


Yilan stammt aus Birmingham, lebt im Moment in Leeds und ist Teil der boomenden Post Bassmusic-Technoszene in Großbritannien. Dieser interessanten Entwicklung wiederum widmet sich das kalifornische Label Jelly Bean Farm seit einiger Zeit mit Hingabe – auch hier bildet Techno vor allem den klangästhetischen Rahmen, die Beats und Arrangements weisen hingegen häufig eine starke Verwurzelung in Breakbeat, Electro und Drum’n’Bass auf. Aus diesen einfach zu benennenden Eckdaten entsteht bei Yilan aber keine Musik, die unter dem Banner „Fusion“ gefasst werden könnte, was keinesfalls das Schlechteste wäre und in bester UK-Tradition stünde. Auf Diaspora wird nicht nur gut verrührt, verschmolzen und in Dub gegossen, es tritt vielmehr der seltene Glücksfall von Emergenz ein, der das Ergebnis – man kennt den Spruch – zu mehr macht als die Summe der einzelnen Teile. Mathias Schaffhäuser