5Delenz – Synthi & Roma EP (Turbolenz)


Vier epische, kosmische Jams machen das Debüt des Offenbacher Producers Philipp Lenz alias Delenz auf seinem eigenen Label Turbolenz aus, ein Track so grandios wie der andere. Ähnlich wie in der Musik von Quiet Village oder Jan Schulte (wenn auch weniger enigmatisch als jene und nicht so hippiesk wie dieser) schärfen Stücke wie das tribal-perkussive „Synthi & Roma“, das sakral gestimmte, introspektive „Healthy Ego“ oder der Acid-Track „Doller Arp“ das Bewusstsein für das akusmatische Moment des Hörens, insbesondere auch elektronischer Musik, als Ungewissheit hinsichtlich der Ursache des Schalls, sind die Klangerzeuger doch der Sicht- und Identifizierbarkeit entzogen. Die dadurch unterstrichene Unvorhersehbarkeit nutzt Lenz für groß angelegte Spannungsbögen, die zu keiner Nanosekunde durchhängen, ohne je überfrachtet zu wirken. Treffliche EP, ausgesprochen deep und moody. Harry Schmidt

4Innellea – Vigilans EP (Afterlife)


Das Münchner Duo Innellea wurde 2017 von den Groove-Leser*innen in die Top Ten der besten Newcomer gewählt, bedeutende Festival-Auftritte und internationale Bookings folgten. Auch die vier Tracks ihrer Vigilans EP für das Tale Of Us-Label Afterlife möchten im Club gespielt werden. Mit seinem exponierten, handgespielten Bassgitarren-Riff und einer bleepigen Synth-Hookline wirft das Titelstück, irgendwo zwischen Chicken Lips, 2000er-Tech-House und Spuren von Yello, aber auch eine Frage auf: Ist 2019 die Zeit reif für ein Electroclash-Revival? So sicher scheinen sich auch Daniel Winckler und Michael Miethig da nicht zu sein: Die anderen drei Tracks bedienen eher die noch anhaltende Nachfrage nach Neo Trance. Das allerdings mit spürbarem Engagement: Keiner der Nummern hat etwas Skizzenhaftes, nichts wird dem Zufall überlassen. Dass sie damit zwar sehr effizient, aber eben auch sehr kalkuliert wirken, nehmen Winckler und Miethig wohl bewusst in Kauf. Am gelungensten hier ist „Weigela“: Da kommt Innelleas Gespür für Melodien voll zu Tragen. Harry Schmidt

3Laslo – Eliptik (Greta Cottage Workshop)


Dass es den jungen ungarischen Produzent Laslo mit seinem UK-lastigen und dub-durchzogenen Sound auf Greta Cottage Workshop verschlägt, ist nur konsequent. Der britisch interpretierte House des Labels war schon immer von hoher Qualität, dringt mit Laslo jedoch noch einmal in neue Sphären vor. Das bewies bereits sein Debüt aus dem vergangenen Jahr auf dem für Experimente angeschlossenen Sublabel, und das beweist auch seine neue EP, mit der er ohne Umschweife auch bei Timedance oder Livity Sound hätte aufschlagen können. „Eliptik“ klingt so vertrippt wie Forest Drive West. UK-Bass lässt sich kaum noch düsterer und näher am Puls der Zeit interpretieren. Die gurgelnden Synths, die Kopfnicker-Drums, es zuckt und zerrt mit jedem weiteren Takt. „Generativ“ ergänzt eine Schippe dystopischen Electro-Funk, während „Brutalmetal“, mehr als für UK-Bass gewöhnlich, Industrial-Aspekte einfließen lässt. Felix Hüther

2Roter Stern Belgrad – Massa (TAL)


Stefan Schneider, bekannt als Mapstation, Hauntologist oder als Teil von Hinosch, veröffentlicht auf seinem Label TAL afrikanischen Folk, japanischen No-Wave, südamerikanischen Tribal oder experimentellen Minimal. Nun Roter Stern Belgrad, eine Experimental-Band aus Düsseldorf, deren Musik in den frühen 1980ern auf Kassettenlabels wie Klar! 80 erschien. Drei Archiv-Tracks voll fesselnder Klangcharakteristiken zwischen Industrial, Kraut-Tribal und Analog-Electronic. „Afars & Issas“ verbreitet düster schleifende Proto-Techno-Emotionen, die an Craig Leon und Tolouse Low Trax erinnern. „Wegwerfliebling“ macht mit zittriger Zick-Zack-Dynamik und gespenstischem Vocalsample nervös. Und „Abend-Stern-Chant“ klingt dank perkussiver Dunkelheit wie die ruhige Seite der Einstürzenden Neubauten und rettet mit animalischen Ritualgesängen den Spirit des Krautrock hinüber in das grollende Angst-Gefühl der 1980er. Michael Leuffen

1Siriusmo – Zeit (Monkeytown Records)


Siriusmo – das ist Moritz Friedrich aus Berlin. Der Produzent hat sich zunächst mal hier, mal da ausprobiert, ist 2009 schließlich aber bei den Jungs von Modeselektor auf Monkeytown gelandet. Dort fühlt er sich offenbar pudelwohl, denn er ist dem Label seitdem fast nicht mehr von der Seite gewichen. Macht Sinn, denn der bunt-optimistische Sound, der sich um 2010 herum mit der damaligen Electroclash-Welle als sein Markenzeichen manifestierte, passt gut ins vielseitige Raster des Labels. Hier erscheint nun auch seine nächste EP, auf der sich der Berliner diesmal stimmungstechnisch von einer ebenso düsteren wie spacigen Seite zeigt. Die warpig-untermalten Breakbeats auf „Dur Zu Moll“ oder „Superfx“ etwa ist man von dem sonst so fröhlich-trällernden Elektronik-Hippie nämlich weniger gewohnt – auf dem letzten Album Comic ging es da noch wesentlich sommerlicher zu. Umsomehr ist jetzt mal Zeit für einen Tapetenwechsel, den Siriusmo ganz souverän über die Bühne bringt. Benjamin Kaufman