Für Freunde des guten Handwerks des Kabelstöpselns und Potentiometerschraubens gibt es ebenso analoge Neuigkeiten. Etwa von der in Berlin lebenden italienischen Buchla-Virtuosin Caterina Barbieri. Einmal wäre da Born Again In The Voltage (Important Records), auf dem sie, von akustischen Instrumenten subtil eingerahmt, die eingeschränkten aber sehr markanten Sounds ihres Instruments panoramisch abfährt, ähnlich der generationenübergreifenden Zusammenarbeit Sunergy von Suzanne Ciani und Kaitlyn Aurelia Smith. Auf der Split-LP Bestie Infinite / Wear Patterns (Important Records) mit den Drone-Minimalisten Eleh passt sich Barbieri deren Sound mimetisch an. Ebenso von Todd Barton. Der Kalifornier ist seit mehr als dreißig Jahren am Buchla und als traditioneller Komponist aktiv, abseits eines Spezialpublikums wurde er aber erst vor kurzem bekannt, als seine 1985er Arbeit Music And Poetry Of The Kesh (Freedom To Spend/RVNG Intl.), eine kongenial futuristische Begleitung/Vertonung eines Textes der SF/Fantasy Autorin Ursula K. LeGuin wiederveröffentlicht wurde. Bartons neue Originalarbeiten wie Multum In Parvo (Blue Tapes) stehen dem milde nostalgischen Futurismus der alten Tapes in nichts nach. Auch hier gibt es einen wilden, fünfzigminütigen panoramisch-spacigen Trip entlang der Möglichkeiten und Beschränkungen der Buchla-Maschine.


Stream: Caterina Barbieri / Eleh – Bestie Infinite / Wear Patterns

Oder von Rezo Glonti aus Tblissi, Georgien. Sein adäquat nerdiges Alias Aux Field hat er den archetypischen Hüllkurvensounds der Vintage-Maschinen verschrieben. Square Landscapes, sein Debüt für die russischen Modularspezialisten Kotä Records, baut mächtig donnernde Soundwälle aus Dub, ähnlich etwa den Motherboard-Dauerkunden Driftmachine aber weit weniger düster als diese sich zuletzt gaben.


Stream: LOR – Lunar Orbit Rendezvous

Der Nordire Gregory Ferguson alias Lunar Orbit Rendezvouz oder LOR verschiebt die sphärischen Synthesizerklänge in kosmische Gefilde mit einer gehörigen Portion Raumfahrt- und Mondlandungsnostalgie. Retrofuturismus mit verzerrten Funksprüchen in unendlichen Weiten. Da ist es mehr als folgerichtig, dass das Triebwerk seines Album- und Labeldebüts Lunar Orbit Rendezvouz (LOREC) Electro der alten Schule ist. Mit einem druckvollen und dunkel-klaren an Techno geschulten Sound und dem jüngst wieder gewachsenen Interesse an Electro (nicht zuletzt dank der unermüdlichen Vorarbeit des Groove-Coverstars Helena Hauff) sollte, ja muss dieses späte Debüt (Ferguson ist seit fünfzehn Jahren aktiv, unter anderem mit French House Projekt Jupiter Ace) ziemlich massiv einschlagen.

Der in Berlin lebende Synthesizer-Minimalist Thomas Ankersmit ist harscherem Noise nicht abgeneigt. Seine Homage to Dick Raaijmakers (Shelter Press) ist eine Verbeugung vor dem niederländischen Elektronikpionier, der zu den international weniger bekannten Pionieren des elektronischen Klangmodule gehört, und in den Akustiklabors von Philips in Eindhoven Klangforschung betrieb, aber als Kid Baltan im Duo Electrosoniks ebenso elektronische Space Age-Sounds mit Humor und Pop-Appeal produzierte, wie auf dem vor kurzem wiederveröffentlichten Album Electronic Music (Fantôme Phonographique) von 1962 nachzuhören ist. Mit den Vintage-Maschinen von Serge Modular Music System channelt Ankersmit Raaijmakers elektroakustische Kompositionstechniken in einen gewittrig zerrenden Soundscape.

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