Fotos: Pierre Zylstra (Vorschaubild: I-F/Crave Festival)

So fühlt es sich an, wenn eine Musikszene dem Zenit eines in vergessen geratenem Sounds den Rücken kehrt, sich neu entfaltet und den Haager Electro um DJ TLR und I-F in neuer Frische aufblühen lässt: erwartungsvoll, impulsiv und solidarisch verbunden – das sind die Merkmale der Crave-Crew, die mehr als nur Veranstalter eines nennenswertem Festivals sind. Ihr Motto: einfach machen! Und genau das machten sie Anfang Juni im Zuiderpark mit Bravour und in einer Manier, die sogar die von den Haagern so hoch geschätzte Amsterdamer Szene anlockte.

Das Crave-Erlebnis beginnt für mich früh am Samstagmorgen im Zentrum der kleinen überschaubaren Nordseestadt Den Haag, die sich mit ihren kleinen Brücken und einem langem Kanal niederländisch-charmant präsentiert. Dieser führt dann auch direkt zum Zuiderpark, ein idyllischer, fast hundert Jahre alter Volkspark, der mit über 100 Hektar neben dem Crave Festival unter anderem auch Veranstaltungsort für eines der größten europäischen Free-To-Play-Festivals, das Parkpop, ist.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, lautet das bekannte Sprichwort und tatsächlich ist der Zuiderpark bei Ankunft voll von deren Zwitschern – lediglich die, wie der an diesem Wochenende ebenfalls anwesende Egyptian Lover es nennt, „motherfucking“ 808-liebende Partymeute ist nicht zu sehen. Pünktlich um 12 Uhr mittags ist hier weniger ein Wurm als vielmehr die Ruhe vor dem Sturm zu beobachten. Das soll sich bald drastisch ändern, sobald die bis zu 5000 BesucherInnen aus Amsterdam und Rotterdam anreisen – auf dem Gelände gezeltet wurde nämlich nicht. Solange genieße ich mit fünf anderen Anwesenden das Intro auf der Main Stage, wo Lux einen ebenso deepen wie ausladenden Sound aufmischte. Der passende Soundtrack für einen ersten Besuch in einer Lichtung die Chill-Area des Festivals, wo es zwischen Heimtrainer und Hängematte mit Blick auf den See, der mit kleinen Kanalabzweigungen das Festivalgelände durchkreuzte, wählen heißt. Nach einer anstrengenden Reise allerdings keine Frage.

DJ Stingray

Als Skee Mask jedoch gegen 15 Uhr mit Jungle-Rhythmen auf die 170 BPM zupitcht, rüttelt er mich aus der Hängematte. Auf dem Laufband strampeln oder vor der Bühne tanzen? Auch das keine Frage: tanzen natürlich! Die Main Stage füllt sich zunehmend und ab den wummernden Techno-Klängen von Aurora Halal schließlich ist vor der Booth keine Beinfreiheit mehr zu haben.

Geradewegs über eine Brücke hinüber bietet sich auf der Intergalactic-FM-Stage ein ähnliches Bild. Hier läuft phänomenaler Electro-Sound aus Den Haag, der mit einem Closing von DJ Stingray abgerundet wird. Auch Joris Hoefnagel alias Cosmox spielte auf dieser Stage und liefert aller offensichtlichen Nervosität zum Trotz ein ebenbürtiges Set ab. Als Booker des Crave Festivals hat Hoefnagel es geschafft, den Haager-Electro-Vibe in fast jedem DJ-Set präsent zu machen.

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