Fotos: Presse (Damiano von Erckert)

Mit nicht einmal 30 Jahren ist Damiano von Erckert einer der Hoffnungsträger der deutschen House-Szene. Während unzählige Techno-Newcomer die internationalen Line-Ups stürmen, ist es in um House nämlich vergleichsweise ruhig. Sein mittlerweile drittes Album In Case You Don’t Kow What To Play veröffentlicht der Wahlpariser im Dezember auf seinem eigenen Label Ava. Wir trafen ihn zum Gespräch über seinen musikalischen Werdegang, sein dreiteiliges Gesamtprojekt und den schmalen Grat zwischen Verarsche und Authentizität.

 


 

Wann hast du angefangen Musik bewusst zu hören und Platten zu sammeln?
Das erste Mal in Berührung mit Musik bin ich über meinen Vater gekommen. Der hat auch aufgelegt, besonders viel New York-House und Funk. Da bin ich schon als kleiner Junge im Auto mit dem Sound versorgt worden. Danach kam ich in eine Punk-Phase, wie das eben so ist im Teenie-Alter. Vor ungefähr 10 Jahren habe ich dann meinen besten Freund Am Kinem, der auch Künstler auf Ava ist, kennengelernt. Der hatte damals schon zwei Technics und über ihn bin ich wieder zu House und Techno und zum Platten sammeln gekommen.

Interessant, dass das bei dir auch familiär schon verankert ist.
Ja, ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Eltern im Club kennengelernt haben, aber zumindest haben sie eine Zeit lang im Ruhrgebiet in derselben Diskothek gearbeitet.


Stream: Damiano von Erckert – Tribute to a Hero

Welche Künstler inspirieren dich oder haben einen Einfluss auf deinen Sound?
Es ist schwer zu sagen, ein bestimmter Künstler inspiriert mich am meisten. Das sind für mich eher Genres, sei es afrikanische Musik und ihre Rhythmen. Große Namen wie Fela Kuti oder die ganze Detroit-Riege haben mich natürlich beeinflusst. Köln hat mich beeinflusst, besonders was organische Grooves angeht, also Soul, Funk, Brazil und Disco, aber Köln hat meiner Meinung nach auch eine der stärksten HipHop-Szenen mit Retrogott und Tito Wun. Um es zusammenzufassen: am Besten entwickelt man sich, wenn man so viel Musik wie möglich hört und sich allem öffnet. Auch, wenn es auf den ersten Blick komisch oder unangenehm klingt, jede Musik beinhaltet Gutes und Schlechtes.

Hat sich dein Sound entwickelt und inwiefern unterscheidet sich ein DJ-Set von dir von deinen Produktionen?
Als ich Ava vor 5 Jahren gegründet habe, war ich 22 Jahre alt. Dementsprechend war mein Musikwissen und -verständnis auf einem ganz anderen Level als jetzt. Damals habe ich viel Musik gemacht, die genau daran orientiert war was ich damals auch gehört habe. Also Organic und groovige Sachen wie Disco und Boogie. Mittlerweile verstehe ich durch das Auflegen auch Clubmusik wesentlich besser. Die Leute haben manchmal den Eindruck, dass ich überwiegend Vocal und Disco spiele, was aber nicht mehr so der Fall ist. Ich versuche eine große Bandbreite abzudecken. Das fängt bei Vocal House an, geht über gebrochene afrikanische Sachen bis hin zum Electro und Acid. Ich will mich da gar nicht mehr versteifen. Für die Leute ist es einfach jemanden in eine bestimmte Schublade zu packen, aber für den Künstler macht es das umso schwerer.

Suchst du eher alte Musik oder findest du auch bei den neuen Veröffentlichungen Sachen, die dir gefallen?
Ja, auf jeden Fall. Es kommt so viel neue Musik tagtäglich raus, da ist immer wieder Supergutes dabei. Ich glaube nicht, dass sich die Musik verschlechtert hat. Das hätte ich vor fünf Jahren noch gesagt, mittlerweile nicht mehr, ich glaube man muss einfach unterscheiden zwischen den Motiven, aus denen die Musik gemacht wird. Ich hab das Gefühl, dass für viele Leute das Hauptmotiv nicht das Künstlerische ist, sondern eher das Geschäft dahinter. Viele Leute verdienen Geld dabei. Ich glaube, das Künstlerische hat einen harten Kampf zu führen gegen das Kapitalistische. Viele DJs fliegen in Privatjets um die Welt, schreiben sich aber immer noch den Underground auf die Fahne. Das kann ich so nicht sehen. Viele Dinge werden einfach unter dem Deckmantel der Kunst durchkommerzialisiert. Es ist ein schmaler Grat zwischen Verarsche und Authentizität.

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