Wie gehst du mit sozialen Medien um?
Viele DJs werden nach ihren Facebook-Likes bewertet, das gab’s natürlich vor den sozialen Medien nicht. Für viele jüngere Künstler sind soziale Medien ein Schritt in diese Welt. Für die ist es wahrscheinlich unmöglich keine Online-Präsenz zu haben und trotzdem erfolgreich zu sein. Viele orientieren sich noch an Künstlern wie Moodymann oder Theo Parrish, die online nicht aktiv sind. Aber diese Künstler kommen auch aus einer Zeit, in der Leute über Plattenverkäufe bekannt geworden sind. Heutzutage gibt es ja YouTube-Tracks mit Tausenden von Klicks und diese Tracks sind stellenweise nicht mal auf ner Platte erschienen.

Stickwort „Lo-Fi House“?
Ja, darüber sprechen natürlich viele Leute und dazu werd ich auch oft gefragt. Erst mal gibt es Lo-Fi meiner Meinung nach überhaupt nicht. Das ist einfach House, der sehr roh und schlecht gemischt ist. Es ist nur ein Branding, damit die Leute verstehen, wovon andere sprechen. Diese Form des House gab es schon Ewigkeiten davor, siehe alte Omar-S-Sachen und auch noch weit vor ihm. Es geht dabei um Soundästhetik und das ist einfach ein Strom als Gegenmaßnahme zu super sauber und nahezu perfekt produzierten Sachen. Das gibt es ja auch oft, dass viele Sachen so perfekt produziert sind, dass sie auf dem Dancefloor knallen, wodurch aber auch viel Seele verloren geht.

Wie produzierst du? Besonders auf dem neuen Album?
Als ich noch in Köln gewohnt habe, hatte ich ein Studio in der Etage über meiner Wohnung. Jetzt in Paris habe ich zwei, drei Synthesizer, eine MPC, einen Sampler, einen Plattenspieler und die Soundkarte und das war’s. Eigentlich brauche ich auch nicht mehr. Als ich angefangen habe, mit dem Auflegen Geld zu verdienen, hab ich viel Geld in Equipment investiert, stellenweise auch in falsches. Mittlerweile weiß ich worauf ich Bock hab und das ist kein Riesenstudio. Ich produziere ja auch nicht für andere, sondern nur für mich und manchmal mit Freunden zusammen. An das Album bin ich auch ganz anders rangegangen als an das davor. Mein zweites Album war ziemlich konzeptionell und ich habe mir viel Gedanken darüber gemacht. Das jetzige Album besteht zum Teil aus Tracks, die schon fünf, sechs Jahre alt sind. Über die Jahre haben sich Projekte angehäuft, die noch nicht fertig waren, die hab ich in den letzten anderthalb Jahren fertig gemacht. Drei oder vier neue Tracks sind dabei, die in den letzten anderthalb Jahren entstanden sind. Also ist es eigentlich eher eine Compilation an Tracks, die rumgeflogen sind.

Was hat es mit deinen Labels auf sich?
Ava ist das große Baby und da liegt auch immer der Fokus drauf. DVE war einfach eine Möglichkeit, Tracks, die ich nicht auf AVA gesehen habe, trotzdem zu veröffentlichen und das war mehr oder weniger eine einmalige Sache. Da ist jetzt auch nicht wirklich noch was geplant. Und Tony Travolta soll eine Spielwiese für Leute sein, die einfach ein bisschen Bock haben was funkiges oder was total verschrobenes zu machen, nicht mit Fokus auf den Dancefloor. Dafür ist Ava das bessere Label.

Gab es für dich einen klaren Zeitpunkt, an dem du gemerkt hast, dass Auflegen nicht nur ein Hobby ist, sondern du davon Leben kannst?
2013 kam mein erstes Album und damit ging es für mich los. Ich bin viel rumgereist und war plötzlich bei einer Agentur. Zu der Zeit hab ich noch mein Abitur nachgeholt. Auf einmal hab ich in Brasilien und Australien gespielt und das war auch nicht nur am Wochenende oder in den Ferien, sondern in der Zeit, in der ich hätte Schule machen müssen. Das mit dem Auflegen wurde mehr und mehr und irgendwann musste ich mich entscheiden: Machst du das Abi ordentlich oder machst du jetzt das mit dem Auflegen? Dann hab ich mich natürlich für’s Auflegen entschieden. Ich hatte dann auch keinen Bock mehr meinen Lehrern ständig einen blauen Schein abzuliefern und so zu tun als sei ich krank. Also hab ich irgendwann gesagt ich muss die Schule abbrechen und bis dato war es die richtige Entscheidung.

Was steht noch auf DVE Records und Ava an?
Also heutzutage ist es schwerer, Sachen genauestens zu planen, weil die ganzen Presswerke so überlastet sind und die Lieferzeiten sich immer mehr verlängern. Wir haben gerade eine EP von Mall Grab, auf der ich einen Remix gemacht hab, in Arbeit. Und nächstes Jahr kommt das erste Album von Move D, Kunststoff, neu auf Ava raus. Darauf freuen wir uns schon sehr!