Fast zwei Jahrzehnte nach dem Release der Originalsoftware bekommt das Synthesizer-Urgestein von Native Instruments ein umfassendes Upgrade: Mit dem Massive XL stellt die Berliner Softwarefirma ihren Wavetable-Klassiker neu auf und adressiert dabei gezielt die Schwachstellen des Vorgängers Massive X.
Das zentrale neue Feature für den Produzent:innen-Alltag ist die KI-Sektion Generate: Wer dort Audio-Dateien oder einzelne Stems hochlädt, lässt den Synth die Klänge analysieren und automatisch in voll editierbare Synth-Patches umwandeln. Gleichzeitig bedient Native Instruments einen jahrelangen Community-Wunsch und ermöglicht erstmals den direkten Import eigener Custom-Wavetables.
Abgerundet wird der Massive XL durch ein neues Mutate-Tool für algorithmische Sound-Verfremdung, die Unterstützung durch Polyphonic Aftertouch sowie über 100 neue Waveforms- darunter auch Digital Sounds des Synthesizer-Klassikers PPG Wave. Damit schließt das Update die Lücke zwischen dem wuchtigen Bass-Sound des Originals und flexibleren Sounddesign-Workflows.
Massive XL ist dabei kein KI-Synthesizer, enthält aber ein zentrales KI-Werkzeug: den Preset Generator. Dahinter steht ein von Native Instruments selbst entwickeltes Modell, das eine importierte Audiodatei analysiert und daraus einen vollständig editierbaren Patch baut. Die vorgeschaltete Stem-Separation läuft ebenfalls über Machine Learning. Anders als bei Suno oder Udio wird dabei kein Audio erzeugt. Das Modell schätzt lediglich Synthesizer-Einstellungen wie Wavetables, Filter und Modulation, die dem Referenzklang nahekommen; der Klang selbst entsteht weiterhin in der klassischen Wavetable-Engine.
Massive ist dabei ein Software-Synthesizer, also ein Plug-in, das man in einer DAW wie Ableton oder Logic spielt wie ein Instrument. Das ursprüngliche Massive von Native Instruments erschien im Oktober 2006 und wurde zu einem der prägenden Klangwerkzeuge der elektronischen Musik der Nullerjahre, vor allem für fette Bässe und Leads. 2019 folgte Massive X, eine Neuentwicklung mit eigener Architektur. Alte Massive-Presets ließen sich darin nicht laden.

Die Firma blickt dabei auf eine bewegte Geschichte zurück: Native Instruments wurde 1999 in Berlin gegründet. 2017 stieg die Münchner Beteiligungsgesellschaft EMH Partners mit 50 Millionen Euro ein; im Januar 2021 übernahm der US-Finanzinvestor Francisco Partners die Mehrheit. Unter Francisco Partners kaufte NI im März 2021 iZotope und wurde im April 2022 Teil der Dachgesellschaft Soundwide, zu der auch Plugin Alliance und Brainworx gehörten. Im Juni 2023 wurde der Name Soundwide wieder aufgegeben. Am 27. Januar 2026 meldete Native Instruments beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz an. Auslöser waren laut Gearnews Schulden aus den Investorenstrukturen der Francisco-Partners-Zeit. Den Anträgen war eine gescheiterte Übernahme durch die Private-Credit-Geldgeber vorausgegangen. Im März wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Am 8. Mai 2026 gaben inMusic und Native Instruments eine verbindliche Übernahmevereinbarung bekannt. inMusic kaufte den weltweiten Geschäftsbetrieb vom Insolvenzverwalter Torsten Martini.







