DJ Elly: Veteranin des queeren Nachtkultur Stuttgarts verstorben  

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DJ Elly aus Stuttgart ist am 10. Oktober verstorben, berichten übereinstimmend diverse Medien und beziehen sich dabei auf einen Facebook-Post ihrer Partnerin Meike. DJ Elly ist seit den späten achtziger Jahren eine zentrale DJ im queeren Nachtleben Stuttgarts. 

Zuletzt hat sie besonders Progressive House, Funky House, Melodic House und Chicago House aufgelegt, aber auch Electro, Hip-Hop, Techno und Funk. Sie trat im Gaytunnel, im Wildthing, bei der Frauendisco in der Boa, später im Babylon, im Ulmer Roxy, im Neu-Ulmer Big Ball, im Mannheimer T6 und im Kings Club auf. 

Ab 2023 wurde sie durch die SWR-Doku „DJ Elly – 75 und kein bisschen leise“ von Almut Röhrl überregional bekannt. Mit ihren knallroten Haaren, tätowierten Armen und herausstechenden Outfits unterschied sich in allem, was man mit einer 78-jährigen Frau verbindet. Mit den Worten „It’s all about love“ verabschiedete sich Meike von ihrer Partnerin. 

Elly Steiner wurde am 23. März 1948 in Stuttgart geboren. Sie stammte aus einer Musikerfamilie: Ihr Vater Luis Steiner gründete die Stuttgarter Musikschule. Ihre Mutter war eine Pionierin der musikalischen Früherziehung, die nach Japan eingeladen wurde, um ihr Programm vorzustellen. Elly musste ihren Geschwistern Frühstück machen, weil die Eltern abends das Theater oder Ballett besuchten. Elly lernte Klavier und Bratsche, trug kurze Haare und Jungsklamotten und sah sich als Rebellin an. Auf Wunsch ihrer Eltern schlug sie zunächst eine Laufbahn als Lehrerin ein, gab den Schuldienst dann aber auf und arbeitete bei Verlagen als Schlussredakteurin und malte. 

DJ Elly hinter den Decks (Foto: Instagram)

Ellys Leben war seit ihrer Teenagerzeit von der Sucht geprägt, sie trank exzessiv und nahm Schmerztabletten und Psychopharmaka. Dann kam ihr „Lichterlebnis“: „Eines Nachts stand sie in ihrem Zimmer, trotz der Dunkelheit war es taghell“, erzählt sie der Kontext:Wochenzeitung. „Das Ganze dauerte keine zehn Sekunden und auf einen Schlag wurde ihr klar: ‚Elly, du musst alles ändern, sonst gehst du daran kaputt. Du gehst drauf.‘ Für sie war das wie ‚eine göttliche Eingebung‘.“ Durch sieben Jahre Therapie entkam sie dem Teufelskreis der Sucht. Halt bot ihr auch der Buddhismus, der dänische Lama Ole Nydahl gab ihr den Namen „Juwel strahlendes Licht“. 

In den 1990er-Jahren kaufte sie wie verrückt Platten und begann aufzulegen. Gleichzeitig machte sie einen Taxiführerschein, kaufte sich ein Taxi und startete ihr eigenes Unternehmen. Ausgestattet mit einem Elektroschocker im Ablagefach der Fahrertür fuhr sie als eine der wenigen Frauen damals „ganz beschissene Mitfahrer“ durch das nächtliche Stuttgart, erinnert sie sich in der Kontext:Wochenzeitung. 

Elly sah sich als menschenscheue Person und hatte nach drei Jahrzehnten DJ-Praxis noch Lampenfieber. Das Pult war für sie ein Schutzraum.  „Wenn ich begeistert bin, sind die Leute begeistert. Und so springen die Energien hin und her” beschreibt sie ihre Beziehung zur Crowd. “Ich liebe diese Menschen in dem Moment alle miteinander.” erzählt sie in der SWR-Doku.

Elly hinterlässt ihre Partnerin Meike, eine Neurobiologin, mit der sie seit den späten Achtzigern zusammen ist, und Hündin Rubin.

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