Immer mehr junge Menschen meiden das Tanzen im Club aus Sorge, unfreiwillig zum Social-Media-Content zu werden. Das besagt eine aktuelle Untersuchung des US-Gesundheitsdienstleisters LifeStance Health. Unter 1.000 Studienteilnehmenden offenbarten viele eine „tiefgreifende soziale Unsicherheit”.
Fast die Hälfte der Befragten gaben an, sich auf Tanzflächen bewusst zurückzuhalten oder gar nicht erst zu tanzen, um nicht ungewollt gefilmt und im Netz bloßgestellt zu werden. Die Angst vor dem unfreiwilligen viralen Moment beeinträchtigt laut der Erhebung bei 74 Prozent der Befragten die Fähigkeit, das Nachtleben ungehemmt zu genießen. Über 70 Prozent berichten zudem von einer generellen Hürde, öffentliche Veranstaltungen überhaupt noch zu besuchen.
Die Studienergebnisse beschränken sich zwar auf die USA. In Europa und Deutschland wird das Phänomen der kamerascheuen Tanzfläche von Trendforscher:innen und Kulurschaffenden jedoch ähnlich beobachtet. Clubkultur-Beobachter sprechen bereits von einer „fortschreitenden Lähmung der Tanzkultur”. Und: Selbst wenn Veranstaltende die Kameras am Eingang abkleben, bleibe die mentale Hürde im Kopf der Gäste bestehen.
Die Zurückhaltung auf den Dancefloors fällt mit einer angespannten Wirtschaftslage der Nachtökonomie (Stichwort Clubsterben) zusammen. Wie jüngste Daten der Berliner Clubcommission zeigen, schreiben aktuell rund 39 Prozent der Hauptstadtclubs Verluste. Neben massiv gestiegenen Energie- und Betriebskosten sowie veränderten Konsumgewohnheiten nach den Pandemiejahren dürfte die veränderte Gruppendynamik dem Sektor zusätzlich zusetzen.
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