RAW-Clubs können weitermachen: Bezirk übernimmt verdreifachte Miete

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Für die Club- und Kulturszene auf dem RAW-Gelände ist die unmittelbare Räumungsgefahr vorerst abgewendet. Nach einem zehnjährigen Streit zwischen der Kurth-Gruppe als Eigentümerin der Immobilie und dem Bezirk stimmt die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg der Anmietung des Geländes durch den Bezirk zu. Nun werden die Bedingungen der Vermietung bekannt. So muss der Bezirk künftig 11,20 Euro pro Quadratmeter zahlen; bisher waren vier Euro pro Quadratmeter fällig.

Der Bezirk gibt die Flächen an die bisherigen Betreiber:innen zum alten Preis weiter. Erhalten bleiben sollen sämtliche Clubs: das Cassiopeia mit Sommergarten, das Crack Bellmer, der Weiße Hase, die Skatehalle Berlin sowie Ateliers und Einrichtungen der Jugend- und Bildungsarbeit.

Der Bezirk lässt sich das einiges kosten: Die durchschnittliche Miete steigt von bislang etwa vier auf 11,20 Euro pro Quadratmeter – also auf rund den dreifachen Betrag. Zwei Millionen Euro stellt der Bezirk für die Übergangslösung bereit. Ein Teil der Summe fließt in dringend notwendige Instandhaltungsmaßnahmen. Sollte der Vertrag um ein drittes Jahr verlängert werden, muss das Land Berlin eine weitere Million Euro bereitstellen.

„Wir haben jetzt erstmal Zeit geschaffen”, sagt Silvia Rothmund von den Grünen, Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen. Die Anmietung sei angesichts der drohenden Räumung alternativlos gewesen. Das RAW-Gelände könne damit vorerst „als Ort für Kultur, Clubs und Kiezleben” erhalten bleiben.

Die langfristige Zukunft des RAW-Geländes bleibt jedoch unklar. Im Zentrum steht weiterhin der geplante Umbau des Geländes. Neben Kultur- und Gewerbeflächen sind rund 300 Wohnungen sowie ein bis zu 100 Meter hohes Gebäude vorgesehen. Besonders die geplante Wohnbebauung könnte für die bestehenden Clubs zum Problem werden: Ein Schallgutachten soll in den kommenden fünf Monaten klären, ob Wohnen in unmittelbarer Nähe möglich ist, ohne dass die bestehende Nutzung des RAW-Geländes durch Lärmschutzauflagen eingeschränkt wird.

Für die RAW-Kultur ist die nun beschlossene Übergangslösung dennoch ein Erfolg. „Dieser Vertragsabschluss ist ein massiver Etappensieg für die Berliner Stadtgesellschaft”, sagt Jens Schwan, Pressesprecher der RAW-Kultur. Der jahrelange Druck habe sich ausgezahlt. Das eigentliche Ziel bleibe jedoch eine langfristige Standortsicherung von mindestens 30 Jahren.

Es könnte also ein langer Weg bevorstehen, um das Bestehen des RAW-Geländes endgültig zu sichern. Nach Monaten der Uneinigkeit, Demonstrationen zum Erhalt des Geländes und nach bereits ausgesprochenen Räumungsankündigungen, ist die Lösung für die zweijährige Miete ein Ansatz, der zumindest aufatmen lässt.

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