Köln: Bauaufsicht untersagt Veranstaltungen auf der Südbrücke

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Auf der Südbrücke in Köln-Poll, der größten privat betriebenen Open-Air-Fläche der Stadt, fallen bis auf weiteres alle geplanten Veranstaltungen aus. Grund ist eine Ordnungsverfügung der Kölner Bauaufsicht, die eine bislang angewandte Genehmigungspraxis für das Gelände nicht mehr anerkennt. Die Südbrücke, bekannt für Konzerte von Künstler:innen wie Peter Fox, Manu Chao oder Kraftklub, wartet seit Jahren auf eine dauerhafte Genehmigung. Nach Angaben der Betreiber:innen läuft das Verfahren bereits seit rund fünf Jahren.

Die Geschäftsführer Thomas Füllengraben, Benjamin Schneider und Boris Witschke mussten sich in dieser Zeit immer wieder auf neue Einwände der Bauaufsicht einstellen – ein langwieriger Prozess, der viel Zeit und finanzielle Ressourcen gebunden habe. Obwohl sämtliche erforderlichen Unterlagen inzwischen vorliegen, blieb eine von der Stadt angekündigte beschleunigte Bearbeitung bislang aus.

Bisher konnten Einzelveranstaltungen auf Grundlage eines NRW-Ministerialerlasses aus dem Jahr 2024 stattfinden. Dieser erlaubt bis zu 25 Events jährlich mit weniger als 5.000 Besucher:innen, sofern alle erforderlichen Gutachten und Sicherheitskonzepte vorliegen. Im vergangenen Jahr fanden so 22 Veranstaltungen statt. Die Stadtverwaltung von Köln hält den Erlass im Fall der Südbrücke jedoch inzwischen für nicht anwendbar. Er sei nur für Ausnahmefälle der vorübergehenden und einmaligen Nutzung gedacht. Die Betreiber:innen widersprechen dieser Einschätzung und betonen, sämtliche Aufbauten seien temporär.

Scharfe Kritik kommt von der Klubkomm. Der Interessenverband der Kölner Club- und Veranstaltungsbranche wirft der Bauaufsicht vor, die bisherige Praxis „ausschließlich für die Südbrücke” geändert zu haben, „ohne schlüssige juristische Begründung und ohne Anhörung”. Die kurzfristige Entscheidung nehme den Betreiber:innen „jegliche Planungssicherheit” und schaffe auch für andere Veranstalter:innen „vollkommen unkalkulierbare Risiken”.

Unter dem Klubkomm-Statement machen auch viele Nutzer:innen ihrem Unmut Luft. Besonders häufig wird die Sorge geäußert, dass kulturelle Freiräume in Köln zunehmend wirtschaftlichen Interessen weichen müssen. Ein Kommentar zieht Parallelen zu Ehrenfeld, Deutz und Mülheim, wo Clubs und Kulturorte im Zuge von Neubau- und Stadtentwicklungsprojekten verschwanden oder verdrängt wurden. Da die Südbrücke unmittelbar an das geplante Entwicklungsgebiet des Deutzer Hafens grenzt, sehen einige darin ein ähnliches Muster.

Unterstützung erhält die Südbrücke ebenfalls aus der Kommunalpolitik. Vertreter:innen von Grünen und SPD fordern eine schnelle Lösung sowie die Erteilung von Einzel- beziehungsweise einer dauerhaften Genehmigung. Die Klubkomm fordert die Rücknahme der Ordnungsverfügung, eine Dauergenehmigung für die Südbrücke und eine einheitliche Anwendung des NRW-Erlasses. „Ein lebendiger Musik- und Kulturstandort Köln ist ohne diese Veränderungen nicht möglich”, heißt es in der Mitteilung des Verbands.

Für die elektronische Musikszene ist der Ausfall der Südbrücke ein herber Verlust. Denn die markante industrielle Location war auch eine feste Heimat zahlreicher Techno- und House-Events. Open Airs mit Acts wie Christian Löffler, Township Rebellion, Pan-Pot, Stef de Haan, Christian Burkhardt, EMILIJA, Janis Zielinski oder Kalte Liebe und KUKO fanden dort statt oder waren bereits geplant. Die Südbrücke steht exemplarisch für den Wandel ehemaliger Industrieflächen zu kulturellen Freiräumen und hat sich zu einem wichtigen Treffpunkt der Kölner Szene entwickelt.

Mittlerweile wurde eine Petition zur Rettung des Veranstaltungsortes gestartet, für die bereits mehr als 2000 Unterschriften gesammelt wurden.

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