Dr. Ann-Kathrin Biewener über das Watergate Open Air in der Malzfabrik und Clubkultur in Berlin-Tempelhof: „Ich wünsche mir, dass meine Kinder später noch erleben können, was eine gute Berliner Nacht ausmacht”

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Mit den Open Airs im Sage Beach hat das Watergate eines der zugänglichsten Formate der Berliner Feierlandschaft etabliert. Mit einer Tages- und Nachtveranstaltung in der Malzfabrik unweit des Bahnhofs Südkreuz in Tempelhof erschließt der Club nun neues Terrain. Das Programm setzt mit Acts wie DJ Heartstring, Interplanetary Criminal und Perra Inmunda auf ein junges Publikum.

Wir wollten von Dr. Ann-Kathrin Biewener, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, wissen, wie der Bezirk die Veranstaltung unterstützt und welches Potenzial sie für Tempelhof sieht.

GROOVE: In Berlin finden Wochenende für Wochenende zahllose Partys statt. Warum ist das Watergate Open Air in der Malzfabrik für euch als Bezirk Tempelhof-Schöneberg wichtig?

Dr. Ann-Kathrin Biewener: Weil es das Watergate ist. Nein, im Ernst: Clubs, Partys und Musik gehören zu Berlin. Die Clubkultur ist nicht nur ein wichtiger kultureller, sondern auch ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für die Stadt. Viele Touristinnen und Touristen kommen genau deshalb nach Berlin. Häufig konzentriert sich das Nachtleben dabei auf Friedrichshain-Kreuzberg oder Mitte. Uns war wichtig, zu zeigen, dass auch Tempelhof-Schöneberg ein Ort für besondere Veranstaltungen und innovative Formate sein kann. Die Malzfabrik bietet dafür die perfekte Kulisse.

Nostalgie-Trance im postindustriellen Grün: DJ Heartstring (Foto: DJ Heartstring/ Instagram)

Wie lockt ihr Feierfreudige nach Tempelhof in die Malzfabrik? Was ist an dem Ort reizvoll?

Die Kombination aus industriellem Charme, kultureller Vielfalt und urbanem Freiraum macht die Malzfabrik zum idealen Ort für eine besondere Open-Air-Reihe. Das historische Industrieareal hat eine besondere Atmosphäre und viel Geschichte. Gleichzeitig lässt es sich auf beeindruckende Weise mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungsformaten verbinden. Dazu kommt die sehr gute Erreichbarkeit.

Wie arbeitest du als Leiterin der Wirtschaftsförderung des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg mit der Malzfabrik und dem Watergate zusammen, um das Open Air zu realisieren?

Die Veranstaltung ist für uns wichtig, weil sie zeigt, welches Potenzial in unserem Bezirk steckt. Deshalb unterstützen wir das Projekt als Kooperationspartner und bewerben die Veranstaltungsreihe aktiv. Darüber hinaus haben wir das Watergate bei verschiedenen behördlichen Fragestellungen begleitet und unterstützt. Unser Ziel war es, gemeinsam die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein solches Format erfolgreich umgesetzt werden kann.

DJ Heartstring nehmen Tuchfühlung mit der Location auf (Foto: DJ Heartstring/ Instagram)

Was entsteht da für ein Bild des Bezirks Tempelhof-Schöneberg? Wo liegen Potenziale, was fehlt?

Tempelhof-Schöneberg ist ein unglaublich vielfältiger Bezirk. Von queerer Clubkultur im Norden bis hin zu großen Gewerbe- und Industrieflächen im Süden gibt es hier sehr unterschiedliche Lebenswelten. Eine jahrzehntelange Club-Tradition wie in anderen Bezirken haben wir zwar nicht, aber genau darin liegt auch eine Chance: Neues auszuprobieren und eigene Akzente zu setzen.

Am Anfang des Jahres hast du auf einer Veranstaltung der Clubcommission einen Vortrag zur Zukunft der Clubkultur gehalten. Wie siehst Du diese Zukunft und wo liegen für Dich die politischen Herausforderungen? Welchen Beitrag willst du leisten?

Die Clubkultur gehört zu Berlin und prägt die Identität dieser Stadt. Gleichzeitig hat sie sich in den vergangenen Jahren verändert. Deshalb müssen wir neu darüber nachdenken, wie wir Räume für Kultur, Begegnung und Nachtleben schaffen und erhalten können. Clubkultur braucht heute mehr Schutz und mehr politische Aufmerksamkeit als früher.

Ich hoffe, dass neue Formate wie die Zusammenarbeit zwischen Watergate und Malzfabrik dazu beitragen können, innovative Antworten auf diese Herausforderungen zu finden. Mir persönlich liegt das Thema am Herzen: Ich gehe selbst gerne feiern, und viele Freundinnen und Freunde besuchen Berlin gerade wegen seiner einzigartigen Clubkultur. Ich wünsche mir, dass auch meine Kinder später noch erleben können, was eine gute Berliner Nacht ausmacht.

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