Kaput ist ein Kölner Magazin, das eine persönliche Auswahl von Musik, Kunst und kulturellen Phänomenen aus einer kritischen Perspektive verfolgt. Die Herausgeber Thomas Venker und Linus Volkmann verstehen ihre Plattform als Gegenentwurf zu Musikjournalismus, der primär die Befindlichkeiten von Künstler:innen interpretiert und Events bewirbt. Ebenso wichtig wie die Inhalte sind den beiden die ökonomischen Bedingungen der Kulturproduktion. Zum zehnten Geburtstag des Zines erscheint nun ein erstes gedrucktes Kaput Mag. Wir wollten von Thomas Venker wissen, wie er und eine Mitstreiter:innen diese Herausforderung gestemmt haben.
GROOVE: Womit lockt euer gedrucktes Magazin, was kaput-mag.com nicht kann?
Thomas Venker: Die Kontextualisierung der Beiträge funktioniert im gedruckten Magazin besser. Man muss nicht so sehr um die Aufmerksamkeitsspanne der Leser:innen bangen. Man kann eher darauf vertrauen, dass sie nicht nur einen oder zwei oder eben maximal drei Beiträge lesen, sondern mehr – weil sie das gedruckte Magazin schon in der Hand haben.
Wie wirkt sich diese andere Leseerfahrung auf die Inhalte aus?
Die größeren Zusammenhänge lassen sich besser setzen und sind hoffentlich auch für die Leser:innen besser erschließbar. Zwischen den einzelnen Autor:innen und ihren Beiträgen kann man dann einen blattimmanenten Diskurs aufmachen. Das offensichtlichste Beispiel: der BDS-Report von Philip Kressmann und Linus Volkmann und das Feature über die palästinensische Filmemacherin Farouz Hasan von Aida Baghernejad.

Was hat euch dazu veranlasst, das Printheft jetzt, im Sommer 2026, herauszubringen?
Zehn Jahre Kaput – Magazin für Insolvenz & Pop war ein schöner Moment dafür. Davon abgesehen gab es aber auch persönliche Ereignisse, die den Schritt gestützt haben. Ich hatte ein schreckliches 2025. Ich musste ingesamt fünf OPs durchstehen und lag nach einem Infekt im Rahmen einer sogenannten Routine-OP am linken Fußgelenk fünf Wochen im Krankenhaus und danach noch einige Wochen mehr zuhause. Kaum genesen, wurde die Monheim Triennale, ich war dort als Co-Kurator tätig, quasi abgewählt. Die neue Bürgermeisterin der Stadt interessiert sich nicht für unsere Form von Kultur, sodass für ein Festival für Avantgarde-Musik kein Platz mehr war. Und wie reagiert man am besten auf regressive Tendenzen und ein kulturfeindliches Klima? Man wird selbst noch aktiver. Neben der Kaput-Printausgabe habe ich zudem mit Freund:innen zusammen die Kapute Szene ins Leben gerufen, einen neuen Kunst- und Musikraum in Köln, in dem wir Ausstellungen und Konzerte präsentieren.
Wie war es für euch emotional, nach mehr als zehn Jahren in die Printwelt zurückzukehren? Kann man als digitaler Journo überhaupt noch Deadline?
Deadlines sind für mich nicht wirklich relevant. Ich arbeite eher nach der Maxime: Der Schreibtisch muss immer am Abend leer sein, dito das E-Mail-Postfach. Ich schreibe also immer sofort und schiebe es nicht bis zum letzten Moment auf. Das war mir schon immer fremd – und ich tue mich auch mit Autor:innen schwer, die Deadlines zu sehr ausreizen. Call me Spießer.
Zudem war Print ja nie weg aus meinem Leben. Einige Jahre durfte ich mit André Boße und Marc-Stefan Andres – und später Aida Baghernejad – das Magazin Chart Notes to Consider beim Verlag Clouds Hill produzieren. Dann ergab sich über unser EM-Guide-Projekt vor einem Jahr die Möglichkeit, ein Printmagazin zu machen. Und last but not least habe ich immer wieder Buchprojekte verfolgt, die im Fall des im Ventil Verlag erschienen Talking to Americans Magazincharakter haben.

Was ist textlich am gedruckten Heft verlockend? Was ist anders an der Dynamik der Beiträge? Welche Formate funktionieren eher im Print als online?
Dank unserer mit Marisa Eul Bernal und Vicky Hytrek hervorragend besetzten Fotoredaktion muss ich als Allererstes die hervorragenden Fotos nennen, deren Shootings die beiden super umgesetzt haben. Für die in Auftrag gegebenen Fotos gilt das natürlich auch. Zudem gilt es natürlich die Collagen von Sarah Szczesny hervorzuheben, die sowohl das Cover als auch die Aufmacher unserer Printausgabe sowie die Lesezeichen gestaltet hat, die wir beigelegt haben – mit Arbeiten von Ani Schulze, Yeşim Akdeniz, Sarah Szczesny und Phantom Kino Ballett.
Aber natürlich blättert man generell lieber durch einen zwölfseitigen Riesen-Text zum Thema Insolvenz & Pop, als nur runterzuscrollen. Von der Kontextualisierung der Beiträge habe ich ja schon weiter oben geschwärmt. Und all die tollen Autor:innen und Fotograf:innen in einem Blatt versammelt zu sehen, ist für mich auch ein großes Argument für die Printausgabe. Noch mehr als auf der Website wird dadurch der Community-Charakter betont, der mir sehr wichtig bei der (sub)kulturellen Zusammenarbeit ist.
Ihr tendiert wie Das Wetter und Diffus zu langen Beiträgen. Warum sind heute die ganz kurzen Formate am Anfang und Ende des Heftes weniger präsent als zu Intro-Zeiten?
Weil das ganze Netz voll ist von diesen kleinen Happen.
Letzte Frage: Wie sieht das Heft aus wirtschaftlicher Perspektive aus? Wie haben die Anzeigenkunden reagiert?
Schwieriges Thema. Nicht dass wir keinen Support von unseren vielen Freund:innen und Bekannten in der Musikindustrie bekommen hätten – wir konnten wirklich viele davon überzeugen, bei uns eine Anzeige zu schalten, und sind sehr dankbar für diese Unterstützung –, aber die Kosten für eine Printausgabe sind nun mal ein echter Harakiri-Akt. Man darf halt nicht immer nur aufs Geld schauen, man muss sich manchmal bewusst von der eigenen Leidenschaft überrumpeln lassen.
Ohne die tolle Redaktion, zu der neben den bereits Genannten natürlich noch Linus Volkmann, Philip Kressmann und Lennart Brauwers gehören, und meine mich immer massiv künstlerisch und emotional stützende Partnerin hätte ich diesen immensen Arbeits- und Emo-Ritt aber sicherlich nicht ins Ziel gebracht. Kaput Print ist das Ergebnis eines kollektiven Kraftakts.







