Ketamin: Berlin im Abwasser-Ranking im europäischen Spitzenfeld

In der Abwasser-Analyse der Drogenagentur der Europäischen Union landet Berlin beim Konsum von Ketamin auf dem dritten Platz hinter Amsterdam und Bristol. Gleichzeitig steigt in der Bundeshauptstadt auch der Kokainkonsum, obgleich man im europäischen Vergleich nur Platz 37 belegt. Auffällig ist dabei die zeitliche Verteilung: Während Kokain über die Woche hinweg relativ gleichmäßig auftaucht, steigt der Konsum von Partydrogen wie Ketamin, Amphetaminen oder MDMA am Wochenende.

Hintergrund ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren zuspitzt: Abwasseranalysen zeigen nicht nur steigende Mengen, sondern auch eine Verschiebung der Konsummuster. Kokain hat sich längst als breit akzeptierte Alltagsdroge etabliert, quer durch Milieus und Wochentage. Parallel gewinnen Club- und Partydrogen wie Ketamin an Bedeutung, deren Konsum stärker an das Nachtleben gebunden bleibt.

Die aktuelle Analyse bestätigt zudem erneut eine geografische Spaltung des deutschen Drogenmarktes. Während in den westdeutschen Metropolen und Pendlerstädten wie Dortmund, München und Frankfurt der Kokainkonsum teils drastisch angestiegen ist, bleibt der Osten Deutschlands das Zentrum für Methamphetamin (Crystal Meth). In Städten wie Dresden, Chemnitz und Erfurt sind die Rückstände im Abwasser um ein Vielfaches höher als im Rest der Republik.

Ein besonders auffälliges Ergebnis der Erhebung ist der Wandel in der Clubkultur. Während der Konsum von MDMA und Ecstasy in Deutschland, Österreich und Slowenien im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen ist, erlebt Ketamin einen Boom. Deutschland gehört hier neben Belgien und den Niederlanden zur europäischen Spitze.

Möglich wird diese Entwicklung auch durch die ausgefeilte Infrastruktur des Drogenhandels. Erst vor Kurzem wurden am Köln-Bonner Flughafen 25 Kilogramm Ketamin in goldenen Gartenzwergen sichergestellt. Aber auch Kokain ist in Berlin heute oft schneller und unkomplizierter erhältlich als noch vor wenigen Jahren. Bestellungen laufen zunehmend über Messenger-Dienste, geliefert wird per Kokstaxi innerhalb kürzester Zeit bis vor die Haustür. Die sichtbare Präsenz solcher Angebote im öffentlichen Raum und die Digitalisierung des Handels haben laut Beratungsstellen zu einem deutlichen Anstieg von Hilfesuchenden geführt, die Zahl der Anfragen sei in den vergangenen zehn Jahren um rund 60 Prozent gestiegen. Besonders während der Pandemie habe sich der Konsum zusätzlich verstärkt und bei vielen verstetigt.

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) untersuchten im Rahmen der Studie sieben Tage lang das Abwasser in den großen Klärwerken in Ruhleben und Waßmannsdorf. Da die Kanalisation nicht lügt, gilt diese Methode als weitaus präziser für die Ermittlung echter Konsummuster als reine Polizeistatistiken. Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Wohnorte lassen die Daten jedoch nicht zu.

Die BWB wollten die Teilnahme am Abwassermonitoring eigentlich einstellen, da die Drogenrückstände den Klärprozess nicht behindern. Die Verwaltungen für Umwelt und Gesundheit entschied jedoch, nach drei Jahren wieder an der Studie teilzunehmen, um Trends frühzeitig zu erkennen.

News

Weiterlesen

Als Disco zu Dance wurde: Arte-Doku beleuchtet die Entstehung von „I Feel Love”

Der Song von Giorgio Moroder und Donna Summer definierte Disco neu und ebnete den Weg für Synth-Pop, House und Techno.

Als Disco zu Dance wurde: Arte-Doku beleuchtet die Entstehung von „I Feel Love”

Der Song von Giorgio Moroder und Donna Summer definierte Disco neu und ebnete den Weg für Synth-Pop, House und Techno.

Clubkultur im Museum: Neue Ausstellung im Berliner Werkbundarchiv

Mit Club Kultur Bestand Aufnahme zeigt das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ab 23. Juli 2026 eine Ausstellung über die Herausforderungen, Berlins Clubkultur musealen...

Nach Übernahme durch inMusic: Rund 100 Entlassungen bei Native Instruments

Betroffen sind laut Berichten von Entlassenen nahezu allen Unternehmensbereiche, besonders jedoch der Kundensupport.

Erneute Kritik am Habitat Festival: Hamburger Antisemitismusbeauftragte verlangt Ausladung von Sama‘ Abdulhadi

Die Hamburger Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez fordert, den geplanten Auftritt der palästinensischen Techno-DJ Sama' Abdulhadi beim Habitat Festival in Hamburg am kommenden Wochenende abzusagen....

Großrazzia in Brandenburg: Behörden stürmen mutmaßliches Drogenlabor

Bei einem groß angelegten Einsatz haben Zollfahndung, Bundespolizei und Spezialeinheiten ein mutmaßliches Drogenlabor in einer Industriehalle im brandenburgischen Ort Ludwigsfelde ausgehoben. Mehr als 250...

Nach Razzia im Augsburger City Club: Polizei durchsucht 19 Wohnungen von Clubbesucher:innen

Die Razzia im City Club gehört zu den großen Aufregern im bundesdeutschen Nachtleben in diesem Jahr. Nun legt die Polizei nach.

VUT-Vorständin Verena Bößmann über Weimers Streaming-Gipfel: „Natürlich besteht bei solchen Prozessen immer die Gefahr, dass sie am Ende eher symbolisch bleiben”

Wolfram Weimer will Spotify und Co. gerechter machen. Verena Bößmann gibt eine Einschätzung zum Potenzial der Initiative ab.

Festivalförderung vor dem Rotstift: Haushaltsentwurf der Bundesregierung sorgt für Kritik

Betroffen sind besonders die Initiative Musik, das Reeperbahn Festival und der Festivalförderfonds. Die LiveKomm warnt vor den Folgen.

Tomorrowland 2025: Brandursache geklärt

Ein Jahr nach dem Brand der Tomorrowland-Mainstage verdichten sich die Hinweise auf die Ursache für den Brand.

Clubkultur im Museum: Neue Ausstellung im Berliner Werkbundarchiv

Mit Club Kultur Bestand Aufnahme zeigt das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ab 23. Juli 2026 eine Ausstellung über die Herausforderungen, Berlins Clubkultur musealen...

Nach Übernahme durch inMusic: Rund 100 Entlassungen bei Native Instruments

Betroffen sind laut Berichten von Entlassenen nahezu allen Unternehmensbereiche, besonders jedoch der Kundensupport.

Erneute Kritik am Habitat Festival: Hamburger Antisemitismusbeauftragte verlangt Ausladung von Sama‘ Abdulhadi

Die Hamburger Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez fordert, den geplanten Auftritt der palästinensischen Techno-DJ Sama' Abdulhadi beim Habitat Festival in Hamburg am kommenden Wochenende abzusagen....

Großrazzia in Brandenburg: Behörden stürmen mutmaßliches Drogenlabor

Bei einem groß angelegten Einsatz haben Zollfahndung, Bundespolizei und Spezialeinheiten ein mutmaßliches Drogenlabor in einer Industriehalle im brandenburgischen Ort Ludwigsfelde ausgehoben. Mehr als 250...
Der Aussenbereich des City Club Augsburg (Foto: Facebook/ City Club Augsburg)

Nach Razzia im Augsburger City Club: Polizei durchsucht 19 Wohnungen von Clubbesucher:innen

Die Razzia im City Club gehört zu den großen Aufregern im bundesdeutschen Nachtleben in diesem Jahr. Nun legt die Polizei nach.

VUT-Vorständin Verena Bößmann über Weimers Streaming-Gipfel: „Natürlich besteht bei solchen Prozessen immer die Gefahr,...

Wolfram Weimer will Spotify und Co. gerechter machen. Verena Bößmann gibt eine Einschätzung zum Potenzial der Initiative ab.
Das Reeperbahn Festival könnte ab 2027 nur noch rund die Hälfte der bisherigen Bundesförderung erhalten (Foto: Reeperbahn Festival)

Festivalförderung vor dem Rotstift: Haushaltsentwurf der Bundesregierung sorgt für Kritik

Betroffen sind besonders die Initiative Musik, das Reeperbahn Festival und der Festivalförderfonds. Die LiveKomm warnt vor den Folgen.
Der Brand der Hauptbühne auf dem Tomorrowland 2025 (Foto: X / @estendenciaensv)

Tomorrowland 2025: Brandursache geklärt

Ein Jahr nach dem Brand der Tomorrowland-Mainstage verdichten sich die Hinweise auf die Ursache für den Brand.