Darwin ist DJ, Labelmacherin und Veranstalterin. Mit der im Berghain ansässigen Partyreihe REEF und dem Label SPE:C bewegt sich die Wahlberlinerin seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von UK-Bass-Kulturen und deutschem Techno.
Nach der jüngsten REEF-Ausgabe im Berghain hat GROOVE-Autor Jakob Senger mit ihr über ihre Zeit in London, ihren Vormieter Scuba und das Format ABYSS gesprochen, das REEF in Zukunft ersetzt. Außerdem hat sie uns verraten, welcher obskure Achtziger-Film mit ihrem neuen Deep-Listening-Event zu tun hat.
Es ist vier Uhr morgens auf dem Berghain-Floor. Mit Dubstep-Veteran Pinch an den Decks und Grime-Act Trim am Mic findet die REEF-Party ihren vorläufigen Höhepunkt. Nach einem Abschnitt von industriellem, bassgetriebenem Techno nähert sich das Set langsam dem altbekannten 140-BPM-Gefilde an. Der MC aus London schaltet kurzerhand auf Playback-Modus, während ihr gemeinsamer Track „All Man Got” läuft – ein schroffer, militanter Stomper. Wenig später: Die Musik verstummt, als wäre alles in einem Vakuum, und das Tanzen stoppt. Was folgt, ist eine unscheinbare Geste von Trim: „Thank you, Darwin!” Sie steht weiter hinten in der Booth, klatscht, bedankt sich ihrerseits. Dann gehen die Regler wieder auf Anschlag.
Pinch spielt Skreams Heritage-Banger „Rottan”, der Flöten temporär wieder salonfähig gemacht hat, gefolgt von Cokis infernalem „Goblin”, der den Körper weniger in Tanzlaune als in einen sensorischen Ausnahmezustand versetzt. Für eine Nacht und die frühen Morgenstunden verwandelt sich das Berghain in ein Sammelbecken zeitgenössischer Bass-Music und das ehemalige DDR-Heizkraftwerk in einen Obstladen in Croydon: von Appleblims synth-getränktem, perkussivem Skull-Disco-Sound über Om Units eindringliches Tech-Dub- und Footwork-Set bis hin zu Tim Reapers morgendlichem Hardcore-Jungle-Abriss in der Panorama Bar. Das Line-up hat natürlich die kanadisch-stämmige DJ, Label-Chefin und Bass-Music-Connaisseurin Darwin kuratiert.

Euphorie und Erschöpfung
Eine Woche später treffe ich Darwin in ihrer Wohnung in Berlin-Neukölln. Im Flur werde ich bereits herzlich von ihrem Hund Taco begrüßt, den sie in ihrer zweiten Wahlheimat Mexiko adoptiert hat. An diesem grauen Novembertag bemerkt man sein offenes, lateinamerikanisches Temperament besonders. Sie bietet mir einen Anchan-Tee an, der aufgrund seiner blauen Farbe erst mal an Mundspülung erinnert, für Konzentration und Gedächtnis jedoch förderlich sein soll, wie mir Darwin erklärt. Während wir in der Küche stehen, erzählt sie mir, dass sie vor drei Wochen noch eine schwere Grippe hatte. Aber wie das in dem Beruf so ist, man komme nie so richtig zur Ruhe.
„Das ist der Lauf der Dinge: Du fühlst dich allmählich besser, dann musst du für einen Auftritt nach London fliegen, und plötzlich liegst du wieder krank im Bett. Dadurch hätte ich es fast nicht auf die REEF geschafft. Aber als Gesicht der Party musste ich schon anwesend sein. Das war ein Zustand zwischen Euphorie und Erschöpfung, aber am Ende haben die Glücksgefühle überwiegt. Besonders weil wir an dem Abend die Tectonic-Crew am Start hatten. Das wollte ich unter keinen Umständen verpassen!”

Weg zum Bass
Dass Darwin inzwischen in Neukölln lebt und einer erfolgreiche Partyreihe vorsteht, ist aber nicht das Produkt einer einzigen ausgelassenen Berghain-Nacht. Sie erzählt mir von ihrer Zeit in London Anfang der Zehnerjahre. Dass sie in der Musikbranche arbeiten soll, stand für sie von Anfang an fest. London schien aus der Ferne das Paradies dafür. Deswegen zog sie kurzerhand von Kanada in die englische Hauptstadt, ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein. Nach einer Anstellung bei fabric habe sie Probleme mit ihrem Arbeitsvisum bekommen. Daraufhin zog sie vorerst zurück nach Kanada. In Vancouver sei sie regelmäßig auf die Partys von Wagon Repair, dem Label von Mathew Jonson, gegangen. Wie sich herausstellte, wohnten viele der DJs und Partygänger:innen gar nicht mehr in Kanada, sondern in Berlin.
Viel Überzeugungskraft war dann gar nicht mehr vonnöten. Um sich selbst von den Vorzügen der deutschen Techno-Hauptstadt zu überzeugen, zog Darwin kurzerhand nach Berlin – erneut ohne je zuvor dort gewesen zu sein. Aus einer übereilten Entscheidung wurde eine dauerhafte Lösung: Mittlerweile lebt sie seit mehr als 15 Jahren in der Bundeshauptstadt.
„Die Szene hat sich, Mary Anne Hobbes ausgenommen, sehr bro-y angefühlt”
Trotz ihres Aufenthalts in London hat sich ihr Interesse an Bass Music ironischerweise erst in Berlin herausgebildet. „Ich war damals nicht wirklich nah am Dubstep-Geschehen dran, obwohl das die Blütezeit in London war. Die Szene hat sich, Mary Anne Hobbes ausgenommen, sehr bro-y angefühlt. Man hat sich als Frau nicht wirklich eingeladen gefühlt. Erst als ich mich Techno und House langsam ermüdet haben und ich auf Swamp81– und Sub:stance-Partys gegangen bin, hat sich langsam eine Besessenheit für diese Musik entwickelt.”
Schon damals entstand Darwins Interesse an Tectonic und Labelmacher Pinch. Zu der Zeit war das Label wichtig für progressiven Dubstep: „Der Sound ist ziemlich besonders und sticht auch im Vergleich zu anderen Bass-Music-Labels der Zeit heraus”, erzählt mir Darwin. „Er hat diese Headbanger-Attitude: sehr metal, sehr punkrock, gleichzeitig düster und industriell. Deswegen war der Fit mit dem Berghain auch ziemlich offensichtlich. Außerdem kennen Rob und ich uns schon ziemlich lange.”
Auch die persönliche Bekanntschaft mit Rob Ellis alias Pinch reicht bis in die Zehnerjahre zurück. Darwin hat bereits REEF-Partys mit ihm gemacht, als die Veranstaltungsreihe noch in der Griessmuehle stattgefunden hat. Die Party wurde ursprünglich von ihr und Griessmuehlen-Resident Ricardo Esposito ins Leben gerufen und immer weiter vorangebracht. Damals noch als musikalisches Experiment und weniger als langfristiges Konzept. Dass die Reihe später einmal im Berghain landen würde, war weder beabsichtigt noch geplant. Seit 2022 findet REEF im Berghain statt. Ein guter Fit? „Es geht es weniger um Berghain-Techno versus UK-Sound, vielmehr um einen Ort, an dem die Low-End-Frequenzen atmen können”, so Darwin.
Zwischen Vision und Tradition
Wir setzen uns auf die Couch. Fast gleichzeitig springt mir Taco auf den Schoß, sodass ich beinahe meinen blauen Tee verschütte. Uns gegenüber ist Darwins Setup aufgebaut: ein Paar Technics mit DMZ-Slipmats sowie XDJs, dazu ein Allen & Heath-Xone:92-Mixer. An der Wand hängen zwei Saba 140-Monitore, dazwischen drei grafische Bilder von Kakteen. Eine Erinnerung an Mexiko, wo sie Jahr für Jahr den Berliner Winter überbrückt.

Daneben hängt außerdem ein gerahmtes Sub:stance-Party-Plakat. In der Wohnung hat nämlich früher Produzent, DJ und Hotflush-Macher Scuba gewohnt, sagt Darwin. Scuba hat die Bass-Music-Eventreihe im Berghain zwischen 2008 und 2013 kuratiert und damit Londoner Dubstep und Verwandtes in die Stadt gebracht. In dieser Zeit sei auch sie immer öfter auf Bass-Music-Events gegangen. Darwin erinnert sich, dass sie mal für eine Swamp81-Party nach London geflogen ist und dort Labelboss Loefah erlebte – und dass es „cooler als alles” gewesen sei, das sie jemals zuvor gehört habe.
Neben ziemlich offensichtlichen Traditionslinien und Kontinuitäten schlägt Darwin mit ihrer neuen Eventreihe ABYSS auch andere Wege ein. Nur beim Namen scheint es eine Verbindung mit REEF zu geben. „Kennst du den Achtziger-Film Abyss?”, fragt sie mich. Ich nicke. Der James-Cameron-Film war ein Klassiker im Spätabendprogramm bei Kabel Eins. Wir müssen beide kurz lachen. „Klar, der ist super schräg und trashig, aber irgendwie bin ich an der Idee hängen geblieben: Du hast das Riff und darunter den Meeresgrund. ABYSS ist deshalb als Deep-Listening-Veranstaltung konzipiert. Es soll die Sound-System-Culture in den Vordergrund rücken und um die psychedelischen, tieffrequenten Texturen von elektronischer Musik gehen”, so Darwin.

Meditate on bassweight
Mit dieser Art von Sound-Therapie sei sie zum ersten Mal durch die Wax-Treatment-Veranstaltungen in Berührung gekommen. Hier brachten die Hard-Wax-Mitarbeiter DJ Pete und Berghain-Resident Fiedel Dubsounds diverser Provenienz zusammen – präsentiert auf einem Soundsystem der Marke Killasan, das der japanische Underground dem Mythos nach verschwinden lassen musste und es deshalb kurzer Hand nach Berlin verschenkte.
Als eine „verändernde Erfahrung, die über das bloße Tanzen hinausgegangen ist”, beschreibt Darwin diese legendären Partys, die die unterschiedlichsten Berliner Communitys zusammenbrachten. Seit COVID findet die Veranstaltungsreihe jedoch nicht mehr statt, und das Killasan Soundsystem sammelt Staub auf dem Dachboden des Berliner Kraftwerks an. Für Darwin ein herber Verlust. Nach einer eindrücklichen Dubtopia-Session in Bern war für sie deshalb klar, etwas Vergleichbares ins Leben rufen zu müssen. Aber worum geht es ihr bei den Veranstaltungen eigentlich genau?
„Das ist ein Zustand, der dem in der Gebärmutter ähnelt”
„Low-End-Frequenzen resonieren auf einer tieferen Ebene mit dem Körper”, sagt Darwin. „Das ist ein Zustand, der dem in der Gebärmutter ähnelt. Der Subbass gibt dir das Gefühl, sicher und geborgen zu sein. Er lässt dein Ego auf einen Bruchteil zusammenschrumpfen und die menschliche Kampf- und-Fluchtreaktion für einen Augenblick aussetzen. Das geht natürlich nicht mit einer x-beliebigen Anlage. Für die erste ABYSS habe ich das Soundsystem von Digital Steppaz aus Freiburg nach Berlin bringen lassen. Das ist anders als alles, was du jemals gehört hast. Du setzt dich dem Sound und der Vibration aus, und dein Körper resigniert in dem Augenblick, es ist das genaue Gegenteil von hedonistischen, durchtanzten Nächten. Eher ein Sonntagnachmittag mit Tee, Freunden und einem ratternden Sub. Es hat schon seine Vorteile, eine kollektive musikalische Erfahrung zu durchleben, ohne am nächsten Tag mit einem dicken Schädel aufzuwachen.”
Vom Techno in die Breite
Dass Darwin jemals Deep-Listening-Events veranstalten würde, hätte sie bei ihrem Umzug nach Berlin im Jahr 2013 selbst nicht gedacht. Damals hatte Berlin noch einen anderen Reiz für sie. Man konnte nächtelang unterwegs sein, sich einfach eine Party aussuchen und staunen. Sie stand auf Deep- und Minimal-House, wie ihn Fred P oder Lawrence aufgelegt haben, aber auch klassischen House wie den von Chez Damier. Mit wirklich linearem Sound konnte sie nie so richtig etwas anfangen. Wenn also Techno, dann Musik aus Detroit.

Zum Auflegen sei sie 2011 gekommen, sagt Darwin, noch in London. „Mein Freund Jamie Fry, der das Label Stablo betreibt, hat mich dabei extrem gepusht. Wir haben ständig Musik ausgetauscht, und damals habe ich viel Tech-House, House, Deep House, Minimal, Techno und Garage gediggt. Er meinte, ich hätte mehr Gespür für Musik als die meisten professionellen DJs, die er kennt. Kurz darauf lieh mir unser gemeinsamer Freund Evan Baggs einen zweiten Plattenspieler und kam vorbei, um mir das Mixen beizubringen – im Tausch gegen eine Packung Hafer-Schoko-Cookies.”
Trotz ihres breiten Musikinteresses hat Darwin in ihren früheren Sets hauptsächlich Techno gespielt. Das hat sich erst während ihrer Griessmuehlen-Residency geändert. Ricardo Esposito hatte sie ab 2014 mit ins Boot geholt. Sie baute immer wieder ein paar Bass-Music-Tracks in ihre Sets ein, damit sich die Leute allmählich an den weiten, offenen und tieffrequentierten Sound gewöhnen. An einem Abend im Sisyphos habe sie Malas Track „Eyez VIP” gespielt, eine legendäre onesided Whitelabel von 2011. „Mitten in ein Techno-Set. Die Leute sind durchgedreht und haben mich danach gefragt, was das war. Ich meinte nur: ‚Das ist Dubstep.’ So lief das die ganze Zeit, es war wie ein Versteckspiel – mit Low-End-Frequenzen.”
Das Ding mit den Breaks
2016 fand schließlich die erste REEF-Party „als soziales Experiment”, wie sie sagt, in der Griessmuehle statt. Damals unter anderem zu Gast: A Made Up Sound und Shed. Außerdem ist der stänndige REEF-Wegbegleiter Esposito dabei. „Wir mussten die ganze Zeit da sein, falls die Stimmung kippt. Wir waren immer darauf gefasst, den Reset-Knopf zu drücken, also Techno zu spielen, um die Leute wieder in den Groove zu bringen und die Party am Leben zu halten. Das ist etwas, das wir über die Jahre gelernt haben. Eine Art musikalischer Bereitschaftsdienst für 24 Stunden.”

„Ein Balanceakt”, wie Darwin bemerkt, zwischen der eigenen Faszination für die Musik und deren Übertragung auf das techno-codierte Berliner Clubgeschehen. Die Bass-Szene war zwar längst auch in Berlin angekommen, aber die Vermischung von Techno und Bass Music noch keine gängige Praxis. Plötzlich ein 24-Stunden-Line-up auf die Bass-Beine zu stellen, erwies sich deshalb als schwieriges Unterfangen. Denn die Musik lebt von Pausen, schnellen, intensiven Build-ups und Rhythmuswechseln. Es kostet schlicht mehr Energie, ihr über einen längeren Zeitraum zu folgen. Nicht wie bei Techno, der qua seiner kontinuierlich-kongruenten Beatfolge besser für solche Nächte ausgelegt ist.

„Ich musste eine gute Mischung finden”, sagt Darwin. „Breaks, Footwork, Jungle – die Auswahl ist riesig. Morgens lief zum Beispiel oft Garage, je näher der Abend rückte, desto düsterer konnte auch der Vibe werden. Im Grunde aber war es eine Sache der Gewöhnung, der Routine. Die Leute mussten sich an diesen fluiden Sound erst noch gewöhnen. Da heißt es oft einfach: Füße stillhalten und alle Puzzleteile ganz gemächlich zusammensetzen.”
“Das war eine der schlechtesten Nächte, die wir jemals hatten”
Das erste Mal, dass sie Pinch in der Griessmuehle gebucht hat, war 2018 „Es war eine der schlechtesten Nächte, die wir jemals hatten”, erzählt mir Darwin lachend. „Der Floor war wie leergefegt, keine Menschenseele hat getanzt. Die Menschen waren noch nicht bereit.” Ein Jahr später fand die letzte Ausgabe der REEF in der Griessmuehle statt. Eine prägende Zeit, die auch ihre Schattenseiten hatte. „Meine Arbeit wurde nicht wirklich wertgeschätzt, und ich habe mich stellenweise ziemlich alleingelassen gefühlt. Hinzu kam das finanzielle Risiko.” Etwas, das sich mit dem Wechsel ins Berghain ändern sollte.

„Mir ging es dabei nicht um Status, sondern viel mehr um den Raum, das Soundsystem und die professionelle und unterstützende Struktur”, sagt sie über den Wechsel in einen der bekanntesten Techno-Clubs der Welt. Die Sub:stance-Nächte hatten bereits gezeigt, wie sich Bass Music an der Grenze zum Techno bewegen und an einem Ort wie dem Berghain entfalten kann. Viel Überzeugungsarbeit musste sie also nicht leisten. Die Übernahme der REEF lag in beiderseitigem Interesse. Seit 2021 findet die Party dreimal jährlich im Berghain statt. Hochkaräter wie Dubstep-Pionier Mala, Genre-Brecher Skee Mask und 140-170-BPM-Allrounder J:Kenzo stehen in der Line-up-Historie. Artists wie Yung Singh, die Latin-Bass-Connaisseure INVT oder die ugandische Rapperin MC Yallah repräsentieren die unglaublich vielfältige Bandbreite des Bass-Kosmos. Jede Party ist eine wohlüberlegte, inklusive Mischung aus etablierten Acts wie Pinch und Tim Reaper, und neuen Gesichtern wie Carré oder Jasmín.
„Es geht mir dabei auch um den intergenerationalen Austausch”, so Darwin „Einerseits findest du bei uns Legacy-Acts, die einen Teil zur Geschichte des Genres beigetragen haben – zum Beispiel Shackleton mit all seinen Releases auf Skull Disco. Andererseits buche ich Artists wie Jasmín, die gerade ihre erste EP bei Hessle Audio veröffentlicht hat. Ich finde gerade diese Mischung aufregend. Und ich buche gerne Leute, zu denen ich eine persönliche Verbindung habe. In der heutigen Musiklandschaft sind die meisten Beziehungen bloße Transaktionen. Aber wenn die Leute dich, die Party und den Club kennen, bringen sie ihr wirkliches A-Game an den Start. Manche sagen mir: ‚Darwin, ich hab mich die letzten drei Monate auf den Gig vorbereitet.’ Diese Energie und Sorgfalt, die die DJs an den Tag legen, überträgt sich natürlich auf die Crowd.”

Vergangenheit, Gegenwart und Kommendes
Darwin lässt den Blick durch ihr Wohnzimmer schweifen. „Scuba”, sagt sie, habe übrigens nicht nur das Sub:stance-Poster hinterlassen. Sie deutet auf den Plattenschrank: Neben den herkömmlichen Vinyl-Rücken lassen sich allerlei White-Labels erkennen. „Die hat er bei seinem Umzug einfach dagelassen”, sagt sie gelassen und meint: „Da sind alte DMZ-, Hotflush- und Big-Apple-Platten, aber auch unveröffentlichte Scheiben dabei.”
Für jemanden, der sein halbes Leben nach einer halbwegs bezahlbaren „Anti War Dub” gesucht hat, nur um es dann doch sein zu lassen, scheint das Regal von einem divinen Nimbus umgeben zu sein. Es ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Bass Music – die Soundsystem-Dubplate-Culture an einem Ort vereint. Und darüber hinaus eine Discogs-Goldgrube.

„Alles, was danach kommt, kann diese Intensität nicht matchen”
Ob sie neben dem Label SPE:C, ihren zwei Partyreihen und dem Gassigehen mit Taco noch andere zukünftige Vorhaben hat, frage ich Darwin. „Zunächst einmal: Kraft tanken in Mexiko; surfen, offline gehen, den eigenen Algorithmus zerstören. Vielleicht mit dem Produzieren weitermachen, sich ein bisschen in Ableton vorantasten”, sagt sie. „Mit Gegenständen und Klängen herumspielen, das Geräusch brechender Wellen oder aufeinanderprallender Muscheln.”
Zum Abschluss will ich von Darwin wissen, wie es war, auf der REEF-Party nach Pinch und Trim gespielt zu haben. „Auf jeden Fall der undankbarste Slot, den man sich vorstellen kann”, antwortet sie lachend. „Ich wollte die beiden nicht ganz ans Ende packen, aber sicher ist auch: Sie sind wie eine Dampfwalze über den Floor gebrettert. Pinch hat seinen super aggressiven In-your-face-Sound gespielt. Du denkst dir: Das kann er nicht bringen. Aber er macht es. Alles, was danach kommt, kann diese Intensität nicht matchen. Aber das ist der saure Apfel, in den du als Promoterin beißen musst. Und wenn du siehst, was es mit den Leuten macht, dann weißt du immerhin, warum du diesen Job gewählt hast.”
Die drittletzte Ausgabe der REEF, unter anderem mit Skee Mask, Carrier und Calibre, findet am 17. April 2026 in Berghain und Panorama Bar statt.