Crans Montana: Fotos der ausgebrannten Bar veröffentlicht

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Zur Brandkatastrophe von Crans Montana gibt es eine Reihe neuer Entwicklungen.

Fotos aus den Ermittlungsakten zeigen erstmals detailliert, warum die Bar Le Constellation in Crans-Montana bei dem Brand in der Silvesternacht zur Todesfalle wurde. Demnach entzündeten Sprühkerzen an Champagnerflaschen die mit Schaumstoff verkleidete Decke im Kellerlokal, wodurch sich das Feuer extrem schnell ausbreitete und Temperaturen von über 600 Grad erreichte. Während Möbel in Bodennähe kaum beschädigt wurden, trat unter der Decke eine massive Hitze- und Rauchentwicklung auf, an der die meisten der 41 Opfer letztlich erstickten. Fotos legen zudem nahe, dass Fluchtwege zum Problem wurden: Ein schmaler Treppenaufgang wirkte wie ein Kamin, der Hitze nach oben zog, während ein Notausgang und weitere Türen offenbar verschlossen waren. Viele Opfer wurden am Fuß der Treppe gefunden.

Beim Brandschutz hatten die Betreiber Jacques und Jessica Moretti offenbar gespart. Gegenüber dem italienischen Sender RAI äußerte sich der Möbellieferant der Morettis. Sie hätten Sofas, Stühle und Parkett bei ihm bestellt, dabei aber auf feuerfesten Akustikschaum für die Decke verzichtet. „Jacques Moretti hat gesagt, dass er keinen Brandschutz für die Einrichtung brauche”, wird der Möbelhändler zitiert.

Le Constellation nach der Brandkatastrophe (Foto: Akten Staatsanwaltschaft Wallis)
Le Constellation nach der Brandkatastrophe (Foto: Akten Staatsanwaltschaft Wallis)

Nach der tödlichen Brandkatastrophe kam es am Rande einer Anhörung zu emotionalen und teils aggressiven Szenen. Angehörige der Opfer konfrontierten das Betreiberpaar vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft in Sitten und warfen ihnen direkte Verantwortung für den Tod ihrer Familienmitglieder vor. Die Betreiber wurden unter Polizeischutz ins Gebäude gebracht.

Neue Recherchen zeigen, dass die Gemeinde Crans-Montana offenbar bereits 2023 über gravierende Probleme bei den Brandschutzkontrollen informiert war – also lange vor der tödlichen Brandkatastrophe. Laut einem internen Revisionsbericht, aus dem Medien zitieren, gab es erhebliche organisatorische Mängel innerhalb der Gemeindeverwaltung, insbesondere beim für Feuerpolizei und Sicherheitskontrollen zuständigen Dienst. Mitarbeitende seien überlastet gewesen, Disziplinarfälle teils ignoriert worden und wichtige Kontrollen hätten nicht stattgefunden. Demnach wurde die betroffene Bar zuletzt 2019 inspiziert, obwohl gesetzlich jährliche Kontrollen vorgeschrieben gewesen wären. Auch viele andere öffentliche Gebäude wurden über Jahre hinweg nicht überprüft. Der Bericht empfahl Reformen, die jedoch nur teilweise umgesetzt worden sein sollen.

Jessica und Jacques Moretti sind das Betreiberpaar (Foto: privat)
Jessica und Jacques Moretti in glücklicheren Zeiten in einem privaten Foto aus den sozialen Medien (Foto: privat)

Als weitere Entwicklung ist nun auch der Gemeindepräsident Nicolas Féraud angezeigt worden. Anwält:innen eines schwer verletzten Opfers werfen ihm unter anderem fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung des Lebens sowie Verstöße gegen das Brandschutzgesetz vor. Ob ein Strafverfahren eröffnet wird, ist bislang offen; zunächst sollen polizeiliche Ermittlungen klären, ob sich die Vorwürfe erhärten.

Im Zentrum der Ermittlungen steht aber das Betreiber-Ehepaar. Unklar ist, wie sich Jacques (49) und Jessica Moretti (40) im Wallis in kurzer Zeit ein Immobilien-Portfolio im Wert von 5 Millionen Schweizer Franken aufbauen konnten – 4 Millionen nahmen sie offenbar bei Banken als Hypotheken auf.

Ein Facebook-Profil der Bar zeigt Fotos vom Umbau im Jahr 2015, den Jacques Moretti persönlich durchgeführt hatte. Dabei wurde die gesamte Bar entkernt (Foto: Facebook/ Focus)

Neben der abgebrannten Bar besitzen die Morettis das Restaurant Le Senso, das ebenfalls in Crans-Montana liegt. Im Nachbarort Lens V führen sie zudem ein Restaurant, Le Vieux Chalet. Zudem besitzen die Franzosen verschiedene Immobilien in Lens und Garagen für einen beachtlichen Fuhrpark aus Mercedes AMG, Porsche Cayenne, Maserati und einem Bentley. Ein Blick-Reporter sichtete Jacques Moretti in einem Jaguar.

Auch dieses Foto stammt von 2015, als die Bar umgebaut wurde. Der hier eingesetzte Polyurethan-Schaum ist leicht entzündlich (Foto: Facebook)
Auch dieses Foto stammt von 2015, als die Bar umgebaut wurde. Der hier eingesetzte Polyurethan-Schaum ist leicht entzündlich (Foto: Facebook)

Der italienische Journalist und Mafiajäger Roberto Saviano spricht von Hinweisen, die Le Constellation mit Geldwäsche in Verbindung bringen. Der Anwalt von Jacques Moretti weist die Vorwürfe allerdings zurück. Es gebe keine Verbindung zur organisierten Kriminalität, sagt Anwalt Patrick Michod.

Unstrittig ist aber, dass Moretti in Frankreich wegen schwerer Zuhälterei zu zwölf Monaten Haft (davon acht auf Bewährung) verurteilt wurde. Moretti soll 2004 und 2005 mehrere Frauen in Frankreich und der Schweiz als Prostituierte angeworben und finanziell ausgenutzt haben. Er habe Frauen in einer Genfer Wohnung untergebracht, die als Massagesalon diente, stellte damals ein französisches Gericht fest.

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