Der Berliner Art-Director und Grafiker Paul Snowden hat das Buch sabotageespionage—THE BOOK über das Rave-Modelabel Sabotage veröffentlicht. Die Marke aus Waghäusel bei Mannheim prägte in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren mit radikalen Materialexperimenten, zerstörten Konstruktionen und bewusst elitärem Anspruch eine eigene Form von Avantgarde-Mode. Im Zentrum des Buchprojekts steht die einflussreiche Phase zwischen 1989 und 1995 – eine Zeit, die trotz ihres kulturellen Nachhalls bislang kaum dokumentiert ist.
Das Projekt wurde vollständig unabhängig realisiert: Nach einer zunächst verhaltenen Crowdfunding-Phase finanzierte Snowden die Produktion größtenteils privat, wodurch er sich vollständige kreative Kontrolle sicherte. sabotageespionage—THE BOOK erschien im Dezember, kostet 170 Euro und ist auf 404 nummerierte Exemplare limitiert. Eine digitale Version wird es nicht geben, ebenso wenig Nachdrucke.
„Nachdem ich festgestellt hatte, dass es praktisch keinerlei Dokumentation über die Marke gab, gründete ich 2022 den Instagram-Account sabotageespionage”, erklärt Snowden die Entstehung des Projekts. „Damals waren online nur etwa zehn Bilder zu finden – und erstaunlicherweise hatte es zuvor weder ein Buch noch ein Archiv oder irgendeine Form von Dokumentation gegeben”, so Snowden. „Über einen gemeinsamen Freund wurde ich schließlich dem Sabotage-Gründer Michael Dannroth vorgestellt und erhielt seine Zustimmung, das Ganze inoffiziell zu dokumentieren. Seitdem habe ich Kontakt gehalten und nahezu alle ehemaligen Designer:innen ebenso wie eingefleischte Fans getroffen”, so Snowden weiter.
Für das Buch sprach Snowden mit zentralen Akteur:innen aus Design, Management und Rave-Szene, darunter neben Gründer Michael Dannroth etwa mit Milk!-Veteran und GROOVE-Autor Holger Klein, Frontpage-Macher Jürgen Laarmann, ehemaligen Designern wie Errolson Hugh (Acronym) und Paul Harvey sowie prägenden Figuren der Techno-Kultur der Neunziger wie Kerstin Greiner (Partysan) und Patrick Pulsinger.

Sabotage war ein deutsches Avantgarde-Modelabel aus Waghäusel bei Mannheim, das besonders zwischen 1989 und 1995 eine radikale Ästhetik entwickelte, die eng mit der aufkommenden Rave- und Techno-Kultur verbunden war. Inspiriert von Industrieruinen, Arbeitskleidung und technischen Materialien, übersetzte die Marke die Atmosphäre nächtlicher Fabrikpartys in Mode: zerstörte Stoffe, funktionale Details, ungewöhnliche Materialkombinationen. Während italienische und französische Labels ein glamouröses Schönheitsideal propagierten, setzte Sabotage auf Rohheit, Oberfläche und Konstruktion.
Paul Snowden ist ein aus Neuseeland stammender Aktionskünstler, Designer und Herausgeber, der seit Ende der 1990er-Jahre in Berlin lebt und arbeitet. Bekannt wurde er unter anderem durch das Fanzine Bang Bang Berlin sowie durch das Streetwear-Label Wasted German Youth, das visuell stark von Hardcore-, Punk- und elektronischer Musik geprägt ist. Snowdens Arbeiten bewegen sich seit Jahrzehnten im Spannungsfeld von Subkultur, Mode und visueller Provokation – eine Schnittstelle, die auch seinem Sabotage-Buchprojekt zugrunde liegt.







