Babis Panagiotidis: Nürnberger Medienkünstler und Techno-Aktivist verstorben

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Der Nürnberger Medienkünstler, DJ und Veranstalter Babis Panagiotidis ist am 5. Januar verstorben. Neben seiner künstlerischen Arbeit war Panagiotidis auch als Musiker unter dem Namen DJ Babis Cloud aktiv und kuratierte im Nürnberg der Neunziger und Zweitausender die einflussreiche Eventreihe Belly Cloud. Er erlag laut Mitteilung einer schweren Krankheit. Der Nürnberger Club Z-Bau würdigte Panagiotidis in einem Gedenkpost.

Babis Panagiotidis, geboren in Nürnberg, wuchs mit seinen Großeltern in einem kleinen Bergdorf in Griechenland auf, „in einer Zeit ohne Telefon und Stromversorgung”, wie er in seiner Biographie schrieb. Durch sein Kommunikationsdesign-Studium an der FH Nürnberg fand er seinen Weg zurück nach Deutschland. Nach dem Studium war er zunächst in der Werbung tätig. Den Höhepunkt seiner Arbeit erlebte er als Gestalter für die Olympischen Spiele in Athen 2004. Allerdings sah er diese Zeit später kritisch: „Die Arbeit in der Werbung, anfänglich als Kreativ-Möglichkeit gesehen, heute als stupid kalkulierter Wachstums-Katalysator ohne Rücksicht auf Folgen und Nebenwirkungen verachtet”, reflektierte er später.

Nachdem er sich von kommerzieller Arbeit abwendete, fokussierte er sich auf künstlerische Praxis mit dem Fokus auf Objekte, Installationen und bildende Kunst. Panagiotidis beschäftigte sich in seiner Arbeit häufig mit zivilisationskritischen Themen und versuchte, historische Bezüge in zeitgenössische Kontexte ragen zu lassen. Zu seinen bekanntesten Werken gehört Hedon is(my) Trojaner, ein dreidimensionales Mosaik aus Computertasten, das 2009 den Nürnberger Kunstpreis gewann.

„Hedon is(my) Trojaner“ von Babis Panagiotidis (Foto: babiscloud)
Hedon is(my) Trojaner von Babis Panagiotidis (Foto: babiscloud)

Hedon is(my) Trojaner war 2013 auch Anlass für ein Gerichtsverfahren. Panagiotidis stritt sich mit dem Vermieter einer Garagenanlage um den Wert der Arbeit, nachdem dieser sie unerlaubt entsorgt hatte. Der Vermieter wollte nicht mehr als 5000 Euro zahlen, Panagiotidis schätzte den Wert seiner Arbeit auf 23.500 Euro, ein Galerist, der das Tastatur-Pferd Ende 2009 ausgestellt hatte, sogar auf 100.000 Euro.

Unter dem Namen DJ Babis Cloud war Panagiotidis über mehrere Jahrzehnte als DJ und Veranstalter aktiv. In den Neunzigern und frühen Zweitausendern veranstaltete er in Nürnberg eine Eventreihe mit dem Titel Belly Cloud; sie umfasste zahlreiche Club-Termine und spielte eine Rolle in der lokalen Szene. Die Veranstaltungen wurden unter anderem im Z-Bau und anderen Locations durchgeführt, Panagiotidis fungierte dort als Gastgeber, Organisator und Grafiker. Unter anderem waren dort Jeff Mills, DJ Hell oder Richie Hawtin zu Gast.

Copy-Art von Babis Panagiotidis (Foto: bellycloud)
Copy-Art von Babis Panagiotidis (Foto: bellycloud)

„DJ [sic!] ist für mich das direkte und sofortige Feedback der Tänzer auf dem Dancefloor”, schrieb Panagiotidis über das Auflegen. „Ein erlösendes Erlebnis, im Gegensatz zu der sonst tage- und monatelangen isolierten Arbeit an Werken, die mit einem langen Delay einen Kommentar, eine Reaktion erzeugen. Die elektronische Musik für die Tanzfläche ist der direkte Ableger afrikanischer Ur-Rhythmen, die Beat-Struktur verwandt mit dem Herz-Beat, eine Kunstform, die sich an der Realität (des Körpers) orientiert.”

„Danke Babis”, schreibt der Z-Bau. „Für die gemeinsame Zeit, für deine Kreativität, deine Inspiration, deinen Antrieb, für über 20 Jahre Belly Cloud, deine Kunst, deine Musik, deine Meinungen, deine Herzlichkeit, deine Fragen, deine Antworten, deinen nicht enden wollenden Ideenstrom, deine Umtriebigkeit.”

Zu seiner Installation La Vie schrieb Babis Panagiotidis: „Das Leben ist eine Reise, und den Tod, das Unbekannte danach, könnte man auch als den Anfang einer weiteren Reise betrachten.”

Anfang Februar findet eine Gedenkfeier im Z-Bau statt. Mehr Informationen findet ihr hier.

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