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Die Platten der Woche mit 82J6, D.Dan, Laenz, Om Unit und Nikki Nair & DJ ADHD

82J6 – Geschlossen (Offen Music) 

Seit vielen Jahren schon macht der Kölner Patrick Keuthen semi-anonym toolige Technomusik unter seinem Alias 82J6. Was im Namen an ähnliche puristische Projekte wie Sheds EQD oder WK7 erinnert, erzeugt auch akustisch eine ebenso schlanke Ästhetik.

Wenige Elemente, reduziert aufs Wesentliche, dabei nicht mit dem Minimal der Nullerjahre zu verwechseln, sondern eine klar im Techno verwurzelte Formensprache. Vielleicht auch eine Spur Kompakt-Einfluss (der Heimat in der Domstadt geschuldet?) oder ein Faible für Pampa und dessen Betreiber DJ Koze lassen sich hören — der „Maison Mix” kommt nämlich mit einem bestechenden Vocal-Sample daher, das dem sonst sehr trockenen Track, der sich um einen hypnotischen Synth-Loop dreht, ein Stück Seele und Erzähl-Moment verleiht. Gerade im Kontrast mit dem sehr eindimensional anschiebenden Loop wirkt das noch besser. Auch auf dem „Dub Mix” ist das Sample noch vorhanden, doch die Instrumentalparts gewinnen dank einiger Effekte an Dynamik. In beiden Versionen bleibt „Geschlossen” jedoch ein gleichermaßen trippiger wie geradliniger, spezieller Track für die wirklich andersweltlichen Momente. Leopold Hutter

D.Dan – sequence.01 (summerpup)

Hier pumpt die Bassdrum ohne viel Federlesen geradeheraus, während sich Schicht um Schicht ein neues Element um diese Basis legt. Sei es die Clap auf Taktschlag Zwei, die offene Hi-Hat auf Drei, die geschlossene wiederum, die sich nähmaschinengleich durch den Track tackert – man kennt das Spiel. Dazu eine bleepende Synth-Sequenz als Dreingabe, fertig ist der Track. Genauer gesagt die Sequenz, rührt doch daher wohl der EP-Titel. Dass jedes Stück nämlich nur eine Sequenz ist, die ihre hypnotische Kraft aus der Kombination ihrer Elemente bezieht. Siebenmal exerziert D.Dan hier dieses Prinzip, siebenmal kompromisslos minimaler Techno im Stile eines Robert Hood oder frühen Jeff Mills. Für zuhause ist das freilich nichts, aber in ihrer Loophaftigkeit sind die Tracks perfekte Mix-Tools für die Tiefe der Nacht. Tim Lorenz

Laenz – After Sunset (Woozy)

Laenz’ Debüt auf Woozy beginnt zaghaft. Trippy, psychedelisch und soundtrackhaft geht es auch im zweiten Stück weiter, getragen von einem unaufdringlichen Breakbeat. Dieses Muster setzt sich fort, die Tracks leben von Vielschichtigkeit und ständiger Entwicklung, wenig wird in typisch-periodischen Blöcken wiederholt. Dabei geht es weniger um Spannungsaufbau als um Entwicklung selbst – offensiv Offensichtliches ist nicht Laenz’ Ding. Das ist sehr sympathisch angesichts des verzweifelten Ringens um Aufmerksamkeit allerorten. Und dass sie auch Club kann, beweist Laenz mit dem vierten Track. Auch „Echoes Until” lässt sich Zeit, baut über das erste Viertel eine gewisse Steigerung auf, geht dann aber wieder vom Gas, um nochmals Dynamik aufzubauen, die vor dem Höhepunkt wieder in sich zusammenfällt, um im letzten Drittel des Tracks die Crowd in eine psychedelische Zwischenwelt aus Bass Music, Techno und spooky Klangschlieren zu entführen. Mathias Schaffhäuser

Om Unit – Fragments (Self-released)

Nach der Wiederveröffentlichung seines Albums Threads im letzten Jahr meldet sich Om Unit mit einer neuen EP zurück, die als Fortsetzung seiner selbstveröffentlichten Off-Label-Reihe verstanden werden will. Ganze acht Tracks gibt es zu hören, die sich in den BPM deutlich voneinander unterscheiden, aber alle mit Breakbeats arbeiten und (wie immer bei Om Unit) gleichzeitig Feldforschung betreiben für neue Experimente an der Schnittstelle zwischen Dub, Breaks, Techno und Jungle: „Snagged” ist ein gebrochener, dubbiger Stepper mit hallenden, melodiösen Chords und schwerelosen Vocals, „Citrus” mindestens genauso kosmisch-atmosphärisch und multidimensional scheppernd, während der Mr.-Ho-Remix des Tracks gekonnt klassischen Acid-House und Jungle kreuzt. Was bei anderen Künstlern vielleicht für ein neues Albumprojekt gereicht hätte, ist hier nur ein bescheidener Einblick in vergangene Studiosessions. Trotzdem sind diese Tracks keine unausgereiften Tools oder Skizzen, sondern sollten als innovative, mit Dramaturgie versehene Stücke ihren Weg in mehr mutige DJ-Sets finden. Leopold Hutter

Nikki Nair & DJ ADHD – Where U Find This EP (Future Classic)

Wie kann man heute in der Clubmusik die Verhältnisse zum Tanzen bringen? Vermutlich am besten so, wie es Nikki Nair & DJ ADHD auf ihrer zweiten gemeinsamen EP vormachen. Beim Titeltrack in klassischer Footwork-Manier mit rhythmisch angekantetem Stimmensample über schnippischem Beat samt scheppernden Cowbells. Dank Störeffekt sorgt der Sprachschnipsel obendrein für einen veritablen Ekstase-Moment. „Fidget Spinner” wirft erst einmal ein paar James-Bond-Streicher in den Mixer, bevor der Beat mit Katzenmiauen zusätzlich durcheinandergewirbelt wird. „Shitty MP3” bietet mehr Spaß mit Sprachsamples und einem Beat, bei dem noch einmal sehr schön deutlich wird, dass die Beiden den scheinbaren Widerspruch, serious club music zu machen, ohne die Dinge allzu ernst zu nehmen, wunderbar in Tanzflächenenergie umzuwandeln verstehen. Bei „Mommy” erzeugen sie diese dann bloß unter Zuhilfenahme der erforderlichen Grundzutaten. Tim Caspar Boehme

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