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Die Platten der Woche mit 30drop, Basic Rhythm, DJ Life, Galcher Lustwerk und Siu Mata

30drop – Music For Empty Rooms With Bloody Windows EP (30D)

Ohne viel Fanfaren hat sich der anonyme Produzent 30drop ein beachtliches kleines Oeuvre aufgebaut, darunter zwei Alben auf Jeff Mills’ Label Axis sowie eine ganze Reihe EPs auf dem eigenen Imprint 30D.

Music For Empty Rooms With Bloody Windows ist ein neues Projekt, das sich abseits des Dancefloors bewegt und für schummrige Stunden alleine gemacht zu sein scheint. Unheimliche Drones, melancholische Piano-Tupfer, gespenstische Spuren von Acid-Synths und jede Menge Distortion und Tape Hiss. Was sich in der Beschreibung möglicherweise aufreibender liest, als es wirkt, kommt dank seiner geduldigen Vortragsart doch ganz beruhigend rüber. Genau darum geht es dem Künstler augenscheinlich auch: ein spukhaftes Klangkonstrukt zu schaffen, in dem man sich dennoch entspannen kann. Leopold Hutter

Basic Rhythm – The Bounce (The Trilogy Tapes)

Das Londoner Musik- und Merchlabel The Trilogy Tapes präsentiert vier Hardstep-Tunes des britischen Produzenten Anthoney J Hart. Der ist schon seit den Neunzigern als Pirate-Radio-DJ aktiv und veröffentlicht seit 2010 unter Pseudonymen wie East Man, Imaginary Forces und Basic Rhythm kräftigen Drum’n’Bass mit extra großer Subbassetage.

Hier gibt es vier asketische Tunes unter seinem Basic-Rhythm-Banner, die ohne viel Schnörkel auskommen, mit dunkler Atmosphäre frühe Dubstep-Vibes aufgreifen und erst richtig funktionieren, wenn die Lautstärke im oberen Bereich tanzt. Krasse Stepper, die teilweise an frühe Doc-Scott-Stücke auf 31 Recordings oder No-U-Turn-Veröffentlichungen von Ed Rush erinnern, allerdings ohne antiquiert zu wirken. Ihr Minimalismus ist einnehmend, ihre Funk-Dynamik präzise fordernd, alles poliert mit scharfen Synthsounds und knirschendem Basswobble. Zuweilen gibt es auch Noise, und kein Break bricht an der falschen Stelle. Grandioses Shadow-Boxing! Michael Leuffen

DJ Life – Southern Seas EP (Craigie Knowes)

Wurde DJ Lifes letzte EP auf Program Earth noch von einer Dub-House-Basis zusammengehalten, fußt seine zweite Craigie-Knowes-Veröffentlichung eher auf einer neo-trancigen Basis. Aber um stilistische Stringenz geht es in der Musik von Patrick Blay ohnehin nicht, dafür zieht sich eine äußerst sympathische Vorliebe für Verspieltheit und Humor durch eigentlich alle seine Tracks. Dabei vermeidet der Australier konsequent, die Klippe zu Klamauk und Disco-Glitter zu überschreiten. Nichts ist hier augenzwinkernd oder übertrieben, seine Soundideen sind perfekt dosiert und setzen die richtigen Akzente über einem wie auch immer gearteten und von was auch immer beeinflussten Beatfundament. Dieses spielt letztendlich die Hauptrolle, den Grooves, so bekannt sie sein mögen, wohnt eine eigentümliche Energie und – Achtung, Emo-Falle! – Lebensfreude inne, die sich schon nach wenigen Takten überträgt und Blays Musik aus der uninspirierten Masse heraushebt. Mathias Schaffhäuser

Galcher Lustwerk – Liberty, Oh! (Lustwerk)

Liberty Oh! ist die dritte EP und letzte EP einer kleinen Reihe, die Galcher Lustwerk zwischen September und Dezember des letzten Jahres veröffentlicht hat. Sie führt den bekannten Deep House-Stil des Wahl-New-Yorkers fort, mit warmen Synths, jazzigen Motiven und der unverkennbaren Stream-of-Consciousness-Poesie des Produzenten selbst. Während die inoffizielle Vorgänger-EP No Trip relativ akustisch klingend ausfiel und an Funk orientiert war, klingt diese Platte wieder ganz nach dem originellen Lustwerk, den wir kennen und lieben gelernt haben. Knackige Drummachine-Patterns mit genügend Swing, weiche Melodien zum Reinlegen und immer genügend nudelnder Jazz, um bei der Stange zu halten.

Der Titeltrack überzeugt dank treibender Drums und einem niemals enden wollenden Filter-Strudel. „Stimming” wummst schwer und verdichtet den bekifften Vibe nochmals mit molligen Orgelakkorden; „Atomic Eye” wird noch eine spur wackeliger und lässt Platz für schräge Synthschwaden und sogar eine Art Saxofon. Das späte Highlight „Tragic ‘15” klingt in seinem bedächtigen Minimalismus aus kargen TR-Beats und stoischen Versen ziemlich nach dem Erstlingswerk 100% Galcher von 2013 – und das im besten Sinne! Leopold Hutter

Siu Mata — Amasia (Nervous Horizon)

Ein jeder der sechs Tracks auf Siu Matas neuer EP ist benannt nach einer Formationsperiode der erdgeschichtlichen Kontinente – „Vaalbara”, „Ur”, „Rodinia” und so weiter –, dergestalt symbolhaft für immerwährende Fusion und Evolution stehend. Und das passt ausgezeichnet zum Klang der Bass-Tunes. Schiebt sich dort doch das Bassfundament, tektonischen Platten gleich, gegen- wie auch ineinander, während gleichzeitig endlos rollende Percussion-Lines ebendieses Fundament luftig leicht in ewig mäandernder Veränderung umflirren. Dazu ein paar Stimmsamples, ein paar atmosphärische Klangfetzen, mehr braucht es gar nicht. Die Magie liegt darin, wie Mata aus diesen karg-rudimentären Elementen Stücke erschafft, die auf unwiderstehlich zwingende wie swingende Art die Beine in Bewegung versetzen. Mit anderen Worten: Bass Music par excellence. Tim Lorenz

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